VfB Stuttgart

Die Milliarden-Frage: Wie über die Neuverteilung der TV-Gelder entschieden wird

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Fehlende Zuschauereinnahmen, weniger TV-Geld: Die Clubs plagen Finanzprobleme. Umso wichtiger ist für sie die neue Verteilung der TV-Milliarden, die nach dem Wochenende veröffentlicht wird. © Adobestock/Vladimir Vinogradov

Die Milliarden-Frage klingt so einfach und ist doch so schwer zu beantworten: Wer bekommt wie viel Geld? Am Montag (07.12.) werden die 36 Proficlubs erfahren, wie der Streit der zurückliegenden Wochen um rund fünf Milliarden Euro aus der TV-Vermarktung ausgegangen ist. Das Präsidium der Deutschen Fußball Liga (DFL) wird den Verteilungsschlüssel auf der Mitgliederversammlung präsentieren.

Machtdemonstration des FC Bayern

Die Auseinandersetzung ums Geld hat die Vereine in zwei ungefähr gleich große Lager gespalten und zu einer beispiellosen Machtdemonstration des FC Bayern geführt. Nach Meinung einiger kleinerer Clubs muss die Verteilung dringend geändert und gerechter werden. Vier Erst- und zehn Zweitligisten - darunter auch der VfB Stuttgart - entwickelten dazu ein Konzept, das vor allem den Serienmeister aus München erzürnte. Denn der Branchenprimus sollte etwas abgeben von seinen Einnahmen.

Die Zahlen für die laufende Saison sehen laut «Kicker» so aus: Die Bayern kassieren mit 105,4 Millionen Euro aus der gesamten TV-Vermarktung am meisten, Arminia Bielefeld mit 34,31 Millionen von den Erstligisten am wenigsten. Der Erste kassiert also ungefähr dreimal so viel wie der Letzte. Schlusslicht bei den TV-Einnahmen ist Zweitliga-Aufsteiger Eintracht Braunschweig mit 9,42 Millionen. Der VfB bekommt 45,71 Millionen Euro und belegt damit den drittletzten Rang.

14 Vereine fordern eine Neuverteilung der Medienerlöse

Krasser ist der Unterschied, wenn nur die Verteilung der internationalen TV-Einnahmen betrachtet wird. Da erhalten die Münchner mehr als das Zehnfache: Bei den Bayern sind es 31,1 Millionen Euro, bei Bielefeld 2,38 Millionen. Die 18 Zweitligisten müssen sich 8,01 Millionen Euro teilen.

Das Verhältnis soll auch so bleiben, findet der Branchenführer, lud zum „G-15-Gipfel“ und kanzelte damit die 14 Vereine ab, die in einem „Impulspapier“ eine Neuverteilung der Medienerlöse gefordert hatten.

Sie hatten beklagt: „Die wirtschaftliche Schere geht weiter auseinander.“ Und sie hatten gefolgert: „Die Bundesliga ist weniger spannend geworden - nicht nur an der Spitze.“

Der Serienmeister führte die rebellischen G14-Mitglieder (und die ebenfalls nicht eingeladenen sieben Vereine) mit seinem G15-Gipfel vor und watschte sie anschließend verbal ab: Die 14 Clubs um den VfB hatten sich aus Sicht von Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge mit ihren Ideen der Umverteilung in der „Solidargemeinschaft separiert“. Und er düpierte zugleich mit seiner eigenen Veranstaltung die DFL.

„Ein Gradmesser für die Reformbereitschaft des Profifußballs“

Unterstützt werden die rebellischen G14 unter anderem von der Fan-Vereinigung Unsere Kurve, die ebenfalls eine Neuverteilung fordert. Sie appellierte, sich „nicht von Machtdemonstrationen leiten zu lassen, sondern mutig und mit klarem Blick die Zukunft des Profifußballs zu gestalten.“ Für sie ist die Entscheidung über die Verteilung „richtungsweisend“.

Diese sei „ein Gradmesser für die Reformbereitschaft des Profifußballs“. Die Vereinigung klagte: «Die Solidarität im Profifußball hört auf, sobald es ums Geld geht.» Und meinte damit etwas ganz anderes als Rummenigge mit seiner «Solidargemeinschaft».

Wer entscheidet über die Verteilung der TV-Gelder?

Zuständig für den Verteilerschlüssel ist das neunköpfige DFL-Präsidium mit Geschäftsführer Christian Seifert an der Spitze. Weiter im Gremium sitzen:

  • Peter Peters (DFB-Vizepräsident)
  • Oliver Leki (Finanzvorstand SC Freiburg)
  • Steffen Schneekloth (Präsident Holstein Kiel)
  • Jan-Christian Dreesen (stellv. Vorstandsvorsitzender FC Bayern München)
  • Rüdiger Fritsch (Präsident SV Darmstadt)
  • Oke Göttlich (Präsident FC St. Pauli)
  • Ansgar Schwenken (Mitglied im DFB-Vorstand)
  • Alexander Wehrle (Geschäftsführer FC Köln)

Das Präsidium wird am Sonntag einen Verteilerschlüssel festlegen, der dann am Montag auf der DFL-Mitgliederversammlung den 36 Vereinen zur Abstimmung vorgelegt wird. Es geht um insgesamt 4,4 Milliarden Euro für die Spielzeiten 2021/22 bis 2024/25 aus der nationalen und einer noch unbekannten Summe aus den internationalen TV-Erlösen - diese brachen zuletzt von rund 250 auf 180 Millionen Euro pro Saison ein.

Harter Verteilungskampf

Wegen der sinkenden TV-Einnahmen, die zusammen mit den fehlenden Zuschauer-Einnahmen zu teils drastischen Finanzproblemen führen, ist der Verteilungskampf besonders hart. Rummenigge rechnete vor: „Wir werden national geschätzt wohl etwa 200 Millionen Euro weniger TV-Einnahmen und auch etwa knapp 100 Millionen Euro weniger internationale TV-Einnahmen haben.“

Als der Bayern-Boss am vergangenen Wochenende dem Spiel seiner Mannschaft in Stuttgart beiwohnte, wurde das Thema TV-Gelder im Gespräch mit VfB-Vorstandschef Thomas Hitzlsperger offenbar galant umschifft. Gut möglich aber, dass es in den Tagen nach der Entscheidung zu einer erneuten Konfrontation kommt.