VfB Stuttgart

Hitzlsperger über VfB-Coach Matarazzo: Sicherheit gewonnen

Pellegrino Matarazzo im VfB-Trainingslager
Trainer Pellegrino Matarazzo beobachtet das Training seiner Mannschaft. Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa © Karl-Josef Hildenbrand

Kitzbühel (dpa/lsw) - Auch in der Kapitänsfrage setzt Pellegrino Matarazzo seine Idee durch. Vor seiner ersten Saison als Cheftrainer in der Fußball-Bundesliga nahm er Verteidiger Marc Oliver Kempf den Posten weg und bestimmte den flexiblen Routinier Gonzalo Castro zum neuen Anführer des VfB Stuttgart. Matarazzo hat die Courage für klare Personalentscheidungen. In den vergangenen Monaten hat der unerfahrene Coach beim schwäbischen Traditionsverein eine Entwicklung durchgemacht und gestärkt durch den Aufstieg an Profil gewonnen.

«Es ist natürlich mehr Sicherheit dazugekommen», sagte der Vorstandsvorsitzende Thomas Hitzlsperger der Deutschen Presse-Agentur. «Wenn man neu auf die Bühne kommt, zu einem Club wie unserem, dann beobachtet man erst mal, ist eher zurückhaltend.» Jetzt sind für den 42-jährigen Matarazzo die Abläufe und Menschen im Verein vertrauter. «Es kann durchaus mal sein, dass er lauter wird, viel bestimmter noch. Ich finde es gut so», meinte Hitzlsperger.

Akribisch hat Matarazzo im einwöchigen Trainingslager auf den zwei nebeneinanderliegenden Fußballplätzen in Kitzbühel mit seiner Mannschaft gearbeitet. Immer wieder steuerte er die Laufwege, dirigierte, wohin der Ball nach seinen Vorstellungen kommen soll. «Die Zeit, die Handschrift zu verfeinern und weiterzuentwickeln, ist jetzt da. Das sieht man schon», sagte Sportdirektor Sven Mislintat.

Rund acht Monate ist Matarazzo beim VfB, er kam in der Winterpause als nahezu unbekannter Trainer und wurde Nachfolger von Tim Walter. Zuvor war er Assistenzcoach bei der TSG 1899 Hoffenheim. Es war ein riskanter Zug, ohne Erfahrung gelang aber die Erstliga-Rückkehr.

Matarazzo arbeitet strukturiert und lösungsorientiert. Nach außen hin verbreitet er seine Ansichten ruhig und bescheiden. Der Mannschaft verdeutlicht er, was er verlangt. «Der Trainer gibt jetzt noch mehr die Richtung vor, geht noch mehr ins Detail», bilanzierte Kempf. «Als er im Januar gekommen ist, musste er erst mal seinen Weg finden.»

Der 25-Jährige musste mit der Kapitänsentscheidung eine Enttäuschung hinnehmen, gab im Trainingslager aber Anlass zur Freude. Früher als erwartet ist der Abwehrspieler wieder fit. Beim 2:0 gegen Mitaufsteiger Arminia Bielefeld am Samstag in Kufstein gab er rund zwei Monate nach der Schulter-Operation sein Comeback.

Abgesehen von den Verletzen zu Beginn, darunter Erik Thommy und Lilian Egloff, kann der VfB mit dem Trainingslager zufrieden sein. Auch gegen den Zweitlisten Hamburger SV (3:2) setzten sich die Schwaben durch, nur gegen den englischen Meister FC Liverpool (0:3) verlor der Aufsteiger erwartungsgemäß. «Wir haben inhaltlich gut gearbeitet», fasste Matarazzo zusammen.

Nach der Rückreise gönnte der Italoamerikaner seinen Spielern zwei freie Tage. Am Dienstag geht es mit der Vorbereitung weiter, es folgt am Samstag das Testspiel gegen Racing Strasbourg. Am 13. September will der VfB dann die Pokalhürde Hansa Rostock lösen, am 19. September beginnt mit dem Heimspiel gegen den SC Freiburg die Bundesliga-Saison. Es wird für den VfB ein kniffliges Abenteuer.

Matarazzo muss erst noch beweisen, dass er auch im Oberhaus die richtigen Entscheidungen trifft. «Jetzt sind wir alle gespannt auf die erste Liga, wie groß ist der Unterschied, die Art und Weise wie wir Fußball spielen», sagte Hitzlsperger: «Aber ich bin zuversichtlich.» Man müsse nicht immer auf Leute zurückgreifen, die «schon alles 100 oder 200 Mal erlebt haben».