Zweites Verfahren

«Gruppe Freital»-Prozess in Dresden: Beihilfe zu Mordversuch

Zweiter «Gruppe Freital»-Prozess
Am OLG Dresden findet der zweite Prozess gegen die sogenannte «Gruppe Freital» statt. Foto: Arno Burgi/dpa-Zentralbild/dpa © Arno Burgi

Dresden (dpa) - Zwischen Hitlergruß und Beihilfe zu versuchtem Mord: Zweieinhalb Jahre nach Verurteilung zweier Rädelsführer und sechs weiterer Mitglieder der rechtsextremen «Gruppe Freital» müssen sich drei Männer und eine Frau am Oberlandesgericht Dresden (OLG) verantworten.

Im zweiten Prozess zu dem Komplex geht es um Mitgliedschaft und Unterstützung einer terroristischen Vereinigung, Beteiligung an Sprengstoffanschlägen, Sachbeschädigung sowie das Verwenden von Kennzeichen verfassungsfeindlicher Organisationen.

Einem 27-Jährigen wirft die Generalstaatsanwaltschaft im Zusammenhang mit dem Anschlag auf eine Asylbewerberwohnung am 1. November 2015 zudem Beihilfe zu versuchtem Mord vor. Laut Anklage hat er ihn mit einem der Rädelsführer im Wissen um die Gefährdung von Menschenleben und möglicherweise tödlichen Folgen geplant, die Pyrotechnik in Tschechien besorgt und dann in der Nacht an Fenstern gezündet. Die Splitter zerstörter Scheiben verletzten einen im Bett dahinter liegenden Syrer im Gesicht, weitere Bewohner konnten sich in den Flur retten.

Er und ein 53 Jahre alter Mitangeklagter sollen der Gruppe von Sommer bis Ende 2015 angehört haben und am 20. September 2015 auch einen Anschlag auf das Parteibüro der Linken mitverübt haben. Ein 31-Jähriger und eine 31-Jährige haben die Gruppe aus Sicht der Generalstaatsanwaltschaft unterstützt. Während er am Anschlag auf das Auto eines Linke-Stadtrats beteiligt war, wird ihr vorgeworfen, bei einem nächtlichen Fotoshooting der Gruppe den Hitlergruß gezeigt zu haben.

Die «Gruppe Freital» hatte 2015 in der Kleinstadt südwestlich von Dresden und Umgebung Anschläge auf Ausländer und politisch Andersdenkende verübt, um diese einzuschüchtern, die Aufnahme von Flüchtlingen zu verhindern oder diese zu vertreiben. Von den Teilnehmern der Gruppenchats und regelmäßigen Treffen an einer Tankstelle wurde Beteiligung erwartet, sagte der Vertreter der Anklage. «Wer dazugehören wolle, musste bereit sein, geplante Straftaten zu begehen.»

Der 31-Jährige gab vor Gericht zu, einen Böller in das Politiker-Fahrzeug geworfen zu haben. Er sei bei einer Demo gegen ein geplantes Flüchtlingsheim, die er «aus Langeweile» besucht habe, in Kontakt mit der Gruppe gekommen, sagte der kahlrasierte Mann mit schwarzem Kapuzenpullover.

Das erste «Gruppe Freital»-Verfahren endete im März 2018 mit langjährigen Haftstrafen für acht Mitglieder. Die Hälfte ist auf Bewährung wieder draußen. Für den Prozess sind vorerst 25 Verhandlungstage bis Anfang 2021 geplant und 19 Zeugen geladen - darunter Polizisten, Betroffene, Unbeteiligte, aber auch bereits verurteilte Mitglieder der «Gruppe Freital».

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