VfB Stuttgart

Die nächsten Enthüllungen mit Sprengkraft: Welche Konsequenzen aus der Daten-Affäre folgen könnten

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Symbolbild. © ZVW/Benjamin Büttner

Die vereinspolitischen Detonationen der vergangenen Tage und Wochen haben den VfB Stuttgart in seinen Grundfesten erschüttert. Am Donnerstag (11.02.) brachte der Spiegel nun die nächsten Enthüllungen mit Sprengkraft rund um die Daten-Affäre: Das Hamburger Nachrichtenmagazin zitierte dabei aus einer rechtlichen Bewertung, welche eine Kölner Kanzlei im Auftrag des Vereinspräsidiums erstellt hat. Darin geht es um die potentiellen juristischen Konsequenzen aus dem Abschlussbericht der Esecon-Ermittler - und die könnten es in sich haben.

Anfechtung, Abberufung, Vereinsausschluss

Das mutmaßliche „Guerilla-Marketing“ sei „vereinsrechtlich rechtswidrig“, es habe „auf die arglistige Täuschung der Mitglieder“ abgezielt, zitiert der Spiegel aus dem Gutachten. Infolgedessen wäre die Stimmabgabe bei der Mitgliederversammlung im Sommer 2017, bei der die Ausgliederung beschlossen wurde, „anfechtbar“. Die Rechtsanwälte kommen laut dem Spiegel-Artikel weiter zu dem Schluss, dass die Weitergabe von Mitgliederdaten „datenschutzrechtlich unzulässig“ gewesen wäre.

Für die verantwortlichen und involvierten Personen in Verein und AG könnten daher „dienst- und vereinsrechtliche Konsequenzen“ folgen. Sprich: die Vorstände Stefan Heim (Finanzen) und Jochen Röttgermann (Marketing) sowie Präsidiumsmitglied Rainer Mutschler könnten abberufen werden. Auch ein Vereinsausschluss sei denkbar.

Wie wird der Esecon-Bericht veröffentlicht?

Doch damit noch nicht genug Zündstoff. Mutschler soll eine Veröffentlichung der Esecon-Untersuchungsergebnisse zur Daten-Affäre blockiert haben. Präsident Claus Vogt ließ sich dazu mit folgenden Worten zitieren: „Eine rechtlich korrekte Veröffentlichung des Esecon-Berichts im Internet, wie auch der DFB dies gemacht hat, wäre die sauberste Lösung für alle Mitglieder. Dafür setze ich mich ein.“

Damit spielt der amtierende Clubchef auf den sogenannten „Freshfields Report“ an, der Licht ins Dunkel rund um die Sommermärchen-Affäre bringen sollte. Der 361 Seiten starke Bericht der Kanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer steht zum Download auf der Verbands-Homepage bereit. In voller Länge und ungeschwärzt.

Auswirkungen auf die junge Mannschaft?

Kann es derweil sein, dass das kolossale Führungschaos nicht spurlos an der jungen Mannschaft vorbeigeht? Dass zumindest unterbewusst ein paar Prozentpunkte fehlen, wenn der Verein ein solch schlechtes Bild abgibt? „Ich finde es eine sehr interessante Frage“, entgegnete Trainer Pellegrino Matarazzo am Donnerstag auf eine entsprechende Nachfrage. Seine Gedanken dazu aber teilte er nicht.

Das vereinspolitische Theater ist alles andere als ein Lieblingsthema des 43-Jährigen, es gehört ja schließlich auch nicht zu seinem Verantwortungsbereich. „Ich werde wieder den Knopf drücken und herausspucken, was ich immer herausspucke: dass mein Fokus auf dem Sport liegt“, sagte der Coach folgerichtig.

Für ihn zählt das Heimspiel am Samstag (ab 15.30 Uhr im ZVW-Liveticker) gegen Hertha BSC Berlin. „Hellwach“ müsse seine Elf gegen die Berliner von Trainer-Rückkehrer Pal Dardai sein, nachdem sich beim 2:5 in Leverkusen „ein paar Blackouts“ eingeschlichen haben und seine Elf in der ersten Halbzeit „nicht präsent“ gewesen sei. Geht das tatsächlich ohne jeglichen Einfluss von den Turbulenzen im Umfeld? Gebetsmühlenartig haben Matarazzo und Sportdirektor Sven Mislintat immer wieder zurückgewiesen, dass die Führungskrise die Mannschaft beeinträchtigt.

Auch Kapitän Gonzalo Castro hatte kürzlich klar gesagt, dass es aus seiner Sicht keinen Zusammenhang zum Sportlichen gibt. Er wisse nicht, ob insbesondere die jungen Spieler, die nicht so gut Deutsch sprechen, überhaupt etwas mitbekommen. Er selbst bekomme die Unruhen aber „natürlich“ mit. Die Detonationen der letzten Tage und Wochen waren allerdings auch kaum überhörbar.