VfB Stuttgart

Der VfB besiegt seinen Angstgegner

VfB Stuttgart gegen 1. FC Köln (13.10.2017)_0
Der emotionale Höhepunkt eines intensiven Abends: Die Stuttgarter Jubeltraube nach Akolos Last-Minute-Siegtreffer. © Büttner / ZVW

Stuttgart.
Dem VfB Stuttgart gelang am Freitagabend nach 21 Jahren endlich wieder ein Heimsieg gegen den 1. FC Köln. Zum Auftakt des 8. Spieltages siegte der Aufsteiger vor ausverkauftem Haus (58.716) in letzter Minute gegen seinen Angstgegner aus der Domstadt mit 2:1 (1:0).

Der Last-Minute-Erfolg über den 1. FC Köln in der ZVW-Analyse:

Formation und Aufstellung

Gegen den 1. FC Köln mussten Andreas Beck, Chadrac Akolo und Daniel Ginczek zunächst auf der Bank Platz nehmen. Für Beck übernahm Benjamin Pavard die rechte Außenbahn – Aogo beackerte die linke -, Brekalo spielte für den leicht angeschlagenen Akolo und Simon Terodde kehrte für Daniel Ginczek zurück in die Startelf.

In der Defensive setzte VfB-Trainer Hannes Wolf auf Altbewährtes und schickte erneut die Dreierreihe Kaminski, Badstuber, Baumgartl aufs Feld. Etwas überraschend durfte am Freitagabend Orel Mangala neben Santiago Ascacibar auf der Doppelsechs ran. Auf den Flügeln kamen Anastaios Donis (li.) und Josip Brekalo (re.) zum Zug.

Spielidee und Taktik

Um den „Köln-Fluch“ zu besiegen – seit 21 Jahren gab es keinen VfB-Heimsieg gegen die Rheinländer –, wollte Hannes Wolf mehr Wucht und Durchschlagskraft im Offensivspiel entwickeln. Durch die Hereinnahme des spielstarken Orel Mangala erhoffte sich Wolf mehr Impulse aus der Zentrale des Stuttgarter Spiels.

Seine Mannschaft mit einer Doppelspitze in das wegweisende Duell zu schicken, traute sich Hannes Wolf aber nicht. Zu viel stand am Freitagabend auf dem Spiel. Dem Trainer war das Risiko schlicht zu groß. Die in den ersten Spielen erarbeitete defensive Stabilität sollte nicht durch eine Systemumstellung aufs Spiel gesetzt werden.

Spielverlauf kompakt

Den besseren Start in die Partie erwischten die Gäste aus dem Rheinland. Vor ausverkaufter Kulisse agierte die junge VfB-Mannschaft zunächst fahrig und unkonzentriert. In der Folge kam der FC durch Osako (5. und 17.), Jojic (12.) und Zoller (25.) zu einigen guten Chancen. Doch dann hatten die Kölner ihr Pulver verschossen und die Schwaben wurden mutiger. Nachdem „Tassos“ Donis zweimal aus aussichtsreicher Position vergeben hatte (32. und 36.), nutzte er seine dritte Chance und schob den Ball durch die Beine von FC-Keeper Horn zum 1:0 in die Maschen (38.) - sein erstes Bundesliga-Tor.

Im zweiten Durchgang setzte der VfB mit der Führung im Rücken auf Konter. Unter den Augen von Bundestrainer Joachim Löw und dem verletzten Kapitän Christian Gentner erspielten sich die Stuttgarter einige gute Gelegenheiten, ließen sie aber allesamt ungenutzt. Und so kam es wie es kommen musste und Dominque Heintz zirkelte den Ball quasi aus dem Nichts unhaltbar für Ron-Robert Zieler zum 1:1 in die rechte obere Ecke (77.).

In der hitzigen Schlussphase mussten die VfB-Fans minutenlang bangen, da Schiedsrichter Benjamin Cortus zunächst auf Strafstoß für den FC Köln entschied, seine Entscheidung dann aber nach Rücksprache mit dem Video-Assistenten wieder zurücknahm. Es folgte der emotionale Höhepunkt eines intensiven Fußball-Abends, als Chadrac Akolo den Ball in der 93. Minute zum 2:1 ins Kölner Tor schob.

