Konflikt in Berg-Karabach

Feuerpause zwischen Armenien und Aserbaidschan in Kraft

Konflikt in Berg-Karabach
Armenien und Aserbaidschan haben sich auf eine Waffenruhe bei den Kämpfen in Berg-Karabach geeinigt. Foto: Uncredited/AP/dpa © Uncredited

Eriwan/Baku (dpa) - In der Konfliktregion Berg-Karabach im Süden des Kaukasus ist nach schweren Gefechten mit Hunderten Toten am Samstag eine Waffenruhe in Kraft getreten.

Die Kämpfe zwischen den beiden verfeindeten Nachbarstaaten Armenien und Aserbaidschan sollten seit 10.00 Uhr MESZ (12.00 Uhr Ortszeit) ruhen. Die Sprecherin des armenischen Militärs, Schuschan Stepanjan, bestätigte einen entsprechenden Befehl, die Kämpfe zu stoppen. Die Feuerpause wurde in der Nacht auf Samstag nach stundenlangen Verhandlungen in Moskau durch Russland vermittelt. Unklar war zunächst, ob sie Bestand hat.

Seit dem Ausbruch der Kämpfe Ende September wurden auf beiden Seiten mehrere Hundert Menschen getötet. Allein auf armenischer Seite sollen mehr als 400 Soldaten getötet worden sein. Aserbaidschan macht bislang keine Angaben zu Verlusten in den eigenen Truppen, spricht aber von etwa 30 getöteten Zivilisten. Zudem sind Tausende Menschen aus Berg-Karabach auf der Flucht. International löste die Entwicklung große Sorge aus.

Kurz vor Beginn der neuen Waffenruhe war die Lage in der Region angespannt. Die Feuerpause wurde nach ersten Angaben aus Armenien bereits kurz nach Inkrafttreten gleich wieder gebrochen. Dafür gab es jedoch keine unabhängige Bestätigung.

Am Vormittag habe es zahlreiche Luftangriffe gegeben, hieß es aus Eriwan. Auch die Stadt Kapan in Armenien an der Grenze zu Berg-Karabach soll angegriffen worden sein. Es soll Verletzte und Toten geben. Das wies Baku jedoch als «Lüge» und «Provokation» zurück. Aserbaidschan habe versucht, sich vor der Waffenruhe noch einen Vorteil zu verschaffen, erklärte die armenische Armeesprecherin auf Facebook. Baku wirft hingegen Eriwan vor, Siedlungen mit Raketen beschossen zu haben.

Die überwiegend von Armeniern besiedelte Region hatte sich Anfang der 1990er Jahre in einem Krieg mit rund 30.000 Toten und Hunderttausenden Flüchtlingen von Aserbaidschan losgesagt. Die Führung in Baku wirft dem Nachbarland vor, völkerrechtswidrig aserbaidschanisches Gebiet besetzt zu halten. In den vergangenen Jahren gab es immer wieder Kämpfe und Scharmützel zwischen den beiden verfeindeten Nachbarn. Diesmal war es jedoch die heftigste Eskalation in dem Jahrzehnte alten Konflikt seit Einigung auf einen Waffenstillstand 1994.

Die neue Feuerpause solle dazu genutzt werden, um Gefangene auszutauschen und die Körper toter Soldaten in ihre Heimat zu übergeben, hieß es in der Moskauer Erklärung. Details sollen zusätzlich vereinbart werden. Grundlegende Friedensverhandlungen soll es dann unter Führung der sogenannten Minsk-Gruppe der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) geben. Die Gruppe wird von Russland, den USA und Frankreich angeführt.

Die Verhandlungen zur Feuerpause in Moskau zwischen den Außenministern Jeyhun Bayramov und Sohrab Mnazakanjan der verfeindeten Nachbarn dauerten mehr als zehn Stunden. Kremlchef Wladimir Putin hatte beide Länder zuvor eindringlich zu einer Waffenruhe aufgerufen. Russland hat zu beiden Ex-Sowjetrepubliken diplomatische und wirtschaftliche Verbindungen. Jene mit Armenien sind jedoch intensiver. Dort hat Russland auch eine Militärbasis.

Aserbaidschans Präsident Ilham Aliyev nannte das Treffen in Moskau die «letzte Chance» auf eine friedliche Lösung. Vermittlungsversuche in den vergangenen Jahren hätten keine für ihn zufriedenstellende Lösung gebracht, sagte er in einer Ansprache am Freitag. Aserbaidschan bekommt in dem Konflikt Rückendeckung von der Türkei. Auch ausländische Söldner und Kämpfer dschihadistischer Gruppen aus den Kriegsgebieten in Syrien und Libyen sollen an den Gefechten beteiligt sein. Eindeutige Beweise gibt es bislang nicht.

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