Dortmund im Krisenmodus

Favre nach BVB-Debakel gegen Stuttgart unter Druck - «Eine Katastrophe»

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Debakel
Trainer Lucien Favre (M.) erlebte mit dem BVB einen schwarzen Tag. Foto: Bernd Thissen/dpa © Bernd Thissen
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Heimniederlage
Die Dortmunder waren nach dem bitteren 1:5 gegen den VfB schwer frustriert. Foto: Bernd Thissen/dpa © Bernd Thissen
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Bauchlandung
Kapitän Marco Reus erlebte mit dem BVB ein Debakel. Foto: Bernd Thissen/dpa © Bernd Thissen

Für Trainer Lucien Favre war es eine «Katastrophe», für Vereinschef Hans-Joachim Watzke ein «schwarzer Tag» und für Kapitan Marco Reus ein «beschämender Auftritt». Borussia Dortmund steht vor einem Weihnachtsfest im Krisenmodus.

Mit dem krachenden 1:5 (1:1) gegen Aufsteiger VfB Stuttgart nahm das noch vor wenigen Wochen hochgehandelte Team vorerst Abschied aus dem Titelrennen. Aus Sorge vor weiteren Rückschlägen in den Partien bis zur kurzen Winterpause forderte Reus eine schnelle und deutliche interne Aussprache. «Wir müssen darüber sprechen, wie wir die letzten drei Spiele bestreiten wollen. Wenn wir sie so bestreiten, dann holen wir nichts mehr.»

Angesichts der großen Hilflosigkeit im Spiel gegen den VfB erscheint der Redebedarf riesig. Nicht der Favorit aus Dortmund, sondern der freche Underdog aus Stuttgart bot ein Spektakel und führte den BVB mit hohem Tempo, großer Laufbereitschaft und leidenschaftlicher Zweikampfführung phasenweise vor. «Stuttgart war uns in allen Belangen überlegen», bekannte Reus, «so dürfen wir uns nicht noch einmal präsentieren.» Ähnlich wie der Kapitän forderte auch Favre eine Wiedergutmachung schon am Dienstag (20.30 Uhr) in Bremen: «Wir müssen schon im nächsten Spiel ein Zeichen setzen.»

Die Chance des Fußball-Lehrers auf die Verlängerung seines zum Saisonende auslaufenden Vertrages dürfte nach dem schlimmsten Debakel in seiner knapp zweieinhalbjährigen Amtszeit jedoch weiter gesunken sein. Nicht auszuschließen, dass die eigentlich für Ende Januar angedachten Gespräche mit der Clubführung über eine gemeinsame Zukunft im Fall weiterer Rückschläge in Bremen, Berlin oder Braunschweig vorverlegt werden - zu Ungunsten von Favre.

Bereits wenige Minuten nach der Schmach gaben erste Analysen von TV-Experten einen Vorgeschmack, welche Diskussionen den BVB nun erwarten. «Sie spielen, als gäbe es Risse in der Mannschaft», befand Dietmar Hamann bei Sky. Gleichwohl gab es auch erste Solidaritätsbekundungen für Favre aus der Liga. So verteidigte Mönchengladbachs Sportchef Max Eberl den früheren Fohlen-Coach gegen Kritik. «Er ist immer noch der punktbeste Dortmund-Trainer. Deswegen wäre es nicht gerecht, wenn man alles auf Lucien Favre ablastet», sagte er im ZDF-«Sportstudio».

Seit dem Ausfall von Torjäger Erling Haaland findet Favre jedoch keine Lösung zur Wiederherstellung der Balance im Dortmunder Spiel. Seine Versuche, es mit Julian Brandt oder Reus als Ersatz für den norwegischen Torgaranten zu versuchen, entpuppten sich wiederholt als unbrauchbar. Dass Favre dennoch an dieser Strategie festhält, erhöht die Zahl der Zweifler an seiner Arbeit. Von der Idee, es mit Jungstar Youssoufa Moukoko zu versuchen, ist er noch immer nicht überzeugt: «Wir müssen ihn nicht unter Druck setzen. Er ist 16, wir müssen aufpassen.»

Dass sein Team in den vergangenen drei Spielen gegen Gegner wie Köln (1:2), Frankfurt (1:1) und Stuttgart nur einen Punkt gewann, erhöht den Druck für Favre. Mit jedem Stuttgarter Treffer von Silas Wamangituka (26./Foulelfmeter/53.), Philipp Förster (60.), Tanguy Coulibaly (63.) und Nicolas Gonzalez (90.+1) verfinsterte sich seine Miene mehr. «Das geht nicht. Wir waren heute nicht da», klagte er. Fünf Gegentore in einem Heimspiel musste die Borussia zuletzt im September 2009 bei einem 1:5 gegen die Bayern hinnehmen.

«Wir sind keine Mannschaft, die verteidigen kann», kommentierte Reus die hohe Zahl an Gegentreffern nach eigenen Fehlern im Aufbauspiel. Das sorgte auch bei Mats Hummels für großen Unmut: «Heute haben wir uns im Minutentakt ins eigene Fleisch geschnitten.»

Der Abwehrchef deutete schon einmal an, mit welchen Argumenten er in die anstehende Aussprache gehen will. Noch liegt der größte Titelaspirant FC Bayern bei fünf Punkten Abstand nicht in unerreichbarer Ferne, ist aber nur mit Schönspielerei und ohne konsequente Zweikampfführung sicher nicht mehr einzuholen: «Mir ist das zu viel Geschnicke. Es geht darum, konzentriert zu sein und sinnvollen Fußball zu spielen», forderte der Weltmeister von 2014.

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