VfB Stuttgart

Hitzlsperger weist Walter-Aus beim VfB zurück

Thomas Hitzlsperger
Thomas Hitzlsperger, ehemaliger deutscher Fußballspieler und Mitglied des VfB-Präsidiums. Foto: Sebastian Gollnow/dpa/Archivbild © dpa

Stuttgart.
Der Vorstandsvorsitzende Thomas Hitzlsperger vom VfB Stuttgart hat deutliche Medienkritik geübt und einer angeblich bereits beschlossenen Trennung von Trainer Tim Walter klar widersprochen. "Ist schon eine ziemliche Frechheit was die sich rausnehmen. Nichts ist entschieden", schrieb Hitzlsperger am Freitag auf Twitter.

Vor dem Auswärtsspiel bei Hannover 96 belegt der Aufstiegsfavorit der 2. Fußball-Bundesliga den dritten Rang. In den vergangenen neun Spielen holten die Schwaben, die die Rückkehr in die Fußball-Bundesliga zum Ziel haben, aber nur drei Siege.

Mit seiner Kritik bezog sich Hitzlsperger auf Berichte des Kicker und von Sport1. Nach Informationen von Sport1 soll die Trennung von Walter unabhängig vom Ergebnis des letzten Spiels vor der Winterpause feststehen. "sogenannte Tatsachen" seien "frei erfunden" worden, antwortete Hitzlsperger. "Das ist so lächerlich". Ein Sport1-Sprecher sagte dagegen am Freitag: "Wir haben dafür verschiedene Quellen. Deswegen ist der Artikel so erschienen."

Der Trainer selbst reagierte auf die Spekulationen beherrscht. Wiederholt wurde er gefragt, ob es sein letztes Spiel sein werde. Walter verlor nicht die Nerven. Er wurde auch nicht unfreundlich. "Ich mache mir über ungelegte Eier keine Gedanken", sagte er. "Es ist ja so, dass spekuliert werden darf. Wir machen das Spiel. Dann werden wir uns ausführlich zusammensetzen und über die Situation reden."

Ist Walter selbst sicher, dass er auch im neuen Jahr noch VfB-Trainer sein wird? "Immer, weil ich überzeugt bin von dem, was ich tue", sagte der 44-Jährige. Ob ein Rücktritt ausgeschlossen sei? Walter lachte. "Ich liebe meine Mannschaft. Wir haben ein Super-Verhältnis." Aber wird Walter noch als der Richtige für die erhoffte Bundesliga-Rückkehr angesehen?

Mit einem Erfolg bei den Niedersachsen könnte der VfB als Tabellenzweiter in die Winterpause gehen. Maximal ist ein Abrutschen auf Platz vier möglich. Trotzdem wird über Nachfolger spekuliert. Der "kicker" nennt Markus Anfang oder Sandro Schwarz als Kandidaten. Auch diesen Bericht kritisierte Hitzlsperger.

Möglicherweise aber hilft Walter auch ein überzeugender Sieg im letzten Spiel des Jahres. Ausgerechnet jetzt muss der VfB jedoch nach dem 1:1 in Darmstadt zum zweiten Mal nacheinander in der Fremde ran. Nur ein Punkt sprang aus den vergangenen vier Auswärtsspielen heraus, die letzte erfolgreiche Reise ist fast drei Monate her. 1:0 gewann der VfB am 27. September in Bielefeld. Es war nach einem gelungenen Saisonauftakt das letzte Spiel vor der Wende zum Negativen.

"Die Zeit, die wir bislang verbracht haben, war eine sehr nutzvolle Zeit. Insgesamt ist die Entwicklung gut", sagte Walter, der im Sommer den Posten übernommen hatte, trotzdem. Die Punkteausbeute sagt das Gegenteil. Doch Walter verwies einmal mehr auf das ewige Leid der mangelnden Effizienz im Torabschluss.

Ist die Geduld nun zu Ende? Hitzlsperger hatte eine Jobgarantie jüngst auch deswegen vermieden, weil es generell keine Garantien im schnelllebigen Fußball-Geschäft geben könne. "Tim Walter spürt unsere absolute Rückendeckung", hatte Sportdirektor Sven Mislintat immerhin vor wenigen Tagen gesagt.

Dass es Knatsch mit Führungsspielern geben soll, wies Walter klar zurück. "Bei uns herrscht keine Krisenstimmung", sagte der Coach. Dass ein Holger Badstuber verärgert ist, wenn das Ergebnis nicht stimme, sei "völlig normal". Seine Profis und er seien ein "verschworener Haufen", schilderte Walter und verabschiedete sich so, als sei klar, dass er auch 2020 noch VfB-Trainer sei: "Ein frohes Fest und guten Rutsch - und wir sehen uns dann im neuen Jahr".