VfB Stuttgart

Erinnerungen an den Abstieg: VfB gegen Union

Christian Gentner von Union Berlin während eines Spiels
Christian Gentner von Union Berlin während eines Spiels. Foto: Andreas Gora/dpa/Archivbild © Andreas Gora

Stuttgart (dpa) - So hat Christian Gentner den VfB Stuttgart bei seinem Abschied nicht erlebt. So jung, so erfrischend und mit einer solch rasanten positiven Entwicklung. Es war nach dem Abstieg im Mai 2019, als der Kapitän den VfB verlassen musste. Es war damals ein Schritt zum Neuanfang, der die Schwaben jetzt zu einem Team der Stunde in der Fußball-Bundesliga reifen ließ. Nun, eineinhalb Jahre später wollte Gentner eigentlich erstmals als Mittelfeldspieler des 1. FC Union Berlin wieder in sein altes Stadion zurückkehren - doch der 35-Jährige fällt für das Wiedersehen der beiden damaligen Gegner aus der Abstiegsrelegation am Dienstag (20.30 Uhr/Sky) wohl aus.

Eine Wadenverletzung verhindert, dass Gentner aufläuft, wenn sich der VfB und Union erstmals seit den für den VfB schmerzhaften Duellen wieder gegenüberstehen. Seit dem 2:2 und 0:0, zugleich Gentners letzte Spiele im VfB-Trikot, hat sich viel verändert. Momentan verwundern beide Clubs mit unterschiedlichen Konzepten als Sechster (Union) und Siebter (VfB) vor dem zwölften Spieltag. «Es hat mich überrascht wie hervorragend sie das machen. Es ist nicht zufällig, dass sie da oben stehen auf den internationalen Plätzen», sagte VfB-Trainer Pellegrino Matarazzo am Montag über den kommenden Gegner.

Union trotzte dem FC Bayern gerade ein 1:1 ab. Beim VfB ist es nach dem imposanten 5:1 bei Borussia Dortmund sogar ein Thema, dass die junge Truppe nicht zu überschwänglich wird. Es komme nun vor allem auf die «Charakterstärke» an, betonte Matarazzo.

Von vielen Seiten heimsen die Schwaben nämlich momentan Lob ein. «Das ist schon eine sehr, sehr gute Mannschaft, die gerade sehr viel Selbstvertrauen hat», sagte Mönchengladbachs Sportdirektor Max Eberl im ZDF-«Sportstudio». Die Elf sei «ein bisschen wie Phönix aus der Asche» aufgestiegen und spiele «bisher eine herausragende Saison.»

Beim VfB geht der gnadenlose Trend zur Jugend gerade auf. Die jungen VfB-Bundesliga-Neulinge wie Mateo Klimowicz, Tanguy Coulibaly oder Silas Wamangituka haben sich überraschend schnell in der ersten Liga entwickelt. Sie bilden mit Routiniers wie Kapitän Gonzalo Castro und Spielmacher Daniel Didavi, die nach Gelb-Sperre beziehungsweise Verletzung gegen Union wieder zur Verfügung stehen, «eine Mannschaft mit Zukunft», wie Sportdirektor Sven Mislintat sagte. Anders als in der Regelation 2019 sind erfahrene Kräfte wie Holger Badstuber, Dennis Aogo oder Emiliano Insua nicht mehr dabei.

Ganz gleich welches Alter die Spieler haben - bei Union klappt gerade so ziemlich alles, was Trainer Urs Fischer in Angriff nimmt. Auch der Aufall von Protagonist Max Kruse machte dabei keinen großen Unterschied. «Sie haben eine Idee, Fußball zu spielen, wo sich alle sofort einfügen können», sagte Matarazzo und lobte: «Sie haben auch eine gewisse Spielstärke entwickelt in dieser Saison. Es ist aus meiner Sicht ein sehr kompaktes Team, das sehr gut geführt wird». Zudem sei es beeindruckend, mit welcher Bereitschaft Union verteidige und wie schnell und effektiv die Konter seien.

Rechtzeitig zum Auftritt gegen den FC Bayern hatte Gentner seine Wadenprobleme, die Mitte November aufgetreten waren, überwunden und zumindest ein paar Minuten spielen können. Am Dienstag ist er für Fischer aber «eher» keine Option. Dem VfB auf der anderen Seite droht der Ausfall von Abwehrchef Waldemar Anton, der wegen muskulärer Problemen am hinteren Oberschenkel fraglich ist. Ganz gleich, wer am Ende aufläuft - natürlich will der VfB endlich den ersten Heimsieg in dieser Saison feiern. Schließlich ist es so ziemlich das Einzige, das noch zu einer vollends geglückten Rückkehr in die erste Liga fehlt.