VfB Stuttgart

Der VfB schleicht voran: Warum Aufwand und Ertrag aktuell noch nicht ganz zusammenpassen

Nicolas Gonzalez gegen Makoto Hasebe und David Abraham
Stuttgarts Nicolas Gonzalez (M) spielt gegen Frankfurts Makoto Hasebe (l) und David Abraham. Foto: Sebastian Gollnow/dpa © Sebastian Gollnow

Nicolas Gonzalez war überall. Er war eiskalt am Elfmeterpunkt, von dem er zur Führung traf (17. Minute). Er stand knapp im Abseits nach schönen Vorlagen von Borna Sosa. Er war etwas in Rücklage, weshalb er den Ball nicht ins, sondern über das Tor schoss. Und in perfekter Position für einen Steilpass, mit dem er das 2:0 durch Gonzalo Castro vorbereitete (37.).

Überzeugend - und doch nicht makellos

Der Argentinier war am Samstag der mit Abstand auffälligste Mann beim 2:2 (2:0) des VfB Stuttgart gegen Eintracht Frankfurt. Doch auch sein starker Auftritt reichte den Schwaben bei ihrem vierten Anlauf nicht zum ersehnten ersten Heimsieg in der noch jungen Saison der Fußball-Bundesliga.

„Er ist marschiert, konnte 90 Minuten durchspielen, hat ordentlich verteidigt und ist ordentlich mit dem Ball umgegangen“, lobte Trainer Pellegrino Matarazzo den Stürmer, der nach längerer Verletzungspause zuletzt dreimal in Serie eingewechselt worden war und nun seinen ersten Startelf-Auftritt in dieser Spielzeit hatte. Der war überzeugend. Und doch nicht makellos.

Mit Blick auf seine Chancen hätte Gonzalez „das 3:0 schießen können beziehungsweise müssen“, sagte Matarazzo. Weil der 22-Jährige das aber nicht tat und der VfB nach dem Anschlusstreffer durch André Silva (61.) kurzzeitig zu passiv wurde, bekam er den Ausgleich durch David Abraham (75.) noch hinterher - und so zwei Punkte weniger als möglich gewesen wären.

Castro: „Bitter, wenn du nur zwei statt sechs Punkten hast“

„Es ist das zweite Spiel in Folge, bei dem mehr drin war“, sagte Verteidiger Marc Oliver Kempf bei Sky rückblickend auf das vorangegangene 1:1 beim FC Schalke 04. Auch in dem Spiel hatte Gonzalez schon per Strafstoß getroffen. Nach diesen beiden Partien sei es „bitter, wenn du nur zwei statt sechs Punkten hast“, befand Kapitän Castro. „Das tut sehr weh. Nichtsdestotrotz sind wir stolz, wie wir im Moment spielen.“

Und das auch nicht zu unrecht. Das Offensivspiel der Stuttgarter ist mutig und erfrischend, ihre bisherige Ausbeute mit zehn Punkten aus sieben Spielen für einen Aufsteiger absolut in Ordnung. Dennoch passen Aufwand und Ertrag nicht ganz zusammen. Einerseits hat der VfB seit sechs Partien nicht mehr verloren, andererseits aber auch nur zwei davon gewonnen. Die Schritte, die er macht, sind klein.

Die Herausforderung gegen Bayern, Dortmund und Leipzig kommen noch

„Wir haben in den bisherigen Spielen gesehen, dass wir in der Lage sind, gegen fast alle Mannschaften zu punkten“, bilanzierte Sportdirektor Sven Mislintat. Und immerhin habe man „mit Frankfurt, Hertha und Leverkusen gegen drei gespielt, die ums internationale Geschäft kämpfen.“

Der 48-Jährige weiß aber auch, dass „wir die Herausforderung gegen Bayern, Dortmund und Leipzig noch nicht gehabt haben.“ Angesichts dieser schwierigen Aufgaben, die in den nächsten Wochen noch auf den VfB warten, schmerzt eine verspielte Zwei-Tore-Führung wie die gegen Frankfurt vermutlich doppelt.

„Man sieht Entwicklungsschritte. Es macht schon Spaß“, fasste Trainer Matarazzo den Saisonstart seiner jungen Mannschaft zusammen. Einen kleinen Grundstein für den angestrebten Klassenerhalt hat die Elf gelegt. Aber der Weg ist noch weit. Und anders als gegen Schalke oder die Eintracht muss sie ihn künftig auch konsequent zu Ende gehen.

Elf Zahlen zum 7. Spieltag der Fußball-Bundesliga

  • 4 - Mal in vier Spielen gewann der FC Bayern unter der Regie von Hansi Flick den Ligagipfel gegen den BVB.
  • 6 - Der FC Schalke 04 verursachte so viele Elfmeter nach sieben Spieltagen wie keine andere Mannschaft vorher in der Bundesliga-Historie - 6 der vergangenen 9 Treffer, die Stürmer Nicolas Gonzalez für den VfB Stuttgart erzielt hat, waren Elfmeter.
  • 8 - Mal traf Marco Reus bereits gegen den FC Bayern. Das gelang bisher keinem der aktiven Bundesliga-Profis. Zum siebten Mal traf er gegen Manuel Neuer und löste damit Stefan Kießling als bisherigen Rekordhalter ab.
  • 11 - Tore hat Robert Lewandowski nach sieben Spieltagen erzielt. Damit stellte der Bayern-Profi den Bundesliga-Rekord ein, für den er selbst in der vorigen Saison gesorgt hatte.
  • 16 - Alle seine bisherigen 16 Elfmeter hat der Neu-Unioner Max Kruse in der Bundesliga verwandelt. Damit egalisierte der 32-Jährige den Rekord von Jochen Abel, der Ende der 1970er- und Anfang der 1980er-Jahre 16 Mal für Bochum und Schalke vom Punkt getroffen hatte.
  • 19 - Tore in nur 21 Bundesligaspielen belegen die Klasse von Erling Haaland. Nur Uwe Seeler war in den ersten 21 Partien noch häufiger erfolgreich (20) als der Dortmunder Torjäger. Ebenfalls 19 Mal traf Timo Konietzka.
  • 23 - Schalke 04 ist seit 23 Spielen ohne Sieg und holte nur neun von 69 möglichen Punkten (9 Remis/16 Niederlagen).
  • 27 - Tore stehen beim FC Bayern nach sieben Spieltagen zu Buche. Der Rekord von Mönchengladbach aus der Saison 1973/74 ist eingestellt.
  • 29 - Der FSV Mainz 05 hat seinen Strafstoßrekord der Liga ausgebaut. Seit Mai 2013 verwandelten die Rheinhessen 29 Elfmeter in Serie. Gegen Schalke kamen zwei dazu.
  • 100 - Bruno Labbadia feierte beim 3:0 von Hertha BSC in Augsburg seinen 100. Sieg als Bundesliga-Trainer. 261 Spiele brauchte er - Emil Forsberg machte bei RB Leipzig sein 100. Bundesliga-Spiel. Im Abschluss hatte er Pech. Der Schwede traf bei einer Chance nur den Pfosten.
  • 261 - Mit seinem 261. Bundesliga-Sieg mit dem FC Bayern ist Thomas Müller alleiniger Rekordhalter des Rekordmeisters. Er überholte Oliver Kahn.