Umweltschutz

Fridays for Future: Erster globaler Klimastreik des Jahres

Klimaprotest
Unterstützer der Bewegung "Fridays for Future" haben mit verschiedenen Aktionen für eine bessere Klimaschutzpolitik demonstriert. Foto: Christoph Schmidt/dpa © Christoph Schmidt

Berlin/Kopenhagen (dpa) - Mit kreativen Aktionen in aller Welt hat die Klimabewegung Fridays for Future ihrer Forderung nach stärkeren Anstrengungen beim Klimaschutz Ausdruck verliehen.

In rund 50 Ländern gab es am Freitag nach Angaben der Organisatoren mehr als 1000 Kundgebungen sowie Kunst- und Plakataktionen, von denen Aktivisten wie die schwedische Vorkämpferin Greta Thunberg Bilder und Eindrücke in sozialen Netzwerken teilten. Auch in Deutschland beteiligten sich Hunderte in mehr als 200 Städten am sogenannten Klimastreik, der coronabedingt teils ins Internet verlagert wurde. Größere Aktionen gab es unter anderem in Hamburg, Dresden und Berlin.

Da Fridays for Future zu einem hybriden Protest mit großer digitaler Präsenz geladen habe, könne die Teilnehmerzahl nicht exakt beziffert werden, sagte ein Sprecher der Deutschen Presse-Agentur. Es war der erste globale Klimastreiktag seit fast einem halben Jahr.

Die deutsche Klimaaktivistin Luisa Neubauer schwor ihre Mitstreiter auf das Superwahljahr 2021 ein. Es seien düstere Zeiten, aber der internationale Großprotest sei nur «der Auftakt für ein Jahr, in dem wir so viel zu tun haben», sagte Neubauer bei einer Kundgebung in Berlin. Fridays for Future werde sich «in die Strukturen und Institutionen hinein» organisieren und die Klimapolitik in diesem Jahr mitgestalten. «Wir werden die Regierung herausfordern.» Am Rande einer pandemiegerecht gestalteten Kunstaktion auf einer Berliner Brücke sagte Neubauer, angesichts einer Welt voller Krisen und «leerer Versprechen» sei der globale Klimaprotest unabdingbar.

Ihren Protest brachten die Demonstranten bei kreativen Aktionen zum Ausdruck, darunter Fahrraddemos etwa in Mainz und Gießen. In der Hamburger Innenstadt schufen die Aktivisten einen sechzig Meter langen Schriftzug mit der Botschaft «Wir alle für 1,5 Grad C».

Fridays for Future appelliert mit der Aktion an die Weltgemeinschaft, die Erderwärmung nicht über 1,5 Grad Celsius steigen zu lassen. In Dresden wollten die Aktivisten im Laufe des Nachmittags nach eigenen Angaben an 1000 Kreuzungen in der Stadt protestieren.

Unterstützung erhielten die überwiegend jungen Klimakämpfer von zahlreichen Umwelt- und Menschenrechtsorganisationen. Mehrere Verbände, darunter der Bundesverband Bürgerinitiative Umweltschutz (BBU), forderten die Parteien auf, den Protest im Bundestagswahljahr 2021 ernstzunehmen.

Auch aus der politischen Opposition kam Solidarität. Der Linken-Klimapolitiker Lorenz Gösta Beutin übte wie die Demonstranten Kritik an den bisherigen Klimaschutzmaßnahmen der Bundesregierung. «Die Merkel-Groko wird in die Geschichtsbücher als die Regierung eingehen, die sorglos in die eskalierende Klimakrise geschlafwandelt ist. Es braucht einen Weckruf», sagte Beutin.

Die Protestaktionen erstreckten sich über mehrere Kontinente, gerade auch in den Weltregionen, in denen die Folgen der Klimakrise bereits heute stark zu spüren sind. Proteste gab es etwa in asiatischen Ländern wie Bangladesch, Sri Lanka und die Philippinen, aber auch im afrikanischen Kenia und in Südamerika.

In Greta Thunbergs Heimatstadt Stockholm legten Demonstranten auf dem zentralen Platz Sergels torg Protestschilder aus, auf denen unter anderem «Science not Silence» (Wissenschaft statt Schweigen) und «Time is running out» (Die Zeit läuft ab) zu lesen war. Auch Thunberg war zu einem Zeitpunkt dabei. «Wir streiken in Schichten, um große Menschenmengen zu vermeiden und unsere Zahlen so niedrig wie möglich zu halten», schrieb die 18-Jährige auf Twitter. Wie aus einem Tweet von Wissenschaftlern des Alfred-Wegener-Instituts (AWI) in Bremerhaven hervorgeht, unterstützten auch wieder Forscher in der Arktis und Antarktis die Proteste.

Fridays for Future hatte für diesen Freitag zum ersten globalen Klimagroßprotest des Jahres aufgerufen. Unter dem Motto #NoMoreEmptyPromises - keine leeren Versprechungen mehr - wollten die Organisatoren gegen die Förderung fossiler Brennstoffe und eine aus ihrer Sicht verfehlte und mangelhafte Klimapolitik protestieren.

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