VfB Stuttgart

Ebenezer Ofori: Der Stabilisator

VfB Stuttgart - Karlsruher SC 2:0 (09.04.2017)_0
"Er hat all seine fußballerische Qualität gezeigt - und das Zentrum dominiert", erklärte Trainer Hannes Wolf nach Oforis Debüt gegen Dresden. © Danny Galm

Stuttgart.
Winterneuzugang Ebenezer Ofori ist beim VfB Stuttgart angekommen. In den letzten fünf Partien stand der 21-jährige Ghanaer von Beginn an auf dem Platz und überzeugte durch sein sicheres Passspiel und seine starken Zweikampfwerte.Im Video: "Herr Wolf, waren Sie überrascht, dass sich Ebenezer Ofori hier in Deutschland so schnell und so gut eingefunden hat?"

Beim 3:1-Sieg im Spitzenspiel gegen Union Berlin leitete er durch einen klugen Ball auf Josip Brekalo den Treffer zum 2:0 ein. Wenn man so will, seine erste Torbeteiligung im Dress des VfB. Zusammen mit Kapitän Christian Gentner sorgte Ofori gegen die „Eisernen“ im zentralen Mittelfeld für Stabilität, Sicherheit und Struktur.    Fans und Beobachter staunten nicht schlecht, als Trainer Hannes Wolf den Winterneuzugang für das wichtige Heimspiel gegen Dynamo Dresden überraschend in die Startelf beorderte. Nach dem Spiel war dann allerdings allen klar, warum Wolf den jungen Ghanaer im defensiven Mittelfeld aufgeboten hatte.

"Er hat das Zentrum dominiert"

"Ebenezer hat all seine fußballerische Qualität gezeigt - und das Zentrum dominiert", erklärte Wolf nach dem furiosen 3:3 gegen den Aufsteiger. Wolfs Fazit: "Er hat ein sehr gutes Spiel gemacht." Auch Sportvorstand Jan Schindelmeiser war rundum zufrieden mit Oforis Debüt im Trikot mit dem roten Brustring: "Er verleiht der Mannschaft Stabilität."

In der Länderspielpause im Februar hatte sich Ofori sein Debüt hart erarbeitet. Mit starken Auftritten gegen Ingolstadt und die Reserve der Münchner Löwen empfahl er sich für einen Einsatz gegen Dynamo. Und rechtfertigte seine Nominierung auch in den nachfolgenden Auftritten.

Kluge, schnörkellose und sichere Zuspiele

Ball- und passsicher, sowie lauf- und zweikampfstark präsentiert sich Ofori seither in der Stuttgarter Schaltzentrale. Mit seiner Unaufgeregtheit und seinen spielerischen Fähigkeiten gab er der Stuttgarter Mannschaft in einer heiklen Phase der Saison die nötige Stabilität und Sicherheit.

Durch seine klugen, schnörkellosen und sicheren Zuspiele gewann der Ghanaer schnell das Vertrauen seiner Mitspieler und auch das des Publikums in der Mercedes-Benz Arena. Der Winterneuzugang ein echter Qualitätsgewinn für die Stuttgarter. 

"Wenn ich Fußball spielen kann, bin ich immer glücklich"

Am letzten Tag der Winter-Transferperiode hatte der VfB Stuttgart zugeschlagen und den Linksfuß vom schwedischen Erstligisten AIK Solna ins Ländle gelotst. Jan Schindelmeiser stattete den 21-Jährigen mit einem Vertrag bis 2020 aus und erklärte nach dem Transfer: "Wir haben einen jungen, entwicklungsfähigen Spieler verpflichtet."

Ofori wuchs zusammen mit seinen fünf Geschwistern in der ghanaischen Millionenstadt Kumasi auf und war von klein auf am Ball: "Ich hatte zwar keine Fußballschuhe und musste barfuß spielen, aber ich war total glücklich. Wenn ich Fußball spielen kann, bin ich immer glücklich“, sagt Ofori in der Rückschau.

Ehrgeiz und Fleiß gepaart mit fußballerischem Talent

Mit 15 Jahren wechselte der talentiert Straßenkicker zum Glory FC und nur zwei Jahre später zum ghanaischen Erstligisten New Edubiase United. Ehrgeiz und Fleiß gepaart mit fußballerischem Talent bescherten dem jungen Ofori schnell eine Nominierung für die U 20-Nationalmannschaft seines Heimatlandes. Er wurde Stammspieler und debütierte im Januar 2017 für die A-Nationalmannschaft der „Black Stars“ – der Höhepunkt seiner bisherigen Laufbahn.Im Sommer 2013 wagte der talentierte Mittelfeldspieler dann den großen Schritt und wechselte zum schwedischen Erstligisten AIK Solna. Für Ofori erfüllte sich eine lange gehegter Traum: "Ich hatte all die Jahre immer so hart trainiert, um eines Tages in Europa Fußball spielen zu können."

Von den Schweden zu den Schwaben

Ein neues Land, eine neue Sprache, eine neue Kultur und eine neues Klima – die Anfangszeit in Schweden war hart für den Jungprofi. Doch der 1,72 Meter kleine Mittelfeldspieler biss sich durch, erkämpfte sich einen Stammplatz und wurde 2015 im Alter von 19 Jahren zum besten Mittelfeldspieler der Liga gewählt.  

Nach dreieinhalb Jahren in Schweden und 101 Pflichtspielen für den AIK Solna (Fünf Tore/15 Vorlagen) wagte Ofori dann den nächsten Schritt und wechselte nach Deutschland zum VfB Stuttgart. Bei der Umstellung von Schweden auf Schwaben bereitete ihm anfangs vor allen Dingen die deutsche Sprache einige Probleme - "eine sehr schwierige Sprache", sagt Ofori, der in seiner Heimat Englisch und in Solna Schwedisch lernen musste. "Die ganzen Sprachen bringen mich ganz schön durcheinander."

Spitzname: "Ebbo"

Mannschaftskollege und Landsmann Hans Nunoo Sarpei erleichterte dem 21-Jährigen den Start beim VfB. "Er ist für mich inzwischen wie ein Bruder", erklärt Ofori.

Nach seinem Wechsel weilte er zunächst mit Ghana beim Afrika-Cup und verpasste deshalb die Wintervorbereitung des VfB. Vor allem körperlich musste der Ghanaer einiges aufholen. "Als er zu uns kam, war er in keiner guten Verfassung. Und er ist auch jetzt noch nicht bei hundert Prozent“, so Sportvorstand Schindelmeiser.

Von den Stuttgarter Fans hat die Nummer 22 inzwischen einen Spitznamen verpasst bekommen: In Anlehnung an den ehemaligen Keeper und langjährigen VfB-Torwarttrainer Eberhard „Ebbo“ Trautner, rufen die VfB-Fans nun den kleinen Ghanaer liebevoll "Ebbo".

Und "Ebbo" ist inzwischen angekommen beim VfB, hat sich einen Platz in Hannes Wolfs Kader erkämpft und lässt die Fans durch starke Leistungen vom Aufstieg in die Bundesliga träumen.