VfB Stuttgart

Fananwalt kritisiert Stadionverbote gegen BVB-Fans

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Auch beim Spiel des VfB gegen Dortmund wird die Polizei wieder in großer Stärke aufmarschieren. © Danny Galm

Stuttgart.
Hochrisikospiel hin, Hochrisikospiel her: Die Arbeitsgemeinschaft Fananwälte hält das vom VfB Stuttgart ausgesprochene Stadionverbot für 298 Ultras von Borussia Dortmund für rechtswidrig. Dennoch werden die vom Ausschluss betroffenen BVB-Fans am 17. November, wenn der VfB gegen Dortmund spielt, wohl nicht nach Stuttgart reisen und den Aufstand proben. Wie aus dem Dortmunder Raum verlautet, haben sie vor, das für den gleichen Tag angesetzte Regionalliga-Spiel der BVB-U23-Mannschaft bei Rot-Weiss Essen besuchen.

Für keinen der 298 bisher strafrechtliche Konsequenzen

Zu dem Stadionverbot war es gekommen, weil beim letzten Aufeinandertreffen der beiden Vereine in Stuttgart am 23. April 2016 exakt die 298 Ultras von der Polizei festgesetzt worden waren - vor dem Spiel im Übrigen, sie haben den 3:0-Sieg ihrer Mannschaft damals gar nicht mitbekommen.

Zahlreiche Verfahren wegen Verstoß gegen das Versammlungsgesetz wurden daraufhin eröffnet, alle gegen Unbekannt, alle hatten strafrechtlich bisher keine Konsequenzen. Sprich: Keiner der kontrollierten Personen konnten Straftaten zugeordnet werden.

Dennoch machte der VfB Stuttgart nun vor der erneuten Begegnung mit dem BVB von seinem Hausrecht Gebrauch. Er lässt am 17. November die damals festgesetzte Gruppe nicht ins Stadion.

Mitte Oktober erhielten die 298 Ultras einen Brief aus der baden-württembergischen Hauptstadt, in dem es unter anderem heißt: "Dieser Vorfall und die Feindschaft der beiden Gruppierungen (Anm. d. Red: Am 23. April 2016 konnte die Polizei am Hauptbahnhof nur mit Mühe Auseinandersetzungen zwischen Stuttgarter und Dortmunder Fans verhindern) lassen darauf schließen, dass es beim Bundesligaspiel am 17.11. erneut zu gleichgelagerten Vorfällen/Straftaten kommen wird."

Jurist sieht keine Grundlage für das Stadionverbot

Kritik am Stadionverbot kommt von der Arbeitsgemeinschaft Fananwälte. Für Fachanwalt Dr. Andreas Hüttl "stellt sich die Frage, auf welcher Grundlage der VfB das Stadionverbot ausspricht. Das Schreiben gibt dazu nichts her. Insbesondere der lange Zeitraum zwischen dem Ereignis und dem Stadionverbot widerspricht dem vom DFB propagierten Präventionscharakter eines Stadionverbots."

DFB: Stadionverbot soll "möglichst zeitnah" sein 

In den Richtlinien des Fußballverbands heißt es dazu: "Das Stadionverbot selbst stellt eine präventive Maßnahme zur Gefahrenabwehr der für die Sicherheit der Veranstaltung Verantwortlichen dar." Und weiter: "Die Festsetzung eines Stadionverbots soll möglichst zeitnah zu der Handlung des Betroffenen erfolgen."

Genau das ist aber hier nicht der Fall, das Spiel liegt mehr als eineinhalb Jahre zurück. Zudem hat der VfB auf eine vom DFB vorgeschlagene Anhörung der Betroffenen verzichtet. Hüttl und die AG Fananwälte kommen deshalb zu dem Ergebnis: "Insgesamt hat der VfB hier rechtswidrig Stadionverbote ausgesprochen."

Stadt Stuttgart schließt ebenfalls 14 Fans aus

Aber nicht nur der Verein, sondern auch die Stadt Stuttgart  hat auf das Risikospiel reagiert und gegen 14 Fans (elf Dortmunder und drei Stuttgarter) ein sogenanntes "Bereichsbetretungsverbot" für das Stadtgebiet rund um die Stuttgarter Fußball-Arena ausgesprochen. "Das Verbot betrifft Fans beider Lager, die in der Vergangenheit im Rahmen von VfB-Spielen auffällig geworden sind", teilt Stadtsprecher Sven Matis mit. Bei Zuwiderhandlung können die betroffenen Fans von der Polizei festgenommen und mit einem Ordnungsgeld bestraft werden.

Für die bisherigen fünf Heimspiele des VfB sprach die Stadt bislang 43 solcher Verbote aus. In der vergangenen Zweitligasaison waren es bei 17 Heimspielen 75 Betretungsverbote.