VfB Stuttgart

Eine Denkpause mit Wirkung

Fußball VfB Stuttgart vs. FC Augsburg_0
Die Denkpause für Anastasios Donis verfehlte ihre Wirkung nicht – ganz im Gegenteil. © Danny Galm

Stuttgart.
Für einen kurzen Moment eröffnete sich eine kleine Lücke im bis dahin so gut gestaffelten Defensivverbund des FC Augsburg - und die erkannte Anastasios Donis gedankenschnell. Clever legte sich der Grieche den Ball an seinem Gegenspieler vorbei und explodierte förmlich, als er der Kugel wie ein von der Leine gelassener Hund hinterherjagte. Ein beeindruckender Antritt.

Mit Wucht und Aggressivität

Zwar kam am Ende der Aktion nur ein letztlich wirkungsloser Eckball heraus, aber die Szene steht sinnbildlich für den ordentlichen Auftritt von VfB-Neuzugang Donis. Der war am Samstag im zähen Heimspiel gegen den FC Augsburg (0:0) einer der wenigen Lichtblicke in der harmlosen Offensive.

Mit viel Wucht und Aggressivität haut sich der im englischen Blackburn geborene Stürmer in jeden Zweikampf. Ein Spieler ganz nach dem Geschmack von Trainer Hannes Wolf. Zudem ist der beidfüßige Stürmer flexibel einsetzbar: Egal ob im Sturmzentrum, als hängende Spitze oder über die Flügel - Donis ist ein echter Offensiv-Allrounder.

Der erste Grieche beim VfB seit Ioannis Amanatidis

„Tassos“ Donis ist der erste Grieche im VfB-Kader seit Ioannis Amanatidis, der von 1999 bis 2004 für die Roten stürmte. Vor seinem Wechsel zum VfB war der pfeilschnelle Stürmer von seinem Stammverein Juventus Turin an den französischen Erstligisten OGC Nizza ausgeliehen. In Nizza spielte Donis unter Trainer Lucien Favre und erzielte fünf Tore in 18 Ligaspielen. "Die Bundesliga und die Premier League sind die besten Ligen der Welt", sagte der 21-Jährige bei seiner Vorstellung im Sommer-Trainingslager in Grassau. Für seine Spielweise sei „die Bundesliga jetzt ideal. Die Abwehrreihen stehen hoch, da kann ich meine Schnelligkeit einsetzen und die Räume nutzen.“

Im Sommer gab es auch Anfragen aus der englischen Premiere League, wo einst sein Vater Georgios bei den Blackburn Rovers als erster griechischer Spieler auf der Insel anheuerte. „Ich glaube, dass die Premier League für mich jetzt zu früh käme. Es ist für mich besser, erst einmal in der Bundesliga Erfahrungen zu sammeln“, sagt der ehrgeizige Grieche, der nach einer guten Vorbereitung zu Beginn der Saison aufgrund von Disziplinlosigkeiten aus dem Kader flog.

Denkpause für Donis

Gleich mehrfach erschien Donis zu spät zum Training, dem gemeinsamen Frühstück und diversen Besprechungen. Zudem gönnte er sich nach einem kicker-Bericht häufig kleinere Kurztrips in die Heimat– und sei bei seiner Rückkehr statt am Flughafen Stuttgart schon mal in München gelandet, von wo man ihn dann abholen musste. In der Konsequenz verpasste Trainer Hannes Wolf dem 21-Jährigen eine Denkpause und strich ihn für das Heimspiel gegen Mainz aus dem Kader.

Die Denkpause verfehlte ihre Wirkung nicht – ganz im Gegenteil. Auf Schalke stand Donis wieder im Kader, kam nach 63. Minuten auf den Platz und brachte noch einmal mächtig Schwung. Im darauffolgenden Heimspiel gegen Wolfsburg stand der beidfüßige Angreifer dann erstmals in der Startelf und bereitete Akolos Siegtreffer mit einem starken Sololauf auf dem linken Flügel vor.

Nur Köln und Freiburg sind noch harmloser

Wie seinen Teamkollegen aber auch, fehlt Donis noch die nötige Wucht und Durchschlagskraft im letzten Drittel. Während die Defensive des Aufsteigers sehr solide steht, hakt es noch in der Offensive. In 540 Bundesliga-Minuten schossen die Schwaben erst drei Tore. Einzig der 1. FC Köln und der SC Freiburg sind vorne noch harmloser. Zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte hat der VfB Stuttgart nach sechs Spieltagen erst drei Tore auf dem Konto.Die Hoffnungen der VfB-Fans auf mehr Tore ruhen neben dem weiter torlosen Simon Terodde auch auf Anastasios Donis. Der will nach seinen ersten guten Auftritten im Trikot mit dem roten Brustring endlich auch seinen ersten Bundesliga-Treffer bejubeln.

Die nächste Gelegenheit dazu kommt am kommenden Samstag. Dann geht's zu Eintracht Frankfurt. „Wir müssen es nach vorne flüssiger ausspielen", forderte Trainer Hannes Wolf nach dem torlosen Remis gegen Augsburg. Gegen Frankfurt braucht es mehr Mut, Tempo und Wucht im Offensivspiel. Anastasios Donis' Qualitäten sind also wieder gefordert.