Deutschland

Gesundheitsminister Jens Spahn erwartet Zulassung für weitere Corona-Impfstoffe

Jens Spahn
Bei der Eindämmung der Pandemie sei Deutschland «bei weitem noch nicht da, wo wir hin müssen», sagt Bundesgesundheitsminister Jens Spahn. Foto: Michele Tantussi/Reuters/Pool/dpa © Michele Tantussi

Gesundheitsminister Jens Spahn erwartet eine zügige Zulassung des Corona-Impfstoffes von Astrazeneca auch in Deutschland. Das sagte der CDU-Politiker am Mittwoch (30.12.) auf einer Pressekonferenz in Berlin. Für die nächste Woche sei zudem die Zulassung des Moderna-Impfstoffes zu erwarten. Impfen sei "der Schlüssel raus aus dieser Pandemie", sagte Spahn.

"Wir tun alles, damit es möglichst schnell geht. Aber es muss sicher und schnell gehen können. Deswegen müssen Zulassungsanträge gründlich geprüft werden", so der Minister weiter. 

Notfallzulassung für Astrazeneca in Großbritannien

In Großbritannien wurde der Impfstoff der Universität Oxford und des Pharmakonzerns Astrazeneca bereits zugelassen. Die britische Aufsichtsbehörde für Arzneimittel (MHRA) habe dem heimischen Vakzin eine Notfallzulassung erteilt, gab das britische Gesundheitsministerium am Mittwoch bekannt. Auf der Insel ist somit der Weg für einen zweiten Impfstoff gegen das Coronavirus frei.

Das Mittel hatte in Studien eine geringere Wirksamkeit aufgewiesen als der bereits zugelassene Impfstoff von Biontech und Pfizer, kann allerdings bei Kühlschranktemperaturen gelagert werden und ist deutlich günstiger.

Die britische Regierung erhofft sich daher eine erhebliche Beschleunigung ihrer Impfkampagne. Zudem sollen beide verfügbaren Impfstoffe zunächst nur in einer ersten Dosis verabreicht werden, um schneller mehr Menschen zu schützen. Astrazeneca hat sich zur Lieferung von 100 Millionen Dosen an Großbritannien verpflichtet.

Spahn: Corona-Zahlen zeigen, wie brutal das Virus zuschlägt 

Angesichts der hohen Corona-Todes- und Infektionszahlen in Deutschland sieht Bundesgesundheitsminister Jens Spahn derweil keine Möglichkeit, den aktuellen Lockdown zu beenden.

"1129 Familien werden diesen Jahreswechsel in Trauer erleben", sagte der CDU-Politiker mit Blick auf die aktuell gemeldeten Todesfälle im Zusammenhang mit Corona. "Diese Zahlen belegen, wie brutal dieses Virus immer noch zuschlägt."

Von einer Normalität sei man noch sehr weit entfernt. "Ich sehe also nicht, wie wir in dieser Situation zurückkehren können in den Modus vor dem Lockdown."

RKI-Präsident Wieler: "Lassen Sie uns dem Virus gemeinsam den Wind aus den Segeln nehmen"

Lothar Wieler
Befürchtet, dass sich durch die Feiertage das Infektionsgeschehen noch weiter anspannen könnte: RKI-Präsident Lothar Wieler. Foto: Stefanie Loos/AFP POOL/dpa © Stefanie Loos

Nach dem Start von Covid-19-Impfungen in Deutschland hat das Robert Koch-Institut (RKI) vor Nachlässigkeit beim Einhalten der Verhaltensregeln gewarnt. "Trotz der Impfung müssen wir uns in den nächsten Monaten alle weiterhin an die AHA+L-Regeln halten und unsere Kontakte einschränken", sagte RKI-Präsident Lothar Wieler.

Die AHA+L-Regeln stehen für Abstand halten, Hygiene, Alltagsmasken und Lüften. Er rief dazu auf, nicht zu verreisen, möglichst wenige Menschen zu treffen - und wenn, dann nur dieselben Menschen und im Freien. "Lassen Sie uns dem Virus gemeinsam den Wind aus den Segeln nehmen."

Es werde noch Monate dauern, bis so viele Menschen geimpft sind, dass auch die Zirkulation des Virus in der Bevölkerung reduziert werde, sagte Wieler. Einerseits müsse der Impfstoff in ausreichender Menge verfügbar sein, andererseits dauere es, das Mittel zu verabreichen. Auch nach der Impfung der ersten Gruppen seien nicht alle geschützt, kein Impfstoff sei perfekt, betonte der RKI-Chef. Es sei zudem unklar, in welchem Umfang die Impfung Ansteckungen verhindern könne.