VfB Stuttgart

Der teuerste Abstieg der Vereinsgeschichte

VfB-Abstieg in Berlin_0
Endstation Alte Försterei: Der VfB muss zum dritten Mal in seiner Vereinsgeschichte in die 2. Liga absteigen. © ZVW/Danny Galm

Berlin. Nach 36 Spieltagen ist es jetzt also wirklich passiert. Der VfB Stuttgart ist nach 1975 und 2016 zum dritten Mal in seiner langen Vereinsgeschichte in die Zweitklassigkeit abgestiegen. Ein Absturz, der auch deshalb so besonders schmerzhaft ist, weil ihn viele Spieler und Verantwortliche lange nicht für möglich gehalten hatten.

Viel zu lange herrschte in der Mannschaft und im Verein die Einstellung: „Dann machen wir es eben am nächsten Spieltag besser.“ Und im Liga-Alltag gab es ja immer noch Nürnberg und Hannover, die es auf fast schon groteske Art schafften, die fußballerischen Darbietungen der VfB-Profis Woche für Woche noch zu unterbieten. Doch irgendwann ist eine Saison zu Ende. Irgendwann gibt es keine zweite Chance mehr. Nach der historisch schlechten Punktausbeute (28 Punkte aus 34 Spielen) waren die beiden Relegationsspiele gegen den Zweitligisten Union Berlin ein Geschenk. Ausgepackt haben es Gomez, Gentner und Co. allerdings nicht.

Michael Reschkes Scherbenhaufen

Geblendet von der außergewöhnlich guten Spielzeit 17/18, welche die Schwaben als Aufsteiger auf einem sensationellen 7. Platz beendet hatten, ließ sich der damalige Sportvorstand Michael Reschke vor dem Saisonstart zu folgendem Zitat hinreißen: „Ich lege mich jetzt schon fest: Wir werden nicht absteigen. Wir werden auch nicht groß in den Abstiegskampf geraten.“ Eine katastrophale Fehleinschätzung mit weitreichenden Folgen für den Traditionsclub aus Bad Cannstatt.

Rund 50 Millionen Euro haben die sonst eher für ihre Sparsamkeit bekannten Schwaben in den Kader gepumpt. Das Ergebnis ist der teuerste Abstieg der Vereinsgeschichte - und ein gewaltiger Scherbenhaufen, den Reschkes Nachfolger Thomas Hitzlsperger nun zusammenkehren muss. Während der Rheinländer mit seiner völlig missglückten Kaderplanung als einer der Hauptverantwortlichen für den dritten Abstieg der Vereinsgeschichte in die VfB-Annalen eingehen wird, muss sich Hitzlsperger diesen Schuh nicht anziehen. 

Präsident Wolfgang Dietrich weiter in der Kritik

Der Ex-Profi übernahm das Amt im Februar und stieg quasi auf das sinkende Schiff. Lediglich den Vorwurf, zu lange am erfolglosen Trainer Markus Weinzierl festgehalten zu haben, muss sich Hitzlsperger gefallen lassen. Zu spät reagierte er und setzte auf den erfrischenden U-19-Trainer Nico Willig, der es letztlich aber auch nicht schaffte, die Ansammlung fußballspielender Ich-AGs in ein funktionierendes Kollektiv zu verwandeln. 

Aus dem Meister von 2007 droht nun nach dem zweiten Abstieg innerhalb von drei Jahren eine Fahrstuhl-Mannschaft zu werden. Wie schon nach dem Absturz 2016 muss jetzt ein Neuanfang her. Damals hielten die Fans ihrem Klub auf beindruckende Art und Weise die Treue. Doch die Situation in diesem Jahr ist eine andere. Der Frust ist groß. Denn: Erschien der Gang in die 2. Liga im Jahr 2016 vielen Fans als logische Konsequenz der Fehlentwicklung der letzten Jahre, so ist der diesjährige Abstieg vor allem auch ein völlig unnötiger. 

Im Zentrum der Kritik steht auch weiterhin Präsident Wolfgang Dietrich. Die Bilanz seiner bisherigen Amtszeit: vier Trainer, drei Sportdirektoren und ein Fünfjahresplan, dessen Erfüllung - die Rückkehr in die Top-Five der Bundesliga - in nahezu unerreichbare Ferne gerückt ist. Hinzu kommt ein fast schon irreparabler Vertrauensverlust zwischen Teilen der Anhängerschaft und der Vereins- bzw. AG-Führung. 

Der VfB-Kader muss komplett umgekrempelt werden

Es birgt eine gewisse Ironie des Schicksals, dass der VfB in der Relegation ausgerechnet an Union Berlin gescheitert ist. Jenem Verein, dem der Kreditgeber Quattrex rund 6,3 Millionen Euro zur Verfügung gestellt hat. Nur noch einmal kurz zur Erinnerung: Rund um die Quattrex-Verflechtungen des VfB-Präsidenten gab es im April großen Wirbel. Die Mitgliederversammlung am 14. Juli birgt in jedem Fall eine Menge Konfliktpotenzial.

Mit dem neuen Trainer Tim Walter und der sportlichen Führung um Sven Mislinat und Thomas Hitzlsperger steht immerhin schon das Personal für den Neuanfang bereit. Dennoch bleibt der zu bewältigende Aufgabenberg riesig. Der Kader muss komplett umgekrempelt werden. Die Risiken sind groß. Der direkte Wiederaufstieg muss das Ziel sein. Und wie schwer dieses Unterfangen werden wird, dürfte allen Beteiligten noch in guter Erinnerung sein.


WhatsApp-Newsletter zum VfB Stuttgart

  • Schneller und einfacher geht's nicht: VfB-News direkt auf's Handy per WhatsApp. Mit unserem VfB-Newsletter bleiben Sie auf Ballhöhe und sind immer bestens informiert. Hier zeigen wir Ihnen, wie Sie sich anmelden können
  • Sie haben unseren ZVW-WhatsApp-Newsletter bereits abonniert und wollen zusätzlich noch den VfB-Newsletter erhalten? Dann schicken Sie uns einfach via WhatsApp eine kurze Nachricht und wir schalten Sie für unseren neuen Service frei.