Spielentscheider

An diesem Spieltag hatte der VfB Stuttgart das (späte) Glück auf seiner Seite. Nach einer schwachen Anfangsphase fanden die Stuttgarter nach 30 Minuten besser ins Spiel, gingen in Führung und verpassten es dann im zweiten Durchgang frühzeitig für eine Vorentscheidung zu sorgen. Chancen dafür gab es zuhauf.

Nach dem überraschenden Ausgleichstreffer und der hitzigen Elfmeterszene durfte in dieser Woche allerdings der Aufsteiger spät jubeln. Akolos Last-Minute-Treffer brachte den wichtigen Heimsieg gegen das Schlusslicht und neun Punkte zwischen den VfB und das Schlusslicht. 

Der VfB bleibt somit im Kalenderjahr 2017 in der Mercedes-Benz Arena weiter unbesiegt, konnte aber spielerisch erneut nich überzeugen. Hinzu kam gegen Köln auch noch eine ungewohnt wackelige Abwehr. Eine Einzelaktion brachte schlussendlich den Sieg.

Den Fans war es nach dem emotionalen Abend in Bad Cannstatt relativ wurscht. Ein „dreckiger“ Sieg, der aufgrund seiner Emotionalität ein wichtiger Kataylsator für die Weiterentwicklung der Mannschaft in den nächsten Wochen sein kann.

Auf den Punkt gebracht

„Die drei Punkte sind alles was zählt. Es war ein sehr emotionaler Abend“, erklärte der aufgewühlter VfB-Keeper Zieler direkt nach dem Schlusspfiff. „Jetzt können wir das Wochenende genießen und ein bisschen feiern“, freute sich Stürmer Simon Terodde, der zwar selbst nicht traf, aber seinem Teamkollegen Donis das 1:0 auflegte.

Kölns Trainer Peter Stöger rang nach dem Spiel auf der Pressekonferenz sichtlich um Fassung: „In der 2. Halbzeit hatte das Spiel ein bisschen was von einem Pokal-Fight. Es war brutal intensiv. Wir fahren trotz des großen Aufwands mit null Punkten nach Hause.“ Resigniert merkte er an: „Das Glück ist nicht auf unserer Seite.“

Hannes Wolf war nach dem Abpfiff erleichtert, ärgerte sich aber über die schwache Anfangsphase seiner Mannschaft: „Wir haben nicht gut ins Spiel rein gefunden. Köln kann führen. Da hatten wir Glück. Nach 30 Minuten haben wir das Spiel dann auf unsere Seite gezogen.“ In der 2. Halbzeit habe seiner Mannschaft dann die Konzentration und die körperliche Frische gefehlt. „Dann wurde es wild.“ Unterm Strich freute er sich über Akolos Einzelaktion, mahnte aber: „Wir müssen weiter arbeiten und in allen Bereichen besser werden.“

Tweet des Tages

Ausblick

Für den VfB Stuttgart geht es nach dem emotionalen Sieg über Köln mit einem Auswärtsspiel in Leipzig weiter. In acht Tagen (Samstag, der 21. Oktober) muss der Aufsteiger bei RBL antreten. Anpfiff ist um 15.30 Uhr (ZVW-Liveticker).

Der 1. FC Köln spielt am nächsten Donnerstag in der Europa League auswärts bei BATE Baryssu. Am 9. Bundesliga-Spieltag dürfen die „Geißböcke“ dann wieder im heimischen Stadion antreten und empfangen am Sonntag, den 22. Oktober, um 13.30 Uhr den SV Werder Bremen.


VfB Stuttgart – 1. FC Köln 2:1 (1:0)

Stuttgart: Zieler – Kaminski (18. Beck), Baumgartl, Badstuber, - Aogo, Pavard – Ascacibar, Mangala – Brekalo (61. Akolo), Donis (80. Ginczek) - Terodde

Bank: Meyer (Tor), Insua, Asano, Burnic

Trainer: Hannes Wolf

Köln: Horn - Klünter, Sörensen, Heintz, Rausch (72. Handwerker) – Jojic (65. Guirassy) , Lehmann – Özcan (46. Pizarro), Bittencourt – Osako, Zoller

Bank: Kessler (Tor), Maroh, Höger, Olkowski

Trainer: Peter Stöger

Tore: 1:0 Donis (38.), 1:1 Heintz (77.), 2:1 Akolo (93.)

Schiedsrichter: Benjamin Cortus (Röthenbach)

Zuschauer: 58.716 (ausverkauft)