1,67 statt 1,22 Hektar Schnaiter Baugebiet Furchgasse wird größer

In der Furchgasse soll Wohnraum für rund 120 Menschen entstehen. Foto: ZVW/Gabriel Habermann

Weinstadt-Schnait. Das neue Wohngebiet Furchgasse am Schnaiter Ortsrand wird größer: Ende Januar noch ging die Weinstädter Verwaltung von Wohnraum für 80 Menschen aus. Nun sollen hier 120 leben können, verteilt auf rund 25 Gebäude mit etwa 60 Wohneinheiten. Darunter werden auch begrünte Flachdachgebäude sein – was im Technischen Ausschuss nicht bei allen Anklang fand.

Für Tibor Randler geht es um nicht weniger als eine Grundsatzfrage: Bleibt Schnait „das sympathische Dorf“ – oder wird es eine „verdichtete Vorstadtsiedlung“? Den Freie-Wähler-Stadtrat, der bei der Wahl im Mai nicht mehr antritt, treibt die Sorge um, dass einige begrünte Flachdachgebäude im geplanten Wohngebiet Furchgasse den Blick von oben auf Schnait verschandeln. Er plädiert dafür, dass die Häuser ausschließlich Satteldächer haben und sich damit komplett in die umliegende Bebauung einfügen.

Auch wollte er von der Stadtverwaltung wissen, ob diese von den verkaufsbereiten Grundstücksbesitzern in der Furchgasse in Erfahrung gebracht hat, welche Vorstellungen diese für die Bebauung hätten.

„Wir haben eine Wohnraumnot“

Genau solch eine Einbeziehung hält Baubürgermeister Thomas Deißler indes für wenig sinnvoll, weil so aufgrund der völlig unterschiedlichen Vorstellungen Einzelner ein Durcheinander entstehen würde. „Das haben wir noch nie gemacht. Da würde der Stadtrat seine Hauptaufgabe abgeben.“

Was die Sache mit den Flachdächern angeht, sprang Tibor Randler ebenfalls keiner bei. SPD-Stadtrat Wolf Dieter Forster fand, dass anlässlich von 100 Jahren Bauhaus auch Schnait Flachdächer bekommen sollte. CDU-Stadtrat Friedrich Dippon ergänzte, dass in einer Randlage eine etwas verdichtete Bebauung durchaus in Ordnung sei – auch mit Blick auf ein viel größeres Problem. „Wir haben eine Wohnraumnot.“

Tibor Randler war dann auch der Einzige, der im Technischen Ausschuss dem Beschlussvorschlag der Stadtverwaltung nicht folgen konnte. Die Mehrheit empfahl dem Gemeinderat, den Aufstellungsbeschluss in der vorgelegten Form in der Sitzung am Donnerstag, 23. Mai, zu fassen. Erschlossen werden soll das nun 1,67 Hektar (16 700 Quadratmeter) große Areal in der Furchgasse im nächsten Jahr, parallel sollen dann auch die Bauplätze veräußert werden.

Einige Grundstückseigentümer gingen 2018 selbst auf die Stadt zu

Ins Rollen kam das Ganze, weil die Eigentümer einiger Grundstücke 2018 selbst auf die Stadt zugingen. Ende Januar gab die Verwaltung im Gespräch mit unserer Zeitung bekannt, 1,22 Hektar bebauen zu wollen und Wohnraum für 80 Menschen zu schaffen. Mittlerweile hat sich die Fläche auf 1,67 Hektar vergrößert, nun sollen hier 120 Leute ihr Zuhause finden. Die reine Wohnbaufläche soll dabei 1,15 Hektar betragen. Dabei sind zehn öffentliche Parkplätze vorgesehen.

Die Grünflächen sollen als artenreiche Wiesen angelegt werden. In dem Punkt intervenierte indes GOL-Fraktionschef Manfred Siglinger, der einen Gräseranteil von 70 Prozent und einen Blumenanteil von lediglich 30 Prozent als unausgewogen empfand. Gräser, so der Großheppacher, würden sich schließlich mit der Zeit von alleine vermehren.

Mit Blick auf die Artenvielfalt und die Insektenpopulation empfahl er zudem, den Einsatz von Stauden zu prüfen. Auch schlug Siglinger vor, öffentliche Fahrradstellplätze auszuweisen. In letzterem Punkt zeigte sich Baubürgermeister Deißler skeptisch, ob die Leute so etwas überhaupt annehmen würden.

Mit einem Radbügel und einer Überdachung allein ist es nach seiner Auffassung jedenfalls nicht getan. Noch gibt es in Sachen Fahrradstellplätze in Weinstadt keine klare Marschroute, wie auf die Änderung der Landesbauordnung in diesem Punkt reagiert werden soll. „Wir sind am Überlegen.“


Neuer Kreisverkehr laut Stadt zu teuer

Mindestens 500 000 Euro würde es laut Tiefbauamtsleiter Markus Baumeister kosten, wenn die Stadt am Schnaiter Ortsrand Richtung Baach einen Kreisverkehr errichten würde. Damit reagierte er auf einen Vorschlag von GOL-Fraktionschef Manfred Siglinger im Technischen Ausschuss.

Dieser plädierte auf Initiative seines Schnaiter Fraktionskollegen Christof Oesterle dafür, die Planung für das neue Wohngebiet zu nutzen, um so auch etwas gegen Raser zu unternehmen, die von Baach nach Schnait kommen. Mit einem Kreisverkehr vorm Ortseingang ist es bekanntlich schwerer, schnell zu fahren.

Für CDU-Stadtrat Friedrich Dippon hätte diese Lösung auch noch aus einem anderen Grund einen Vorteil: Für den Schwerlastverkehr wäre es noch unattraktiver, die Schleichroute über Baach zu nehmen.

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