VfB Stuttgart

Hat Wolf seinen "Aggressive Leader" gefunden?

VfB im Trainingslager im Stubaital Tag 3_0
Neuzugang Santiago Ascacibar gilt als „giftiger“ Sechser. Diesen Spielertypus hat Trainer Hannes Wolf in seinem Kader bislang noch vermisst. © Danny Galm

Stuttgart.
Bei strahlendem Sonnenschein und unter den Augen von 400 Fans durfte VfB-Neuzugang Santiago Ascacibar am Dienstagabend direkt nach seiner Unterschrift raus auf den Trainingsplatz. Auf dem Nebenplatz drehte der 20-Jährige seine ersten Runde im Trainingsleibchen mit dem VfB-Wappen auf der Brust.

Am Mittwochvormittag folgte dann die erste Einheit zusammen mit seinen neuen Kollegen, ehe er sich am Nachmittag wieder in einen Flieger Richtung Argentinien setzte. Letzte Formalitäten für einen dauerhaften Aufenthalt in Deutschland müssen noch geklärt werden. Ende dieser Woche wird er wieder in Stuttgart erwartet.

„Santiago wird uns schon in dieser Saison entscheidend helfen können“

Der 1,68 Meter kleine Mittelfeldspieler bringt trotz seiner 20 Jahre schon internationale Erfahrung mit: In diesem Jahr führte er die argentinische U 20-Auswahl als Kapitän bei der Weltmeisterschaft an, zudem spielte er 2016 bei den Olympischen Spielen dreimal für die Albiceleste.

Sportvorstand Michael Reschke hält große Stücke auf den Gaucho: „Ganz grundsätzlich darf man von einem jungen Spieler keine Wunderdinge erwarten, aber Santiago wird uns schon in dieser Saison entscheidend helfen können. Und in der Zukunft ist auch mehr als das möglich.“

Aktuell 30 Spieler im VfB-Kader

Der Argentinier ist die nach Dennis Aogo Reschkes zweite Neuverpflichtung und insgesamt der neunte Neuzugang der Stuttgarter in dieser Transferperiode. Durch die Verpflichtung von Ascacibar und der Beförderung von U 23-Spieler Nicolas Sessa zu den Profis, umfasst der Kader aktuell 30 Spieler. Daran soll sich bis zum Ende der Transferperiode am 31. August noch etwas ändern.

Anto Grgic und Hans Sarpei stehen ebenso auf Reschkes Streichliste, wie Tobias Werner, Jérôme Onguéné und Julian Green. Grgic und Onguéné würde der Sportvorstand gerne verleihen, Werner, Sarpei und Green hingegen würde man bei einem passenden Angebot keine Steine in den Weg legen.  

Warum dieses Überangebot in der Zentrale?

Mittlerweile tummeln sich zudem acht Spieler im Kader der Schwaben, die sich im zentralen Mittelfeld am wohlsten fühlen. Neben den Neuzugängen Santiago Ascacibar, Dzenis Burnic und Orel Mangala spielen auch Kapitän Christian Gentner, Matthias Zimmermann, Anto Grgic und Hans Sarpei am liebsten im Zentrum. Warum dieses Überangebot in der Zentrale?

Neuzugang Ascacibar gilt als „giftiger“ Sechser. Seine bisherigen Spiel-Statistiken belegen das eindrucksvoll: In seinem Heimatland absolvierte er 41 Ligaspiele in denen ihm weder ein Treffer noch eine Vorlage gelangen. Dafür kassierte er zwölf gelbe Karten und wurde einmal mit glatt Rot vom Platz gestellt. 

In Argentiniens erster Liga machte in den letzten zwei Jahre kein anderer Spieler mehr Tacklings und hatte mehr Ballgewinne als Ascacibar. Seine Spitznamen: "El Leon" (der Löwe) und wegen seiner blonden Haare und den blauen Augen "Rusito" (der Russe).

Ascacibar, der „Aggressive Leader“

Der Argentinier ist also mehr ein „Aggressive Leader“ im Stile eines Mark van Bommel, als ein filigraner Spielermacher à la Andres Iniesta, der die gegnerische Defensive mit seinen Pässen seziert. Die Bild-Zeitung nennt den Argentinier bereits den „Gift-Gaucho“.

Genau diesen Spielertypus hat Trainer Hannes Wolf in seinem Kader bislang noch vermisst. Hohes Spielverständnis, zweikampfstark und kompromisslos. Die Erwartungen an den talentierten Mittelfeldspieler sind hoch.

Mehr Mut und Aggressivität gegen Mainz

Bleibt noch die Frage nach dem Spielsystem: Im DFB-Pokal gegen Energie Cottbus probierte es Hannes Wolf mit nur einem Sechser (4-1-4-1), gegen Hertha mit der Doppelsechs (4-2-3-1). Im ersten Heimspiel der Saison gegen Mainz spricht vieles für die Variante mit zwei zentralen Spielern vor der Abwehr. 

In der Hauptstadt wirkte das Spiel des VfB deutlich strukturierter und sicherer als noch sechs Tage zuvor im Pokal. Verzichtete die Wolf-Elf gegen die Hertha auf ein aggressives Pressing, so wird die Mannschaft vor heimischem Publikum gegen Mainz deutlich mutiger und aggressiver zu Werke gehen. Santiago Ascacibar wird das gefallen - wenn auch wohl vorerst noch von der Tribüne aus.