VfB Stuttgart

Der Mutmacher für den VfB Stuttgart

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VfB-Coach Markus Weinzierl vor der Auswärtspartie beim 1. FC Nürnberg © ZVW/Danny Galm

Stuttgart.
Pünktlich um 11 Uhr am Mittwochvormittag betrat Markus Weinzierl mit weißem Hemd, dunklem Anzug und Dreitagebart den Pressekonferenzraum Raum im Bauch der Stuttgarter Arena. Willkommen zurück auf der Bühne Bundesliga!Seit Dienstag ist der 43-jährige Niederbayer der neue Cheftrainer auf dem Cannstatter Wasen und verkündete bei seiner offiziellen Vorstellung am Mittwoch voller Optimismus: „Der Kader ist gut und sicher nicht so wie der aktuelle Tabellenstand.“

Locker und eloquent

Der Auftrag an Weinzierl ist klar. „Es geht sicher darum, ein bisschen erfrischender, ein bisschen aggressiver und torgefährlicher zu spielen“, sagt Sportvorstand Michael Reschke. Diese Aufgabe sollen der gebürtige Straubinger und sein neues Trainerteam nun mit Leben füllen – und so den angeschlagenen Traditionsclub wieder in sicheres Bundesliga-Fahrwasser führen. 

Sehen Sie die Pressekonferenz mit dem neuen VfB-Cheftrainer Markus Weinzierl und Sportvorstand Michael Reschke hier im Video:

Eine zentrale Rolle in Weinzierls Überlegungen nimmt dabei Stürmer Mario Gomez ein. „Wenn ich Mario Gomez da vorne drin habe, dann muss ich ihn auch in Szene setzen“, sagt Weinzierl, „umso mehr Bälle da kommen, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass er trifft.“

Zehn Tage vor der ersten Bewährungsprobe gegen Spitzenreiter Borussia Dortmund gab sich der neue Stuttgarter Trainer betont locker und eloquent. „Die Vorfreude ist groß. Es gibt eine spannende Aufgabe zu bewältigen“, sagt Weinzierl. Die kommenden Tage will er nutzen, um seine Mannschaft genauer kennenzulernen und sich im neuen Umfeld zurecht zu finden.

Weinzierl: „Ich werde täglich 110 Prozent geben“

Ähnlich wie bei der Amtsübernahme von Tayfun Korkut im Januar 2018 stehen zunächst einmal Ergebnisse im Vordergrund. „Das zweite Ziel ist es, die Aufgabe offensiv und mutig anzugehen“, betont Weinzierl in seiner neuen Rolle als Mutmacher für den VfB.

Weder die aktuelle Tabellensituation noch der immense Trainer-Verschleiß bei den Schwaben (14 Trainer in den letzten zehn Jahren) haben den 43-Jährigen bei seiner Entscheidung für den VfB abgeschreckt. Ganz im Gegenteil: „Ich war von Anfang an begeistert von der Idee.“

Der aktuelle Negativlauf der Stuttgarter – nur fünf Punkte aus den ersten sieben Spielen – soll schnellstmöglich gestoppt werden. „Wir müssen uns Selbstvertrauen über Erfolgserlebnisse holen. Ich bin sehr zuversichtlich, dass es passt“, sagt Weinzierl, „ich werde täglich 110 Prozent geben, dass wir erfolgreich sind.“

Das plant Markus Weinzierl mit dem VfB

Bereits Anfang des Jahres, nachdem sich der VfB Stuttgart von Aufstiegstrainer Hannes Wolf getrennt hatte, stand der 43-jährige Niederbayer auf dem Wunschzettel von VfB-Sportvorstand Michael Reschke. Zu einer Verpflichtung kam es allerdings nicht.

„Damals war das in der Kürze der Zeit nicht möglich“, erklärt Weinzierl, „die Voraussetzungen sind jetzt andere.“ Anfang des Jahres stand Weinzierl noch beim FC Schalke 04 unter Vertrag und eine schnelle Einigung war nicht möglich. Reschke verpflichtete stattdessen Tayfun Korkut. Das Ende ist bekannt. Korkut musste gehen, weil er es nicht schaffte, die Mannschaft spielerisch auf ein neues Level zu heben.  

Und hier kommt Markus Weinzierl ins Spiel, der am Mittwoch auch über seine Spielidee sprach: „Es ist klar, dass wir über die Außen und über den Zehnerraum kommen wollen.“ Es gelte jetzt, das „Potenzial aus der Mannschaft und den einzelnen Spielern herauszuholen.“

In der Länderspielpause muss der neue Trainer dabei auf sieben Spieler, die mit ihren Nationalmannschaften unterwegs sind, verzichten. Ins Mannschaftsgefüge ("gestandene Spieler und hungrige Talente") will Weinzierl "Frische und Dynamik" einbringen und so den Weg zurück in die Erfolgsspur finden.

Während Weinzierl seinen Plan mit der Mannschaft („Wir wollen mit Mut in allen Bereichen raus aus der Tabellensituation kommen“) erläuterte, sah sich sein Nebensitzer Michael Reschke kritischen Fragen zu seinem Handeln und seinen Aussagen zum Thema „Lügen im Fußball“ konfrontiert.

Reschke für seine "massive Wahrheitsbeugung" in der Kritik

Am Mittwochmorgen veröffentlichte die  ein Interview mit Reschke, in dem er sagte: "Ein bisschen Flunkern gehört dazu." Dafür erntete er völliges Unverständnis vom Bund Deutscher Fußball-Lehrer. "Die Art und Weise, wie hier mit Trainern umgegangen wird, ist nicht akzeptabel. Dass Reschke hier auch noch offen zugibt, gelogen zu haben, ist schon deswegen unmöglich, weil es hier um Menschen geht", sagte Lutz Hangartner der Deutschen Presse-Agentur. Das habe mit seriösem Fußball nichts mehr zu tun.

Reschke verteidigte sein Vorgehen mit einem interessanten Neologismus: Er habe eine öffentliche Trainerdiskussion vermeiden und Korkut nicht beschädigen wollen, falls es mit ihm weitergegangen wäre. "Es geht immer um das, was in der aktuellen Situation für den VfB Stuttgart das Beste ist. Wenn dann mal ein, zwei Fälle passiert sind, wo eine massive Wahrheitsbeugung vielleicht vorgelegen hat, dann ist das einfach so", sagte er.

"Ich kann gut damit leben. Ich glaube dass ich sehr glaubwürdig bin im Vorgehen und vielen Aussagen, die ich treffe."