VfB Stuttgart

Expertenpool, Investorensuche und Frauenfußball: So steht es um die Projekte von Präsident Claus Vogt

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Ist seit Dezember 2019 Präsident des VfB Stuttgart: Der Unternehmer und VfB-Fan Claus Vogt. © ZVW/Benjamin Büttner

Während die sportliche Leitung des VfB Stuttgart am Kader für die neue Spielzeit in der Bundesliga bastelt, treibt Präsident Claus Vogt seine Projekte voran - und das mitten in der Corona-Krise. Der vielleicht größten Herausforderung, die der 127 Jahre alte Traditionsverein aus Bad Cannstatt in seiner Geschichte erlebt hat.

Neben den Themenfeldern Frauenfußball, Expertenpool, Fanabteilung und KfW-Kredit steht auch die komplizierte Suche nach einem zweiten Investor auf der To-do-Liste des 50-jährigen Unternehmers aus Waldenbuch. Wie ist der aktuelle Stand der Projekte? Wir haben beim Clubchef nachgefragt:

Herr Vogt, wie ist der aktuelle Stand beim Thema Frauenfußball?

„Aufgrund der Corona-Pandemie mussten wir zunächst viele Projekte zurückstellen. Jetzt haben wir die Möglichkeit, uns auch wieder persönlich zu treffen. In dieser Woche werden wir uns physisch zum Thema Mädchen- und Frauenfußball zusammensetzen und diskutieren, in welche Richtung es bei uns gehen soll. Es wird zunächst vermutlich auf Mädchen- und Frauenfußball im Breitensport hinauslaufen.“

Wie sind die nächsten Schritte zur Umsetzung?

„Aus unseren internen Experten, die wir in den Gremien des e.V. und der AG haben, wird eine Arbeitsgruppe gebildet. Wir wollen das Thema in den nächsten Wochen und Monaten angehen und alle Möglichkeiten - von einer Eigen- und Neugründung über eine Kooperation oder Spielgemeinschaft - prüfen.“

Gibt es einen konkreten Zeitplan?

„Nein. Zunächst wollen wir wissen, in welche Richtung es gehen soll. Ein konkretes Datum, wann die Abteilung an den Start geht, gibt es aber noch nicht.“

Ihr zweites Projekt ist der sogenannte Expertenpool, in der Anfangsphase von den Medien auch Expertenrat genannt. Warum gibt es diese Gruppe, der unter anderem Grünen-Politiker Cem Özdemir und die beiden Ex-Präsidenten Erwin Staudt und Manfred Haas angehören?

„Beim VfB haben wir unterschiedliche Themen und Projekte. Eins zum Beispiel ist das Projekt Mädchen- und Frauenfußball. Wir wollen vereinsübergreifend - also aus Verein und AG - Teilnehmer finden, die an diesem Projekt mitarbeiten. Im konkreten Beispiel sitzt in der Gruppe jemand aus dem Vereinsbeirat, aus dem Präsidium und vermutlich noch jemand aus der AG. Wenn alles klappt, kommt zusätzlich auch noch ein Experte aus dem Pool dazu.“

Es gibt also eine Gruppe mit festen Experten, die für verschiedene Projekte zur Beratung hinzugezogen werden können.

„Genau. Haben wir zum Beispiel ein Thema, das für den e.V. oder den Präsidenten wichtig ist, wäre es schön, wenn wir unseren Ehrenpräsidenten Erwin Staudt miteinbinden könnten. Oder Cem Özdemir zum Thema Nachhaltigkeit - und Manfred Haas ist ein absoluter Finanzexperte.“

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Cem Özdemir, Bundestagsabgeordneter (Bündnis 90/Die Grünen). Foto: Marijan Murat/Archivbild © Marijan Murat

Beim Stichwort Finanzen: Wie läuft die Suche nach einem zweiten Investor?

