1:1 gegen den VfB Stuttgart Warum sich Bielefeld als Gewinner fühlen darf

Für die VfB-Offensive um Nicolas Gonzalez gab es im Spitzenspiel gegen Bielefeld am Montagabend kaum ein Durchkommen. Foto: ZVW/Benjamin Büttner
Stuttgart.

Wenn beide Trainer nach dem Spiel unisono von einer „taktisch geprägten“ ersten Halbzeit sprechen, dann bedeutet das für die Fans im Stadion meistens: Wenig Torraumszenen, wenig Spektakel – und viel Zeit für Bier und Bratwurst. Das Zweitliga-Spitzenspiel am Montagabend zwischen Tabellenführer Bielefeld und Verfolger Stuttgart (1:1) war lange Zeit eine genau solche Partie. Die Schwaben agierten vor allem in den ersten 45 Minuten zu zaghaft und fehlerbehaftet, die Arminia begnügte sich mit der Beobachterrolle.

Stuttgart geht in Führung – verliert aber die Spielkontrolle

Erst im zweiten Durchgang schalteten die Hausherren einen Gang hoch – und gingen prompt in Führung. Mario Gomez entwischte seinem Bewacher Joakim Nilsson und köpfte eine präzise Gonzalez-Flanke in den Bielefelder Kasten (53.). Mit der Führung im Rücken kamen die Stuttgarter aber nicht zu mehr Sicherheit und Spielkontrolle. Vielmehr übernahmen die Bielefelder nach einem Doppelwechsel (Soukou und Schipplock für Prietl und Yabo) die Initiative. Der Ausgleichstreffer durch Joker Cebio Soukou fiel in der 76. Spielminute.

„Wir haben dann mit den beiden Wechseln gut gelegen und konnten nach und nach den Druck erhöhen“, klopfte sich Arminia-Coach Uwe Neuhaus anschließend selbst auf die Schulter. In der Schlussphase waren die Ostwestfalen dem Siegtreffer sogar näher als die Stuttgarter. Man habe nach dem Führungstor „zu kopflos“ agiert bemängelte der wieder einmal gut aufgelegte VfB-Keeper Gregor Kobel im Nachgang. Abwehrspieler Pascal Stenzel pflichtete seinem Torhüter bei: „Nach dem 1:0 wurden wir passiver, haben nicht mehr so viel Druck auf die Bielefelder Viererkette bekommen.“

Die Arminia lässt sich nicht unterkriegen

Unter dem Strich stand so ein leistungsgerechtes Remis, das dem Neuhaus-Team mehr hilft als dem VfB. Die Arminia liegt weiter klar vor den beiden Aufstiegsfavoriten: Die Stuttgarter hinken sechs, der Hamburger SV auf Platz drei sogar sieben Punkte hinterher. „Heute hat man gesehen, dass wir uns nicht unterkriegen lassen“, sagte Bielefelds Marcel Hartel nach der Partie. „Wir müssen unser Ding gnadenlos durchziehen bis zum Ende der Saison.“

„Sie stehen zurecht da oben, wo sie stehen“, räumte VfB-Trainer Pellegrino Matarazzo am späten Montagabend ein. Für seine Stuttgarter geht es in den kommenden Wochen angesichts des Sechs-Punkte-Rückstands auf die Arminen wohl nur noch darum, im Zweikampf der beiden Großclubs mit dem HSV den zweiten Platz zu halten. Auch dem Cheftrainer-Neuling dürften die auffallend zahlreichen Fehler seines Luxuskaders nicht entgangen sein.

Sein Trainer-Kollege Neuhaus lehnte sich dagegen auf dem Pressepodium entspannt zurück und sagte: Eine solch komfortable Ausgangssituation habe er sich nur „erträumen“, nur „wünschen“ können. „Die Reifeprüfung ist für mich, ein Jahr lang konstant zu sein“, erklärte der 60-Jährige. Dieser Prüfung scheinen die eingespielten Bielefelder gewachsen zu sein und dürfen sich als Gewinner des Remis im Topspiel fühlen.

„So wie Bielefeld die ganze Saison schon spielt, wird es schwer, sie einzuholen“

Anders als die beiden Topfavoriten treten die Ostwestfalen ohne die Last an, aufsteigen zu müssen. Und im Gegensatz zu den Konkurrenten sind sie im Jahr 2020 noch unbesiegt. „Effektivität“ unterscheide den Tabellenführer von seinen Schwaben und vom HSV, sagte VfB-Sportdirektor Sven Mislintat. Und würdigte, der Konkurrent sei „brutal stabil“ und habe „brutales Selbstbewusstsein“. Kein Wunder, schaut man sich die Serie an: Seit Neuhaus im Dezember 2018 den Trainerposten übernahm, haben die Bielefelder nur sechsmal verloren, so oft wie die Stuttgarter bereits in dieser Saison.

Es könne bei der angestrebten Bundesliga-Rückkehr nach elf Jahren noch immer vieles schiefgehen, beschwichtigte Neuhaus dennoch und verwies auf das Spiel beim Hamburger SV in zwei Wochen als möglichen „Stolperstein“. Zunächst soll der Weg am Freitag gegen den VfL Osnabrück weiter gehen. Auch gegen den Tabellenvierten Heidenheim muss sein Team noch ran. „So wie Bielefeld die ganze Saison schon spielt, wird es schwer, sie einzuholen“, meinte VfB-Routinier Gonzalo Castro.

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