"100 Frauen" Backnangerin ist mit Feminismus-Podcast erfolgreich

Die Backnangerin Miriam Steckl im Gespräch mit Katarina Barley (rechts), der früheren SPD-Justizministerin. Aktuell ist Barley Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments. Foto: privat

Backnang. „Wir sind noch lange nicht da, wo wir sein könnten“, findet die Backnangerin Miriam Steckl. Mit ihrem Podcast „100 Frauen – der Podcast über modernen Feminismus“ erreicht sie Folge für Folge mehr Hörer. Sie unterhält sich mit Menschen, die sich für Feminismus einsetzen, und bemerkte schnell: „Wir dürfen die Männer da nicht ausschließen.“



Feminismus ist längst mehr als Alice Schwarzer, mehr als ein erhobener Zeigefinger und mehr als das Ungleichgewicht zwischen Mann und Frau. Unter dem Titel „100 Frauen – der Podcast über modernen Feminismus“ spricht Miriam Steckl mit Frauen – und ja, auch Männern – über Chancengleichheit, Gender-Debatten, kulturelle Rechte, was sich in der Gesellschaft ändern muss und welche Bewegungen sich auftun.

Als im vergangenen Jahr 100 Jahre Frauenwahlrecht gefeiert wurden, kam Steckl zum ersten Mal ins Grübeln: Was hat das eigentlich mit mir zu tun? Welche Ungerechtigkeiten gibt es heute noch? Haben wir mit einer Frau als Bundeskanzlerin und bei all den Frauenfußballsiegen nicht schon längst Chancengleichheit erreicht? Sind Frauen gleichberechtigt? „Wir sind noch lange nicht da, wo wir sein könnten“, resümiert Steckl.

Sie wollte mehr erfahren – und will es noch. „Ich höre super lange schon Podcasts“, sagt die 22-Jährige, die nun in Berlin lebt. Mit einem Podcast bekommt man Zugang zu Menschen, die man sonst nicht trifft, und deren Gedanken. Kein Weg sei besser geeignet: „Ich wollte mehr über das Thema erfahren, Menschen aus der Szene dazu befragen.“ Mit dem Podcast kann sie ihre Hörer mit auf die Reise nehmen.

Bekannte Gäste wie Franzsika Giffey und Katarina Barley

Doch wo beginnen? „Ich schickte blind Anfragen raus, an Frauen, die ich toll und interessant fand.“ Was sie überraschte: Auch Frauen wie Katarina Barley, Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments, oder Franziska Giffey, Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, hätten interessiert zugesagt und waren bereit, ihre Erfahrungen zu teilen.

„Ich bin froh, nicht als studierte Politikwissenschaftlerin da rangegangen zu sein“, sagt die Ex-Backnangerin heute. Denn genau das macht ihren Podcast heute aus und die Gespräche auch für Hörer, die keine Experten sind, leicht verständlich und einfach zu verfolgen. Noch ein Vorteil, den Miriam Steckl am Podcast-Format so gerne mag: Man kann nebenbei hören, auch wenn man unterwegs ist. Zudem will sie mit ihrem Podcast gegen die negative Behaftung des Themas angehen.

100 Aktivistinnen will sie treffen

„100 Frauen“, das soll Programm sein. Steckl will 100 Aktivistinnen treffen, über ihr Leben sprechen, warum sie sich für Chancengleichheit einsetzen, um mehr über Feminismus zu lernen. Vor kurzem erschien die erste Folge mit einem männlichen Gesprächspartner. Vincent-Immanuel Herr war zu Gast. Er ist Feminist, Pro-Europa-Aktivist und Autor. „Als erster Mann im Podcast spricht er darüber, wie er zum Feministen wurde, was es mit der Kampagne HeForShe auf sich hat, warum eine feministische Gesellschaft auch für Männer gut ist, aber diese im Diskurs zum Thema noch zu suchen sind“, beschreibt Steckl die zwölfte Folge.

„Mir wurde recht schnell klar, ich möchte nicht nur ein diverses und intersektionales Bild von verschiedenen Aktivistinnen in diesem Podcast repräsentieren, sondern dass eine ganzheitliche Perspektive auf Feminismus nur eingenommen werden kann, wenn wir auch die Männer zu Wort kommen lassen.“

Noch immer gibt es jede Menge Stereotype

Miriam Steckl spricht in Zusammenhang mit ihrem Podcast immer wieder vom „modernen Feminismus“. Doch was genau bedeutet das? „Wir sind über die Welle von Alice Schwarzer längst hinweg“, beginnt sie. „Offiziell haben wir die Grundrechte erreicht und trotzdem müssen wir unsere unbewussten Vorurteile und angelernten Stereotypen ablegen.“ Wir schreiben Frauen immer noch andere Attribute zu als Männern, denken in Schubladen und in Alltagssituationen greift die subjektive Einschätzung. Erst wenn das abgelegt ist, könne man von ehrlicher Gleichberechtigung sprechen. Es gehe längst nicht mehr nur um den Unterschied zwischen Mann und Frau. „Moderner Feminismus bedeutet auch, diverser und intersektional zu denken.“ Feminismus geht weg von der reinen Frauensache zu einer Gleichberechtigung aller Gruppen.

Die Zahl ihrer Follower steigt stetig. „Momentan ist natürlich auch die Zeit und das Bewusstsein für das Thema da.“ Nach den Gesprächen mit Prominenten sollen nun auch mehr Interviews folgen mit unbekannten Frauen, die sich beispielsweise in ihrer Gemeinde für Chancengleichheit einsetzen. Bestimmt wird es da auch mal einen Podcast aus der Heimat geben.

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