„Der aktuelle Stand sieht so aus: Ich habe mit mehreren Unternehmen aus der Region gesprochen, aber in der aktuellen Lage - Wirtschafts-Krise plus Corona-Pandemie - ist das momentan natürlich für alle Beteiligten der denkbar schlechteste Zeitpunkt. Die Firmen schicken ihre Mitarbeiter in Kurzarbeit, haben Gehaltskürzungen und wissen nicht genau, wie es für sie wirtschaftlich weitergeht. In dieser Situation ein langfristiges Investment mit dem VfB einzugehen, ist für viele Unternehmen kaum darstellbar und auch intern schwer zu erklären.“

Einen festen Zeitpunkt, bis wann der zweite Investor einsteigen soll, wird es also nicht geben?

„Nein. Aus mehreren Gründen: Zum einen muss das Unternehmen, die Bewertung und auch die Strategie des Partners zu uns passen. Und zum anderen geht es um den Zeitpunkt - und der ist wie gesagt momentan nicht gerade optimal.“

Wie steht es um den Antrag auf Förderung durch die staatliche Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Wurde der mittlerweile bewilligt?

„Stand heute (03. August; Anm. d. Red.) noch nicht. Aus Fürsorgepflicht für unsere Mitarbeiter und unser Unternehmen haben wir den Kredit relativ früh zu Beginn der Pandemie beantragt. Wir wussten zu diesem Zeitpunkt nicht, wie und ob es überhaupt weitergeht. Als gute Kaufleute mussten wir unsere Hausaufgaben machen. Der Genehmigungsprozess läuft allerdings noch.“

Ein weiteres Projekt, das Sie bereits im Wahlkampf angeregt hatten, ist die Einrichtung einer Fanabteilung. Wie sieht es da aus?

„Das Thema habe ich in unserem Fanausschuss vorgestellt. Das Ziel ist aber relativ offen formuliert. Wir lassen das Projekt jetzt unter dem Titel „Fanbelange“ laufen. Am Ende muss aber keine eigene Abteilung rauskommen, sondern es geht darum, die Fanbelange und Fanrechte in unserem Verein zu stärken.“

Welche Möglichkeiten haben Sie als Präsident des e.V. und Aufsichtsratsvorsitzender der AG, um sich für Fanthemen stark zu machen?

„Aufgrund meiner Wurzeln beim FC PlayFair! (ein Verein für Integrität im Profifußball, der sich für Fan- und Vereinsinteressen einsetzt, www.fcplayfair.org; Anm. d. Red.) habe ich Themen, welche die Fans und die Mitglieder bewegen, in den Verein gegeben und auch mit unserem Vorstandsvorsitzenden Thomas Hitzlsperger diskutiert. Wir werden eine Art Grundlagenpapier zu verschiedenen Zukunftsthemen erstellen. Damit wir uns im Verein und der AG einig sind, wie wir beispielsweise die 50+1-Regel bewerten. Da ist es natürlich wichtig, dass wir diskutieren und eine gemeinsame Basis entwickeln. Auch hierzu wird es eine eigene Projektgruppe geben. Wenn wird das bis Ende des Jahres hinbekommen, wäre das toll. Dann hätten wir ein gemeinsames Verständnis, wie für uns die Zukunft des Profifußballs aussehen soll.“

Zur Person

  • Claus Vogt wurde am 12. August 1969 in Nürtingen geboren.
  • Nach dem Studium (Maschinenbau und Umweltschutztechnik) war er zunächst bei der Robert Bosch GmbH, im Haniel Konzern und der Metro Group tätig.
  • 2010 gründete Vogt ein eigenes Facility-Management-Unternehmen, die Intesia Group Holding GmbH mit Sitz in Böblingen.
  • 2017 gründete Claus Vogt den FC PlayFair! Verein für Integrität im Profifußball e.V., welcher sich für Fan- und Vereinsinteressen im Fußball einsetzt.
  • Beim VfB war Vogt seit 2016 im Mitgliederausschuss für Vereins-Entwicklung engagiert. Am 15. Dezember wurde er zum Präsident des VfB Stuttgart 1893 e.V. und Aufsichtsratsvorsitzender der VfB Stuttgart 1893 AG gewählt.