2. Handball-Bundesliga Zweitligist VfL Waiblingen startet in die Saison

VfL Waiblingen. Hinten von links: Trainer Nicolaj Bredekjær Andersson, Vivien Jäger, Tina Welter (nicht mehr im Kader), Aaricia Smits, Julia Schraml, Kyra Teixeira da Silva, Physio Mia Bredekjær Andersson. Mitte: Co-Trainer Adrian Müller, Alina Ridder, Vanessa Nagler, Ann Kynast, Lisa Kristmann, Caren Hammer, Vorstandsmitglied und Sportlicher Leiter Peter Müller. Vorne: Torwarttrainer Fabian König, Tanja Padutsch, Simona Nikolovska, Mandy Hoogenboom, Sinah Hagen, Louisa De Bellis, Physio Marvin Kohnle. Foto: Heiko Potthoff

Waiblingen. Eigentlich sieht sich der VfL Waiblingen gut gerüstet für die am Wochenende beginnende dritte Zweitliga-Saison seiner Handballerinnen. Laut Trainer Nicolaj B. Andersson sowie Vorstandsmitglied und Sportlichem Leiter Peter Müller ist das Team in der Breite stärker besetzt. Den VfL plagen allerdings Personalprobleme. Trotzdem sollte das Ziel, mehr Punkte zu holen als in der vergangenen Runde, da waren’s 32, keine allzu große Hürde darstellen.

Für Andersson, erst 31 Jahre alt, wird es die zweite Saison in Waiblingen und als Cheftrainer einer Zweitliga-Frauenmannschaft. Die Waiblinger Spielerinnen haben sich an den Coach gewöhnt und umgekehrt. Das helfe sehr, um nach dem personellen Umbruch die Neuzugänge schnell zu integrieren. „Die Hälfte der Mädels kennt mich schon und weiß, in welche Richtung wir wollen. Deshalb haben wir ein Problem weniger als letztes Jahr. Nur für sechs Spielerinnen bin ich als Trainer neu.“

Auch Andersson muss zeigen, dass er aus der Saison 2018/19 gelernt hat. Zwar erreichte der VfL mit Platz sechs sein Saisonziel, besser abzuschneiden als im Vorjahr (damals Platz acht). Doch es wäre noch mehr drin gewesen, hätte das Team beständiger gespielt. In der Rückrunde steckten die Waiblingerinnen zeitweise in einem Tief und verbauten sich damit die Chance auf eine Platzierung noch weiter vorne. Vor allem Pleiten gegen Teams mit Abstiegssorgen sowie einige Klatschen nervten Mannschaft, Fans und Verantwortliche. „Diesmal dürfen wir nicht wieder Punkte herschenken“, betont Vorstandsmitglied Peter Müller. „Vor allem dürfen wir daheim in der Rundsporthalle nicht mehr mit zehn Kisten verlieren.“ Dafür seien die Zuschauer viel zu wichtig.

Die Favoriten auf Titel und Aufstieg heißen Rosengarten und Halle

Vorstand und Trainer haben sich auf das Saisonziel geeinigt, mehr Punkte zu holen als in der vergangenen Runde. Statt 32 dürften es diesmal schon an die 40 sein, präzisiert Müller. Den Aufstieg dagegen fordere der Vorstand von Andersson nicht. Das wäre auch zu hoch gegriffen, denn es gibt zwei klare Liga-Favoriten: die HL Buchholz-Rosengarten, die nach der Rückkehr der wurfstarken Linkshänderin Johanna Heldmann aus Wuppertal ein erstligaerfahrenes Rückraumtrio stellen, sowie den Erstliga-Absteiger SV Union Halle-Neustadt, neuer Verein der aus Waiblingen gewechselten und schmerzlich vermissten Leistungsträgerin Lea Gruber.

Rosengarten wurde in den vergangenen beiden Runden Meister, verzichtete aber auf den Aufstieg. Das würden die HL heuer mit ziemlicher Sicherheit nicht tun. Denn die Weigerung des Ersten, aufzusteigen, zieht künftig einen Punkteabzug in der Folgesaison sowie eine Geldstrafe nach sich.

Als Geheimfavorit gesehen wird in Liga zwei die Mannschaft der SG 09 Kirchhof. Doch auch den VfL haben die Konkurrenten auf dem Zettel. Die Zeitschrift „Handballwoche“ zählt die Waiblingerinnen zu einem der vier Titelanwärter. Allerdings geht die Mannschaft, darauf verweisen Andersson und Müller, mit reichlich Verletzungspech in die Saison.

Der VfL sucht kurzfristig eine weitere Torhüterin

Neuzugang Celina Meißner, die zusammen mit Mandy Hoogenboom das Duo im Tor bilden sollte, hat sich im Training einen Bandscheibenvorfall zugezogen und fällt voraussichtlich für die komplette Hinrunde, also bis Mitte Januar aus. Mit der als Nummer drei vorgesehenen Laura Pavic, sie kann berufsbedingt nur ein- bis zweimal pro Woche trainieren, ist die Lücke nicht zu schließen. Deshalb muss der VfL nun kurzfristig nach einer weiteren Torhüterin suchen. „Unser Sportkoordinator und Torwarttrainer Fabian König ist voll aktiv, aber es ist ganz schwierig, jemanden zu bekommen. Es gehört absolutes Glück dazu“, so Müller. Mindestens im Auftaktspiel wird Hoogenboom die Verantwortung im Tor wohl alleine tragen müssen.

