VfB Stuttgart

Führungskrise beim VfB Stuttgart immer undurchsichtiger - Brisante Spiegel-Enthüllungen zur Daten-Affäre

Fußball DFB Pokal VfB Stuttgart vs. Borussia Mönchengladbach
Die Führungsriege des VfB Stuttgart: Jochen Röttgermann (Marketingvorstand), Thomas Hitzlsperger (CEO), Stefan Heim (Finanzvorstand) und Claus Vogt (Präsident und Aufsichtsratschef|v.l.n.r.). © Pressefoto Baumann

Wann und vor allem wie wird die beispiellose Führungskrise beim VfB Stuttgart enden? Auch das Auswärtsspiel des Fußball-Bundesligisten bei Bayer Leverkusen an diesem Samstag (ab 15.30 Uhr im ZVW-Liveticker) wird von den immer undurchsichtigeren Querelen überlagert. Kaum ein Tag vergeht, an dem es keine neue Entwicklung gibt. Und doch bleiben viele Fragen offen. Wir versuchen, zumindest einige zu beantworten.

Was geschah zuletzt?

Präsident Claus Vogt sorgte im längst eskalierten Führungsstreit am späten Donnerstagabend für die nächste Stufe. Er habe die Staatsanwaltschaft Stuttgart eingeschaltet, teilte der 51-Jährige in einem Schreiben mit. Der von ihm erklärte Grund: Es stehe der Verdacht eines Geheimnisverrats beim VfB Stuttgart im Raum. Das Einschalten des Staatsanwalts sei „leider nun notwendig“. Es bestehe die Absicht, ihn „zu beschädigen“, im Raum stehende Unterstellungen seien abwegig.

Wen lässt der Vereinsbeirat zur Präsidentschaftswahl zu?

Die Entscheidung rückt näher. Nachdem Vorstandschef Thomas Hitzlsperger seine Kandidatur für das Präsidentenamt zurückgezogen hat, sind von den ursprünglichen Bewerbern nur noch Amtsinhaber Vogt und der Geschäftsmann Volker Zeh aus dem Remstal übrig. Der achtköpfige Vereinsbeirat, der für die Auswahl zuständig ist, hatte Mitte Januar aber angekündigt, über einen Headhunter weitere potenzielle Kandidaten zu suchen.

Spätestens seit Vogts Ankündigung vor rund eineinhalb Wochen, die für März geplante Mitgliederversammlung in den September verschieben zu wollen, gilt es nicht mehr als unwahrscheinlich, dass der Beirat ihn nicht zur Wahl zulässt. Seine Präsidiumskollegen Bernd Gaiser und Rainer Mutschler hatten sich Vogt in den Weg gestellt.

Im Beirat soll es zwei Lager geben - eines für, eines gegen Vogt. Am Freitagabend (05.02.) soll der Esescon-Bericht zur Daten-Affäre auch dem Vereinsbeirat vorgestellt werden. Es ist also gut möglich, dass in der Kandidaten-Frage an diesem Wochenende eine Entscheidung fallen könnte.

Wann fällt eine Entscheidung über die Mitgliederversammlung?

Eigentlich müsste sie in der kommenden Woche fallen. „Die Einberufung erfolgt durch den Präsidenten, im Falle seiner Verhinderung durch ein anderes Mitglied des Präsidiums, fünf Wochen vor dem festgesetzten Termin“, heißt es in der Satzung. Vorgesehen war die Veranstaltung für den 18. März. Vogt hatte geschrieben, dass er die ordentliche Versammlung spätestens am 10. Februar, also am Mittwoch, einberufen müsse.

Stand jetzt deutet aber wenig daraufhin, dass der Präsident von seinem Ansinnen, sie nicht einzuberufen, zeitnah abrücken könnte. Die Einberufungsfrist für eine außerordentliche MV beträgt hingegen drei Wochen. Sie könnte also spätestens am 25. Feburar einberufen werden.

Wann werden Ergebnisse zur Aufklärung der Datenaffäre erwartet?

Die Untersuchungsergebnisse des Landesdatenschutzbeauftragten Stefan Brink und der ebenfalls ermittelnden Kanzlei Esecon liegen dem VfB seit dieser Woche vor. Brink nannte die Datenschutzverstöße des Clubs „erheblich“ und kündigte an, ein Bußgeldverfahren gegen dessen AG einzuleiten, das eine empfindliche Strafe nach sich ziehen könnte. Schon Ende Februar könnten Brinks Untersuchungen zu einem Ergebnis kommen.

Inzwischen beriefen sich am Freitag (05.02.) zum wiederholten Male Medien auf angebliche Inhalte der Esecon-Berichte (mehr im letzten Unterpunkt). Die endgültige juristische Bewertung der Berichte steht noch aus. Sie könnte ebenfalls noch diesen Monat erfolgen, womöglich aber auch erst im März. Selbst die Frage, an wen sie vergeben wird, sorgte beim VfB für reichlich Zwist.

Derweil wird auch die Stimmung in der Belegschaft auf der Geschäftsstelle immer schlechter. Die Führungskrise und die schleppende Aufklärung der Daten-Affäre haben ganz offensichtlich für ein miserables Arbeitsklima gesorgt. Das Misstrauen der Mitarbeiter gegenüber dem Vorstand ist groß, laut der Stuttgarter Zeitung hat bereits ein halbes Dutzend die Kündigung eingereicht. Die schlechte wirtschaftliche Lage in Folge der Corona-Krise und die drohenden Strafzahlungen in Folge der Daten-Affäre tun ihr Übriges.

Warum sind die Spiegel-Enthüllungen so brisant?

Am Freitagvormittag (05.02.) sorgten zum Start ins Wochenende die Enthüllungen des Spiegel für neuen Wirbel: Das Hamburger Nachrichtenmagazin zitiert dabei aus dem Esescon-Abschlussbericht. Die Präsidiumsmitglieder Rainer Mutschler und Bernd Gaiser sowie die Vorstände Stefan Heim (Finanzen) und Jochen Röttgermann (Markteing) geraten dabei immer mehr unter Druck.

Der AG-Vorstand sowie Teile des Vereinspräsidiums hätten demnach „nachhaltig“ Einfluss „auf die Untersuchung genommen“. Eine unabhängige Aufarbeitung durch die Esecon-Ermittler sei „nicht gewährleistet“ gewesen sei, da in den Vereinsgremien Personen säßen, die „direkt mit den zu untersuchenden Vorgängen in Verbindung stehen“. Die „Glaubwürdigkeit und Verwertbarkeit der Untersuchungsergebnisse“ sei folglich eingeschränkt.

„Beim VfB, so suggeriert es der Esecon-Bericht, bewachte der Fuchs den Hühnerstall“, heißt es in dem Artikel.