Fridays for Future

Globaler Klimastreik der etwas anderen Art

Fridays for Future
Im September 2019 demonstrierte Fridays for Future noch vor dem Brandenburger Tor. Foto: Jens Büttner/zb/dpa © Jens Büttner

Berlin (dpa) - Am Video-Ende improvisiert Eminem. «Guess who is back, back again? FFF is back.» Ratet mal, wer zurück ist? Fridays for future (FFF) ist zurück.

Die deutsche Klima-Aktivistin Luisa Neubauer hat das Video, das mit der Umdichtung des Originalsongs endet, Anfang der Woche auf Twitter gepostet. Die Botschaft: Die Klimaaktivisten sind zurück - und die Parteien können sich im Superwahljahr warm anziehen.

In mehr als 50 Ländern wollen sie am Freitag auf die Straße gehen, um mehr Tempo im Kampf gegen den Klimawandel zu fordern. Auf Brücken und Straßen in ganz Deutschland wollen sie Plakate hochhalten. Für einen schnelleren Kohleausstieg, für mehr Strom aus Wind und Sonne, für ein ambitionierteres Klimagesetz und gegen die fortschreitende Erderwärmung. In der ganzen Republik rüsten sie sich für Präsenz-Aktionen in mehr als 200 Städten - von Berlin bis Köln. Die Organisatoren haben nach eigenen Angaben bundesweit mehr als 10.000 Pakete mit Sprühkreide und Schablonen an ihre Mitstreiter geschickt. Noch viele weitere sollen sich im Netz per Livestream dazu schalten.

Es ist der siebte globale Klimastreik, zu dem die Aktivisten aufrufen - der letzte war am 25. September 2020. Die Zeiten, in denen Fridays for Future jeden Freitag Jung und Alt gemeinsam auf die Straßen brachte, sind schon länger vorbei. Die Pandemie verordnete dem Massenprotest, der im Jahr 2019 so richtig Fahrt aufgenommen hatte, eine Zwangspause. Und doch wollen sie nun wieder richtig loslegen. Trotz steigender Infektionszahlen. Mit Fahrrädern und kontaktloser Kunst. Mit Maske und Abstand.

Zur Kundgebung am Berliner Alexanderplatz sind 200 Teilnehmer angemeldet. Es ist eine von vielen Kundgebungen in der Hauptstadt. Die Polizei betont: Eine Teilnehmerbeschränkung gebe es nicht. Die Beamten würden aber die Einhaltung der Hygieneregeln sehr genau kontrollieren. Jede Aktion erfordere ein Hygienekonzept, heißt es auf Anfrage.

«Natürlich ist die Präsenz eine ganz andere, als sie das vor der Corona-Pandemie war», sagt eine der wichtigsten Mitorganisatorinnen, Carla Reemtsma. Die Pandemie habe das Bewusstsein für Klimathemen verändert, die Aufmerksamkeit klar verschoben, analysiert die 22-jährige Berlinerin. Studien hätten aber gezeigt, dass Klima und Umwelt zu den wahlentscheidenden Themen gehörten, sagt sie. Und tatsächlich weisen nicht nur die Wahlerfolge der Grünen darauf hin, dass die Dynamik, die 2019 in der Verabschiedung des Klimaschutzgesetzes gipfelte, nicht verschwunden ist. Einer UN-Meinungsumfrage zufolge stufen mehr als drei Viertel aller Deutschen den Klimawandel als globalen Notfall ein.

Auch der sogenannte Corona-Effekt sei kein Grund zum Aufatmen, sagt Reemtsma. Erst in dieser Woche stellte das Umweltbundesamt die deutsche Klimabilanz für das Jahr 2020 vor. Demnach emittierte Deutschland im vergangenen Jahr 70 Millionen Tonnen weniger Treibhausgase - und übertraf damit sein Klimaziel leicht. Zur Begründung hieß es aber: Ohne die Corona-Lockdowns mit weniger Produktion und Mobilität hätte Deutschland das Ziel verfehlt. Fridays for Future fühlt sich bestätigt, betont, dass Deutschland die Pariser Klimaziele auch mit Corona-Effekt nicht einhalten werde. In dem Abkommen von 2015 verpflichten sich fast alle Staaten der Welt, die Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad - besser 1,5 Grad - im Vergleich zur vorindustriellen Zeit zu begrenzen. Der Hashtag zum Protest lautet «#Allefür1Komma5».

Davon sei die Welt meilenweit entfernt, sagen die Aktivisten. Sie gehen auch auf die Straße, um dafür zu sorgen, dass die Parteien diese Zahl in ihren Wahlprogrammen verankern.

So wie es die neu gegründete Klimaliste in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg getan hat. Einige ihrer Parteimitglieder werden am Freitag auf der Straße sein. Aber längst nicht alle. Er wisse noch nicht, ob er sich anschließen werde, sagt Vorstandsmitglied Alexander Grevel.

Die Aktivisten, die sich erst vor einem halben Jahr als Partei in Baden-Württemberg formiert hatten, erhielten bei der Landtagswahl am Sonntag 43.000 Stimmen. Grünen-Chef Robert Habeck warf ihnen noch am Abend in der Sendung «Anne Will» vor, durch ihr Antreten einer Koalition aus Grünen und SPD die entscheidende Mehrheit genommen zu haben. «Wählerstimmen gehören keiner Partei», kontert Grevel. Alles andere sei «ein merkwürdiges Demokratieverständnis». Seine Partei habe sich aus Verzweiflung über die Klimapolitik gegründet. Die Corona-Pandemie werde diesen Widerstand nicht aufhalten können, sagt er. «Gegen die Klimakatastrophe gibt es keine Impfung.»

Als natürlicher Partner von Fridays for Future versteht sich die Klimaliste aber nicht, beide Bewegungen distanzieren sich voneinander. Die Ziele einen sie, aber die Methode ist eine andere. Die Klimaliste hofft, dass sie bei der nächsten Landtagswahl in Sachsen-Anhalt das Baden-Württemberg-Ergebnis von 0,9 Prozent übertreffen kann. Fridays for Future will dagegen nicht auf Parteien, sondern auf mehr Bewusstsein bauen. Auf den Druck der Straße. Was er im Superwahljahr unter Corona-Bedingungen bewirken kann, wird sich in den kommenden Wochen zeigen.

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