VfB Stuttgart

Ein neues Konzept für Kultur und Sport: Wie die Zuschauer schrittweise zurückkehren könnten

Mercedes-Benz-Arena Symbolbild
Symbolbild. © Danny Galm

Wann werden die Fans des VfB Stuttgart ihrer Mannschaft wieder live im Stadion zujubeln dürfen? Ein Branchen übergreifendes Konzept zur kontrollierten Rückkehr von Zuschauern weckt nun neue Hoffnungen auf baldige Lockerungen und ein Stück Normalität in der Corona-Krise. «Einen Mutmacher können momentan alle gut gebrauchen. Keiner hat mehr Lust auf den Lockdown», sagte Frank Bohmann, Geschäftsführer der Handball-Bundesliga, der Deutschen Presse-Agentur am Montag (22.02.) nach der Vorstellung der Studie. «Wir wissen um die Brisanz einer Öffnung, halten sie aber für verantwortbar.»

«Wir wollen der Politik einen Weg zeigen, wie geht es zurück»

Der von 20 Experten und Wissenschaftlern in den vergangenen zwei Monaten erarbeitete Leitfaden unterteilt sich in drei Bereiche: Ein Basiskonzept mit einer Auslastung der Zuschauerkapazität bis zu 40 Prozent, ein Spezialkonzept mit einer Auslastung bis zu 80 Prozent und ein Testkonzept für eine hundertprozentige Vollauslastung. Dabei wird zwischen Indoor- und Outdoorveranstaltungen unterschieden.

«Irgendwann muss die Frage beantwortet werden, wie gehen wir die Schritte zurück. Wir wollen der Politik einen Weg zeigen, wie geht es zurück. Das steht für uns im Vordergrund», sagte Hygiene-Experte und Mitautor Florian Kainzinger. «Das Wann ist eine Frage, die die Politik gerne mit uns diskutieren kann. Wir denken, dass der Einstieg bald möglich ist. Aber wichtiger ist das Wie.» Kainzinger appellierte zugleich, über eine Lockerung nicht nur auf Grundlage der aktuellen Inzidenzzahlen zu entscheiden: «Die zentrale Frage dabei ist die Belastung des Gesundheitssystems.»

Mercedes-Benz-Arena Symbolbild, Cannstatter Kurve (geschlossen / Corona)
Symbolbild. © Danny Galm

Die Initiative wird unter anderen von den großen Verbänden und Profiligen aus dem Fußball, Handball, Basketball, Volleyball und Eishockey unterstützt. «Das Virus wird uns noch auf Monate, Jahre, vielleicht sogar für immer begleiten. Umso wichtiger ist es, dass wir zukunftsgerichtete Konzepte zur Lösung entwerfen», sagte Gernot Tripcke, Chef der Deutschen Eishockey-Liga. Für die DEL sei es «von essenzieller Bedeutung, dass wir bei der Zuschauerthematik zeitnah mit einer verantwortungsvollen Perspektive arbeiten können».

Viele Voraussetzungen werden bereits erfüllt

Ähnlich ist es im Handball, wo die Einnahmen aus dem Ticketverkauf bis zu 30 Prozent des Saisonetats der Bundesligavereine ausmachen. «Für uns ist es wichtig, dass wir kommende Saison wieder mit Zuschauern planen können», sagte Bohmann. «Wir sollten das aber schon in dieser Saison angehen.» Er sähe eine Öffnung «lieber heute als morgen. Es geht nicht, uns noch über Monate hinweg einzuschließen.»

Der Profisport kann dabei für sich in Anspruch nehmen, viele Voraussetzungen bereits zu erfüllen. Die Eckpunkte des modularen Plans umfassen unter anderem die Erstellung eines Hygiene- und Infektionsschutzkonzeptes, personenbezogene Tickets zum Kontaktmanagement, eine durchgehende Maskenpflicht und ein Ausschankverbot von alkoholischen Getränken. «Die meisten dieser Maßnahmen sind bei uns bereits vorhanden bzw. weit entwickelt», betonte Tripcke.

Nach Ansicht von Georg-Christian Zinn, Facharzt für Hygiene und Umweltmedizin, könne man bei einer konsequenten Umsetzung der vorgesehenen Maßnahmen auch den neueren Virus-Varianten Stand halten. «Mit guten Konzepten können diese Varianten zurückgedrängt werden. Das bereitet uns keine großen Bauchschmerzen», sagte Zinn. HBL-Geschäftsführer Bohmann glaubt daher: «Das kann ein Aufbruchsignal für die Gesellschaft insgesamt sein.»

Basiskonzept

Der Ansatz stellt verschiedene Modelle sowohl für Indoor- als auch für Outdoor-Veranstaltungen vor. Diese basieren jeweils auf einem Basiskonzept und können mittels weiterer Schritte ausgebaut werden, um die Zahl der Zuschauer und Gäste pro Veranstaltung schrittweise zu erhöhen.

  • Indoor: Eckpunkte für Veranstaltungen in geschlossenen Räumen umfassen unter anderem die Erstellung eines Hygiene- und Infektionsschutzkonzeptes, eine Gesamtauslastung von maximal 25-30 Prozent zur Einhaltung der allgemeinen Abstandsregeln, personenbezogene Tickets zum Kontaktmanagement, eine durchgehende Maskenpflicht, ein Ausschankverbot von alkoholischen Getränken bei Veranstaltungen mit mehr als 1.000 Besuchern sowie ein dezidiertes Konzept zur An- und Abreise von Zuschauern und Gästen.
  • Outdoor: Für Freiluftveranstaltungen geht das Konzept bei vergleichbaren Maßnahmen von einer möglichen Auslastung von 35 bis 40 Prozent der Kapazität aus. Im Amateur- und Breitensport schlagen die Autoren zudem eine "Bagatelluntergrenze" vor, die bei Veranstaltungen mit ausreichend Flächen eine Sonderregelung vorsieht. Bei Einhaltung der Maskenpflicht und eines erweiterten Abstands sowie Kontaktmanagement durch technische Lösungen wie Apps könnten personenbezogene Tickets in diesem Bereich damit überflüssig werden.