VfB Stuttgart

Erich Hägele will den Fans eine Stimme geben

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Erich Hägele (73) ist VfB-Fan und hat sich immer schon für die Fans im Allgemeinen eingesetzt. Jetzt kandidiert er für den Vereinsbeirat. © Alexander Roth

Am Sonntag, 3. Dezember, treffen sich die Mitglieder des VfB Stuttgart zur Mitgliederversammlung. Erich Hägele, Präsident des Sportkreises Rems-Murr und seit 1963 VfB-Mitglied, kandidiert für den neu geschaffenen Vereinsbeirat. Vorab haben wir mit dem 73-Jährigen über das neue Gremium, seine Motivation und die aktuelle Lage bei seinem Herzensclub gesprochen.

Herr Hägele, Sie kandidieren zusammen mit 15 Kandidaten für den neu geschaffenen Vereinsbeirat. Können Sie dessen Aufgaben ein wenig genauer erläutern?

Von den insgesamt 16 Kandidaten werden neun für vier Jahre in den Vereinsbeirat gewählt. Je drei Vertreter aus den Bereichen Sport und Verein, Mitglieder und Fans und Wirtschaft und Gesellschaft. Ich kandidiere für den Bereich Mitglieder und Fans. Der Vereinsbeirat hat eine beratende Funktion und trifft sich mehrmals im Jahr, ähnlich wie der Mitglieder- oder der Fanausschuss. Zudem muss er zum Finanzplan des Präsidiums seine Zustimmung geben und schlägt die Präsidiumsmitglieder, also auch den Präsidenten für die Wahl vor.

Welchen Stellenwert hat der Vereinsbeirat?

Er ist für mich nach dem Präsidium des eingetragenen Vereins das zweitwichtigste Gremium. Über den Vereinsbeirat können die Gedanken der Mitglieder eingebracht werden. Präsident Wolfgang Dietrich sitzt mit uns zusammen und er wird uns hören. Der Vereinsbeirat ist zusammen mit den Dialog-Veranstaltungen und der Mitgliederversammlung die Schnittstelle zwischen Basis und Vereinsführung.

Aber konkret entscheiden kann der Vereinsbeirat nichts.

Gremien sind nicht nur dann wichtig, wenn Entscheidungen getroffen werden, sondern auch, wenn über sie die Meinung der Basis eingeholt werden kann. Sollte ich gewählt werden, dann sehe ich es als meine Aufgabe an, genau zu schauen, was man für Fans und Mitglieder verbessern kann.

Sie kämpfen mit fünf Konkurrenten um einen der drei Plätze im Vereinsbeirat. Was ist Ihre Motivation?

Ich hatte in den vergangenen Jahren immer mein Ohr an der Basis. Ich komme auf Sportplätzen und bei Stammtischen mit vielen Mitgliedern zusammen und habe ein gewisses Netzwerk. Diese Meinungen und Stimmungen könnte ich dem Verein vermitteln. Als Vorsitzender des Instituts für Sportgeschichte würde ich zudem beim Thema Vereinsmuseum kräftig mithelfen. Ein weiterer wichtiger Punkt ist mir die Erhaltung der Mitgliederrechte.

Wie steht es um die Mitgliederrechte nach der Ausgliederung der Profiabteilung in eine AG?

Für mich sind keine Mitgliederrechte zurückgesetzt worden. Über den Vereinsbeirat können die Vereinsmitglieder vieles erreichen.

Der VfB will im nächsten Jahr weitere Anteile der AG verkaufen. Was wäre für Sie eine gute Lösung?

Ich würde in der zweiten Tranche einen Teil Mitglieder-Aktien veräußern. Dann könnten die Mitglieder an der Aktionärsversammlung noch einmal ihre Meinung äußern. Die Vereinsmitglieder haben auch nach der Ausgliederung viele Rechte und sollten die Mitglieder-Aktien kommen, hätten sie sogar doppelt so viele wie zuvor.

Wie sehen Sie die offensiven Pläne der Vereinsführung, nach denen der Verein in den nächsten drei bis fünf Jahren wieder international spielen soll?

Da stehe ich voll dahinter. Wer keine Ziele hat, wird auch nichts erreichen. Die Vereinsführung soll den Mitgliedern auf der Versammlung klar den Weg aufzeigen, wie diese Ziele erreicht werden können.

Wie könnte dieser Weg konkret aussehen?

Ich könnte mir vorstellen, dass man im Winter noch für die Abwehr und das Mittelfeld einen Spieler verpflichtet, dann wird der VfB sicher unter den ersten zehn landen. Wenn sich die talentierte und junge Mannschaft dann weiterentwickelt, ist das Ziel Europa League in ein paar Jahren durchaus machbar.

Die Wahl von Wolfgang Dietrich, der Wiederaufstieg und die Ausgliederung: Beim VfB hat sich einiges getan. Sehen Sie Ihren Herzensclub auf dem richtigen Weg?

Seit Wolfgang Dietrich im Amt ist, befindet sich der Verein auf dem richtigen Weg. Ich habe ein gutes Gefühl. Der Präsident hat klare Ziele und benötigt jetzt im Vereinsbeirat Menschen, die diesen Weg mitgehen.


Der neue Vereinsbeirat

16 Mitglieder wollen bei der diesjährigen Mitgliederversammlung Teil des erstmals zu wählenden Vereinsbeirats werden. Dieser löst in der seit Juli geltenden Vereinsstruktur den Aufsichts- und Ehrenrat ab.

Das Gremium berät künftig das Präsidium und schlägt die Präsidiumsmitglieder, also auch den Präsidenten für die Wahl vor. Zudem muss der Vereinsbeirat jährlich dem Finanzplan des Präsidiums zustimmen.

In drei Themenbereiche teilen sich die Aufgaben des Vereinsbeirats, neun Kandidaten (drei je Themengebiet) werden gewählt.

  • Sport und Verein: Wolf-Dietrich Erhard (63/Stuttgart), Hans H. Pfeifer (69/Stuttgart), Dieter Göggel (62/Stuttgart), Roland Schmid (61/Stuttgart)
  • Mitglieder und Fans: James Bührer (50/Renningen), Erich Hägele (73/Ludwigsburg), Claudia Maintok (31/Wittlensweiler), Joachim Schmid (59/Esslingen), Rainer Wenninger (51/Waiblingen), Ulrike Zimmermann (65/Biberach/Riss)
  • Wirtschaft und Gesellschaft: Murat Altunas (49/Ostfildern), André Bühler (41/Kirchheim/Teck), Hubert Mörk (57/Nagold), Rainer Reichhold (59/Nürtingen), Christof Seeger (44/Gäufelden), Julian Osswald (52/Freudenstadt)