Minimum zwei bis drei Wochen fehlen wird dem VfL auch Rückraumakteurin Vanessa Nagler. Sie verletzte sich in einem Vorbereitungsspiel am Knie, die endgültige Diagnose steht noch aus.

Von den Neuzugängen sind die Verantwortlichen begeistert

Trotz dieser Sorgen schätzen Andersson und Müller den Kader als in der Breite besser besetzt ein als in der Vorsaison. „Wir haben noch mehr Kämpfertypen, können noch schneller nach vorne spielen und sind auf den Außenpositionen stärker“, fasst der Trainer seine Eindrücke aus der Vorbereitung, die am 1. Juli begann, zusammen.

Von den Neuzugängen sind die Verantwortlichen begeistert. Die österreichische Nationalspielerin Altina Berisha, die wegen ihrer Hochzeit in der Vorbereitung drei Wochen lang fehlte, soll für Tore und spielerische Elemente sowie in der Abwehr für Stabilität sorgen. „Sie ist sehr variabel und spielt mit Köpfchen“, lobt Andersson. Rückkehrerin Tanja Padutsch (Rechtsaußen) könne dem Team dank ihrer Erfahrung besonders in kniffligen Situationen helfen, Vivien Jäger ergänze sich am Kreis ideal mit Louisa De Bellis. Das gelte ebenso für die talentierte Linksaußen Alina Ridder (neu) und Simona Nikolovska.

Am Samstag gibt es den Ligaauftakt

Ein „riesengroßes Potenzial“ im rechten Rückraum bescheinigt der Coach der erst 17-jährigen Linkshänderin Ann Kynast. Als Allrounderin geholt wurde die belgische Nationalspielerin Aaricia Smits, „eine unglaubliche Kämpferin“. Aus der zweiten VfL-Mannschaft aufgerückt sind Lisa Kristmann und Julia Schraml. Ebenfalls zum Einsatz kommen könnte Lena Klingler (Tochter von VfL-Vorstandssprecher Rolf Klingler), allerdings hat Drittligist Gröbenzell das Erstzugriffsrecht auf das Rückraum-Talent.

Abgesehen von den Verletzungen hält Andersson die Vorbereitung für geglückt. Das Team agiere schon recht harmonisch. Und Grüppchenbildungen gebe es auch nicht, ergänzt Müller. Nur gesunden Konkurrenzkampf. Caren Hammer bleibt Kapitänin und bildet künftig zusammen mit Padutsch und De Bellis einen Mannschaftsrat.

Warmgespielt hat sich der VfL beim 28:19 im DHB-Pokal beim Drittligisten TSG Ketsch II. Am Samstag gibt’s nun den Ligaauftakt – und ein Derby: Der VfL tritt bei der SG H2Ku Herrenberg an (19.30 Uhr), dem Achten der vergangenen Saison. „Das Spiel will ich unbedingt gewinnen“, sagt Müller. Das will das Team freilich auch.


Der Kader

Trainer: Nicolaj Bredekjær Andersson (31), Co-Trainer Adrian Müller (29), Torwarttrainer Fabian König (28)

Zugänge: Celina Meißner, Tanja Padutsch, Alina Ridder, Vivien Jäger (alle TV Nellingen), Ann Kynast (SG BBM Bietigheim II, Doppelspielrecht Erstligist SG I, zudem im A-Jugend-Bundesligateam der SG), Aaricia Smits (Metz Handball II, Frankreich), Altina Berisha (WAT Atzgersdorf, Österreich), Lena Klingler (Doppelspielrecht Drittligist HCD Gröbenzell), Lisa Kristmann, Julia Schraml, Laura Pavic (alle VfL Waiblingen II)

Abgänge: Laura Waldenmaier (SG H2Ku Herrenberg), Lea Gruber (SV Union Halle-Neustadt), Monika Odrowska (Frankfurter HC), Hanna Hojczyk, Chiara Baur (TV Nellingen), Jasmin Dirmeier (TSV Wolfschlugen), Tina Welter (FA Göppingen)

Tor: Mandy Hoogenboom (23), Celina Meißner (21), Laura Pavic (23)

Rückraum: Altina Berisha (24), Caren Hammer (26), Vanessa Nagler (22), Sinah Hagen (22), Ann Kynast (18), Julia Schraml (22), Lena Klingler (18)

Außen: Tanja Padutsch (25), Simona Nikolovska (28), Tina Welter (26), Kyra Teixeira da Silva (24), Alina Ridder (20),

Kreis: Louisa De Bellis (21), Aaricia Smits (21), Vivien Jäger (24), Lisa Kristmann (22)

Saisonziel: mehr Punkte holen als in der vergangenen Saison (mindestens 33)

Titelfavoriten: HL Buchholz-Rosengarten, SV Union Halle-Neustadt, SG 09 Kirchhof

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