VfB Stuttgart

Die Mitglieder wählen einen Vereinsbeirat

1/2
DSC08655_14
Hitzig, emotional und teilweise turbulent ging es auf der Mitgliederversammlung des VfB Stuttgart am Sonntag (9.10.) in der Schleyerhalle zu. © Danny Galm
2/2
_1
Der neugeschaffene Vereinsbeirat berät das Präsidum des e.V. und schlägt dessen Mitglieder, also auch den Präsidenten, zur Wahl vor.

Stuttgart.
Streit gibt es in den besten Familien. Und dabei ist es vollkommen egal, ob diese drei, sechs oder zehn Personen umfasst. Auch ein Fußballverein wird gerne als große Familie bezeichnet, insofern gibt es am Sonntag auf der Mitgliederversammlung des VfB Stuttgart das alljährliche große Familientreffen – und auch wieder Zank und Zwist?

Die großen Schlachten sind geschlagen

Die Wahl von Wolfgang Dietrich zum Präsidenten im Herbst 2016 und die Ausgliederung der Profiabteilung in eine AG, die Anfang Juni 2017 beschlossen wurde: Die letzten beiden Zusammenkünfte der VfB-Familie wurden schon im Vorfeld emotional und hitzig diskutiert. Nicht weniger intensiv gingen dann auch die eigentlichen Versammlungen über die Bühne.

Über die nun anstehende ordentliche Mitgliederversammlung, die Ausgliederung wurde auf einer außerordentlichen beschlossen, wurde im Vorfeld wenig bis gar nicht diskutiert. Dementsprechend entspannt blicken die Verantwortlichen auf den Sonntag und hoffen auf einen ruhigen Versammlungsverlauf.

Die großen Schlachten sind geschlagen. Wolfgang Dietrich ist im Amt, die Ausgliederung ist vollzogen. Aktuell ist es ruhig rund um die Mercedesstraße.

Am Sonntag in der Halle 1 der Messe Stuttgart gilt es lediglich die beiden Präsidiumsmitglieder Dr. Bernd Gaiser und Thomas Hitzlsperger in ihren Ämtern zu bestätigen, einen Vereinsbeirat zu wählen, den Vorstand und den Aufsichtsrat zu entlasten und über zwei Satzungsänderungen zu entscheiden.

Gräben und Konflikte

„Der Zuwachs der Mitglieder hat sich nach der Ausgliederung verstärkt – das ist sensationell“, freut sich Club-Boss Wolfgang Dietrich. Die Zahlen geben ihm Recht. Aktuell hat der VfB Stuttgart rund 58.000 Mitglieder. Auf 100.000 Mitglieder soll die VfB-Familie in Dietrichs Amtszeit, also bis 2020, noch anwachsen. Ein ehrgeiziges Ziel. Auch sportlich läuft es rund. Der Aufsteiger steht nach 13 Spieltagen mit 17. Punkten auf dem 12. Tabellenplatz, ist also voll im Soll.

Doch einige Fans und Mitglieder haben sich nach der Ausgliederung vom Verein bzw. der AG abgewandt. Gräben sind entstanden und bereits bestehende Konflikte wurden verschärft. Einige fragen sich, ob ihre Stimme nach der Loslösung der Profiabteilung vom eingetragenen Verein überhaupt noch gehört wird. Ob sie als einfache Mitglieder noch Einfluss auf „ihren VfB“ haben.

Mitglieder können Vorstand und Aufsichtsrat der AG nicht entlasten

Zwar konnten die Mitglieder auch vor der Ausgliederung praktisch keinen Einfluss auf die sportlichen Entscheidungsträger nehmen, doch konnten sie dem Vorstand und dem Aufsichtsrat ihres Herzensclubs immerhin die Entlastung versagen. Ein symbolischer Akt ohne formale Folgen, der aber in der Vergangenheit immerhin zum Rücktritt von zwei Aufsichtsräten führte.

Diese Art der „Einflussnahme“ durch die Mitglieder gibt es jetzt nicht mehr. Der Vorstand der AG, bestehend aus Michael Reschke (Sport), Jochen Röttgermann (Marketing) und Stefan Heim (Finanzen), und der neunköpfige Aufsichtsrat werden von der Mitgliederversammlung nicht mehr entlastet – und das stößt einigen Dunkelroten sauer auf.

Der Vereinsbeirat: Bindeglied zwischen Basis und Vereinsführung

Die Mitglieder können nur indirekt auf die AG einwirken - über den neugeschaffenen Vereinsbeirat. Dieser löst in der seit Juli geltenden Vereinsstruktur den Aufsichts- und Ehrenrat des e.V. ab. Der Beirat berät künftig das Präsidium und schlägt die Präsidiumsmitglieder, also auch den Präsidenten für die Wahl vor - ein 9-köpfiges Gremium als Bindeglied zwischen Basis und Vereinsführung.

Erich Hägele, Präsident des Sportkreises Rems/Murr, kandidiert für den Vereinsbeirat und misst dem Gremium einen hohen Stellenwert zu: „Über den Vereinsbeirat können die Mitglieder vieles erreichen“, erklärte der 73-Jährige gegenüber unserer Zeitung. Gremien seien nicht nur dann wichtig, wenn Entscheidungen getroffen werden, sondern auch, wenn über sie die Meinung der Basis eingeholt werden kann.

Präsident Wolfgang Dietrich erhofft sich durch den Vereinsbeirat neue Impulse für die Vereinsentwicklung: „Ich bin sehr froh, dass wir ein Gremium haben, über das unsere Mitglieder direkt auf das Präsidium des e.V. und indirekt auch auf den Vorstand der AG Einfluss nehmen können.“

Auf der Suche nach einem neuen Investor

Da der Vereinsbeirat lediglich eine beratende Funktion innehat, kann er auch beim Thema neue Investoren für die VfB-AG nur indirekt mitwirken. „Wir haben hohe Hürden eingebaut. Der Investor muss unsere finanziellen Bedingungen akzeptieren und uns zudem noch einen Mehrwert garantieren. Entweder bei der Internationalisierung oder der Vermarktung“, stellt Präsident Wolfgang Dietrich die Bedingungen für einen neuen Partner.

Bislang hat sich nur die Daimler AG in die VfB-AG eingekauft. Der Ankerinvestor zahlte 41,5 Millionen Euro für 11,75 Prozent an der VfB-AG und hält künftig zwei Sitze im neunköpfigen Aufsichtsrat. 2018 soll ein weiterer Investor vorgestellt werden.

„Die Bedingungen sind für alle gleich. Wo der Partner herkommt, ist nicht erstrangig“, sagt Präsident Dietrich, der auch Fonds als Investoren nicht ausschließt: „Wenn ein Fonds unsere Bedingungen akzeptiert, mit unseren Zielen kompatibel ist, will ich das nicht grundsätzlich ausschließen. Entscheidend ist, dass ein Investor das Ziel hat, den Verein erfolgreicher zu machen."


Die Vereinstruktur des VfB Stuttgart nach der Ausgliederung