VfB Stuttgart

Drei ganz besondere Glücksbringer

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VfB-Trainer Hannes Wolf: "Ohne Geschwindigkeit und Intensität geht es nicht." © Danny Galm

Stuttgart.
Nachdem das Pfälzer Abwehrbollwerk geknackt war und der VfB Stuttgart seine Tabellenführung weiter ausgebaut hatte, fand Trainer Hannes Wolf endlich die Zeit seine ganz besonderen Glücksbringer auf der Tribüne zu grüßen.

Ein Herz für Ehefrau Julia und die beiden Töchterchen

Mit beiden Händen formte der 35-Jährige ein Herz und schickte es in Richtung Haupttribüne, wo Ehefrau Julia mit den beiden Töchterchen saß. „Während dem Spiel habe ich dafür ja keine Zeit“, erklärte Wolf dazu im Nachgang. Klar, dann ist der Stuttgarter Cheftrainer nämlich in seinem Element und sein Fokus gilt einzig den 22 Kickern vor ihm auf der grünen Wiese.

Der Sieg über den 1. FC Kaiserslautern hat einmal mehr gezeigt mit welcher großen Akribie und Ernsthaftigkeit die Schwaben jeden ihrer Gegner in der 2. Liga beackern. „Klar sind wir zuversichtlich, aber wir dürfen nicht vergessen, dass drei unserer fünf Siege total knapp waren“, relativierte Wolf nach der Partie den 5. Sieg im 5. Rückrundenspiel.

Sieben Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz

Zum Start in die Rückserie gab’s gegen St. Pauli einen „dreckigen“ 1:0-Sieg, auch gegen Sandhausen hingen die Trauben für den VfB sehr hoch. Und gegen Heidenheim benötigte es einen Sonntagsschuss von Winterneuzugang Josip Brekalo, einen starken Torhüter und eine gehörige Portion Glück.  

Nach 22 Spieltagen stehen die Stuttgarter mit 47 Punkten an der Spitze der 2. Liga. Fünf Punkte Vorsprung auf den Tabellenzweiten aus Hannover. Ganze sieben Zähler auf den Tabellenvierten und nächsten Gegner Braunschweig. Noch nie in der Geschichte der 2. Liga hat eine Mannschaft einen solchen Vorsprung noch verspielt. Doch davon wollen die Verantwortlichen und Spieler des VfB nichts hören.

„Das hat mich geprägt“

„Lassen Sie uns doch erst einmal über die nächsten Spiele sprechen“, wiegelte Sportvorstand Jan Schindelmeiser die Frage zu den anlaufenden Planungen für das nächste Jahr in der Bundesliga ab. Zwar sei es momentan „sehr schön auf die Tabelle zu schauen“, aber das will der Sportvorstand „nicht zu oft tun. Wenn wir zwei Spiele hintereinander verlieren, sieht es in der Tabelle doch schnell wieder ganz anders aus.“

Auch Cheftrainer Hannes Wolf will vom vermeintlich sicheren Vorsprung nichts wissen und führt die eigenen, leidvollen Erfahrung mit derlei Zahlenspielen ins Feld: „Als Spieler beim 1. FC Nürnberg II hatten wir einmal neun Punkte Vorsprung bei sechs ausstehenden Spielen. Wir haben die Meisterschaft am Ende trotzdem noch verspielt. Das hat mich geprägt.“

Oliver Kahn: „Weiter immer weiter“

Schindelmeiser und Wolf wollen das Niveau in allen Bereichen weiter hochhalten. Ganz nach Oliver Kahns berühmt gewordenem Satz: „Weiter, immer weiter.“ Und auch die Spieler sind auf Linie getrimmt: „Wir sind zwar als Team schon gut eingespielt, es gibt aber keinen Grund den Fuß auf die Bremse zu setzen“, so Keeper Mitch Langerak nach dem Sieg über Kaiserslautern. Auch Simon Terodde stieß ins gleiche Horn: „Wir haben jetzt eine gute Ausgangsposition, wollen uns aber weiter verbessern.“

Stuttgarts Top-Torjäger wird nach seinem Nasenbeinbruch nächsten Montag (20:15 Uhr / ZVW-Liveticker) gegen Eintracht Braunschweig wohl mit einer Maske auflaufen. „Ich habe richtig Bock auf dieses Spiel“, erklärte der 15-Tore-Mann direkt nach dem Lautern-Spiel.

Terodde: Grünes Licht vom Mannschaftsarzt

Im Interview mit den Stuttgarter Nachrichten gab auch Mannschaftsarzt Heiko Striegel grünes Licht für einen Einsatz gegen Braunschweig: „Simon ist hart in Nehmen. Wenn alles optimal läuft, kann er am Freitag wieder ins Mannschaftstraining einsteigen.“

Nach der OP am Mittwoch im Marienhospital, bekommt Terodde eine Gesichtsmaske aus Karbonfasern gefertigt, die den frisch gerichteten Knochen vor einem erneuten Zusammenprall schützen soll. Nach rund drei Monaten wird der Bruch vollständig ausgeheilt sein. Die Maske wird Terodde aber aus Sicherheitsgründen noch sechs bis acht Wochen tragen müssen. 

„Wir werden den Teufel tun und uns zurücklehnen“

Dann wird auch schon die Zielgerade der diesjährigen Zweitliga-Saison in Sicht sein. Mit dem VfB, Hannover 96, Union Berlin und Eintracht Braunschweig hat sich ein Quartett die beste Ausgangslage für den Schlussspurt gesichert. 60 Punkte, so prognostizierten es einige Experten vor der Saison, könnten dieses Jahr für den Aufstieg reichen. Die Schwaben wollen im diesjährigen Aufstiegskampf schnellstmöglich für klare Verhältnisse sorgen.

Zwölf Spiele stehen noch zwischen dem VfB Stuttgart und der Rückkehr in die Bundesliga. „Das ist noch sehr sehr viel“, warnt Hannes Wolf. Seine Mannschaft ist auf Kurs. Das steht außer Frage. Doch fast schon gebetsmühlenartig wiederholen der Cheftrainer und die sportliche Leitung ihr Mantra: „Wir werden den Teufel tun und uns zurücklehnen.“ Leichtfertigkeit, Zufriedenheit oder Überheblichkeit sucht man aktuell vergebens rund um das Stuttgarter Kollektiv.

Drei ganz besondere Glücksbringer

Und sollten alle Stricke reißen, dann hat Hannes Wolf ja noch seine ganz besonderen Glücksbringer: Bei allen Heimspielen sitzt seine Familie hinter der Trainerbank auf der Haupttribüne. Dort drücken Ehefrau Julia und die beiden Töchterchen gemeinsam ganz fest die Daumen. „Nur gegen Hannover war meine Familie nicht im Stadion“, schmunzelte Hannes Wolf.

Das Ergebnis ist bekannt: Mit 1:2 ging das Spitzenspiel verloren. Es war die letzte Heimniederlage des VfB. Das bedeutet also im Umkehrschluss: Kommt Familie Wolf zu den verbleibenden sechs Heimspielen, kann wirklich nichts mehr schief gehen.