125 Jahre Papiertaschentuch Eine Göppinger Erfindung für die Tonne

Haatschi. Gut, wenn man dann ein Taschentuch zur Hand hat. Foto: pixabay

Am 14. August 1894  wurde in Berlin ein Patent mit der Nummer 81094 ausgestellt, für ein "Taschentuch aus Papier". Das Taschentuch kennt heute jeder, den Erfinder von damals aber fast niemand: Es war ein Papierfabrikant aus Göppingen. Und seine Erfindung war speziell für die Tonne gedacht. 

Würden wir uns heute eventuell mit einem "Geppo" oder "Krumm" die Nase schneuzen anstatt mit einem Tempo? Vielleicht, wenn der Papierfabrikant Gottlob Krum aus Göppingen vor 125 Jahren ein bisschen mehr von Marketing verstanden hätte. Oder wenn er seine Erfindung einfach ein paar Jahrzehnte später gemacht hätte.  Er war mit Abstand der Erste, der auf die brillante Idee kam, sich doch lieber mit einem wegwerfbaren Taschentuch aus Papier die Körperflüssigkeit aus der Nase zu wischen als mit wertvollen Tüchern aus Stoff. So formulierte er es zumindest auf dem Patentantrag: "Der Zweck der vorliegenden Erfindung ist, den Gefahren der Uebertragung von Krankheitskeimen (Bacterien) durch Taschentücher bei all denjenigen ansteckenden Krankheiten, bei welchen die Ansteckungsgefahr durch Einathmen besteht, dadurch vorzubeugen, daß, anstatt aus irgendeinem Gewebe hergestellte Taschentücher zu benutzen, welche ihres relativ hohen Preises wegen längere Zeit wiederholt gebraucht werden, Taschentücher verwendet werden, welche man sofort nach dem Gebrauch zerstört (verbrennt oder sonstwie unschädlich macht)."

Entsprach nicht dem Zeitgeist

Warum die Idee bei der Bevölkerung damals nicht den gewünschten Erfolg hatte? Eventuell, so spekuliert man, war das 1894 doch etwas zu forsch, zu verlangen, man möge doch bitte etwas nach einmaligen Gebrauch wegschmeißen und zerstören. 30 Jahre später, als die Göppinger Papierfabrik bereits von einer Gelatierfabrik aufgekauft und Geschichte war, sah die Sache dann schon anders aus. Damals meldeten die Vereinigten Papierwerke Nürnberg beim Reichspatentamt ebenfalls ein Papiertaschentuch aus reinem Zellstoff an. Der Name: Tempo. 

Heute ist das Papiertaschentuch ein wirtschaftliches Schwergewicht. 2018 wurden in Deutschland 148000 Tonnen davon produziert, das entspricht nach Angaben des Statischen Bundesamtes einem Produktionswert von 254 Millionen Euro. Gegenüber dem Vorjahr stieg die inländische Produktion von Taschen- und Abschminktüchern aus Papier, Papierhalbstoff oder Zellstoffwatte um 10,7 % auf ihren aktuellen Höchststand.

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