VfB Stuttgart

Die großen Verlierer?

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Symbolbild. © pixabay.com / CC0 Public Domain

Stuttgart.
Es brodelt im deutschen Profifußball: Am 24. November will die Deutsche Fußball Liga (DFL) den neuen Verteilungsschlüssel für die nationalen TV-Einnahmen veröffentlichen. Nach einem Bericht des Kicker könnten die Zweitligisten nach diesem neuen Verteilungsschlüssel die großen Verlierer beim Kampf um die Verteilung der TV-Milliarden im deutschen Profifußball sein.

Die DFL dementierte sofort

Wie der Kicker berichtet, sollen die Zweitliga-Clubs von der Saison 2017/18 an weniger als die bisherigen 20 Prozent aus den nationalen TV-Einnahmen erhalten. Dann hätten die Traditionsvereine aus der Bundesliga ihrer Forderungen durchgesetzt, wonach neben den sportlichen Kriterien zukünftig auch die sogenannten "weichen Faktoren" wie Fanaufkommen und TV-Einschaltquoten bei der Verteilung berücksichtigt werden sollen. Der Kicker hatte sich auf die 4,64 Milliarden Euro bezogen, die es national für die vier Spielzeiten von 2017/18 bis 2020/21 gibt.

Die DFL dementierte den Bericht umgehend: "Die Darstellung entbehrt jeder Grundlage. Sie entspricht weder in der grundsätzlichen Ausrichtung noch in Details den Tatsachen", kommentierte ein DFL-Sprecher den Bericht. Bisher wurden entfielen 80 Prozent der TV-Gelder an die Bundesligisten, 20 Prozent gingen an die 2. Liga. 65 Prozent der TV-Einnahmen flossen als Sockelbetrag an die 36 Proficlubs der ersten und zweiten Liga. Der Rest ergab sich aus der Fünfjahreswertung, die den sportlichen Erfolg abbildet (5,8 Prozent für den Ersten - 0,75 Prozent für Platz 36).


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Der größte Umsatzeinbruch der Vereinsgeschichte

Für den VfB Stuttgart hat der Abstieg in die zweite Liga schon jetzt erhebliche finanzielle Auswirkungen: Die Umsätze des VfB rauschten im Vergleich zur letzten Saison in den Keller - der Verein erlebte den größten Umsatzeinbruch der Vereinsgeschichte:

Saison Umsätze gesamt TV-Einnahmen Lizenspieler-Etat
2015/16 119 36,3 44,2
2016/17 68 11,2 25,6

(Angaben in Millionen Euro)

Wurden in der Saison 2015/2016 in der Bundesliga noch Erträge von 119 Millionen Euro generiert, so rechnet der VfB für die laufende Spielzeit in der 2. Liga mit rund 68 Millionen Euro Umsatz. Das bedeutet ein Minus von 51 Millionen Euro, einen Rückgang um 43 Prozent. "Wir haben das Minus aufgefangen, haben unsere Zahlen weiter voll im Griff und sind auch in der Zukunft handlungsfähig", versicherte VfB-Finanzvorstand Stefan Heim auf der Mitgliederversammlung im Oktober.

Verantwortlich dafür zeichnen vor allem die treuen Sponsoren des VfB, deren Beitrag am Jahresergebnis lediglich um 6,7 Millionen Euro zurückging. Mit nun 18,7 Millionen Euro haben die Sponsoren somit die Erlöse aus den TV-Einnahmen überholt und sind zum wichtigsten Geldgeber des VfB geworden.

141 Millionen TV-Gelder in der 2. Liga

Um 18,6 Millionen Euro hat der VFB die Gehälter im Lizenzspieler-Etat herunter gefahren. Der aktuelle Kader kostet den Verein jetzt die für Zweitligaverhältnisse immer noch stolze Summe von 25,6 Millionen Euro. Auch durch Transfererlöse konnte der VfB im vergangenen Geschäftsjahr ein Plus von rund 35 Millionen Euro erwirtschaften. Durch die Verkäufe von Timo Werner (für 10 Millionen Euro nach Leipzig), Filip Kostic (für 15 Millionen Euro nach Hamburg) und Lukas Rupp (für 6 Millionen Euro nach Hoffenheim) blieb trotz des gewaltigen Umsatzrückgangs durch alle Konsolidierungsmaßnahmen unterm Strich ein Plus von 16,6 Millionen Euro.

Aktuell werden in der 2. Liga rund 141 Millionen Euro an TV-Geldern ausgeschüttet. Nächste Saison sollen laut Kicker-Bericht von den durch die nationale TV-Vermarktung erwirtschafteten 1,16 Milliarden Euro nur noch 180 Millionen ins Fußball-Unterhaus fließen. Würde die DFL die aktuell gültige 20 Prozent Regelung auch 2017/18 beibehalten, dann würden 232 Millionen Euro an die Zweitligavereine fließen. Die Geld-Tabelle der 2. Liga für die Saison 2016/17 im Überblick:

Verein Einnahmen durch TV-Vermarktung
Hannover 96 11,928
VfB Stuttgart 11,273
1. FC Nürnberg 10.635
Eintracht Braunschweig 10.067
1. FC Kaiserslautern 9.500
Union Berlin 9.004
SpVgg Greuther Fürth 8.765
Karlsruher SC 8.011
FC St. Pauli 7.586
Fortuna Düsseldorf 7.160
VfL Bochum 6.806
TSV 1860 München 6.522
1. FC Heidenheim 6.310
SV Sandhausen 6.097
Arminia Bielefeld 5.884
Erzgebirge Aue 5.672
Dynamo Dresden 5.459
Würzburger Kickers 5.317

(Angaben in Millionen Euro/Quelle: Kicker)

Der Verteilungsschlüssel für die 2. Liga:

  • Für die Fernsehgeldertabelle der Saison 2016/17 fließen die Platzierungen in der Saison 2011/12 bis 2015/16 mit unterschiedlichen Gewichtungen ein.
  • Maßgeblich sind jedoch nur Platzierungen in der Bundesliga und Zweiten Liga, während Platzierungen beispielsweise in der Dritten Liga oder Regionalliga unberücksichtigt bleiben.
  • Der Rangerste in der Fernsehgeldertabelle erhält 36 Punkte, der Rangletzte der Zweiten Liga 1 Punkt. Die in den Spielzeiten erzielten Punkte werden jeweils mit dem unten aufgeführten Faktor multipliziert:
Saison Kriterium Faktor
2011/12 Endplatzierung 1
2012/13 Endplatzierung 2
2013/14 Endplatzierung 3
2014/15 Endplatzierung 4
2015/16 Endplatzierung 5
  • Den Berechnungen liegt zugrunde, dass für die Saison 2016/17 ein Fernsehgeldertopf von 673.000.000 Euro zur Verfügung steht (80 Prozent an die Bundesliga: 538.400.000 Euro, 20 Porzent an die 2. Liga: 134.600.000 Euro)