30-Jähriger vor Gericht Sexuelle Belästigung in Winnender Tanzlokal

Symbolbild. Foto: ZVW/Gabriel Habermann

Winnenden/Waiblingen. Wegen einer sexuellen Belästigung in einem Winnender Tanzlokal musste sich ein 30-Jähriger vor dem Amtsgericht in Waiblingen verantworten. Richterin Dotzauer verdonnerte ihn zu einer Geldauflage. Für den Mann hätte es schlimmer kommen können, doch die Beweislage war schwierig.

Im Dezember 2017 soll der Kosovo-Albaner einer Frau in einem Winnender Tanzlokal laut Staatsanwaltschaft ans Gesäß gefasst haben. Die Begleiter der Frau stellten den Mann daraufhin zur Rede, weshalb es zu einem Handgemenge auf der Tanzfläche gekommen sein soll. In deren Folge flogen die Fäuste nur so hin und her. Auch Frauen sollen von Schlägen getroffen worden sein, weshalb auch der 24-jährige Cousin des Albaners, der ebenfalls aus dem Kosovo stammt, auf der Anklagebank saß.

„Wir waren auf einer Weihnachtsfeier, haben gegessen und getrunken und sind dann in das Tanzlokal gegangen“, erzählte der 30-Jährige. Dort sei er in einer Ecke gestanden und habe eine Jacky Cola getrunken. Immer wieder sei ein Mann zu ihm gekommen, ebenfalls ein Albaner, und habe ihm gesagt, dass er seine Freundin nicht so anstarren solle. „Ich habe dem Mann gesagt, dass ich verheiratet bin und er mich in Ruhe lassen soll“, so der 30-Jährige, der von einer sexuellen Belästigung nichts wissen wollte. Plötzlich sei er gestoßen worden und gemeinsam mit dem Mann auf den Boden gefallen. Eine Frau sei herbeigeeilt, habe ihn angeschrien und am Kragen gepackt. „Du bist schuld“, hat sie immer wieder geschrien“, erzählte der 30-jährige Angeklagte. Ein anderer Mann sei auf seinen Cousin losgegangen. Eine handfeste Schlägerei entwickelte sich auf der Tanzfläche.

„Plötzlich spürte ich eine Hand an meinem Gesäß“

„Ich bin weiter weg gestanden“, erzählte der Cousin. „Ich bin erst auf das Geschehen aufmerksam geworden, als die zwei auf dem Boden gelegen sind. Ich bin hingegangen und wollte beide auseinanderhalten. Plötzlich kam ein Deutscher und hat mir eine verpasst. Dann kam die Polizei. Ich bin für meine Arbeit nach Deutschland gekommen, nicht um mich zu prügeln“, übersetzt eine Dolmetscherin aus dem Albanischen.

Die Betroffene der sexuellen Belästigung war vor Gericht als Zeugin geladen. „Sie waren im Tanzlokal, was haben Sie dort erlebt?“, fragte Richterin Dotzauer. „Wir sind um 1.15 Uhr in den Laden rein. Haben uns unterhalten und dann beschlossen, dass wir tanzen wollen“, begann die Frau. „Plötzlich spürte ich eine Hand an meinem Gesäß. Ich drehte mich sofort um. Da stand der Angeklagte hinter mir, hatte ein Grinsen im Gesicht und hat komische Gesten mit seinen Händen gemacht.“ „Woher wissen Sie, dass er es war?“, hakte Richterin Dotzauer nach. „Er stand direkt hinter mir. Ansonsten war dort keiner“, antwortete die Frau, die im Anschluss an die Berührung das Lokal verlassen hat, um eine Zigarette zu rauchen. Von der folgenden Schlägerei bekam sie also nichts mit.

„Die Frau macht auf mich einen sehr glaubwürdigen Eindruck“

„Bei der Polizei vor zwei Jahren konnte jeder die Täter identifizieren. Heute in der Hauptverhandlung war das anders und die entscheidet“, sagte Staatsanwalt Dautel zu Richterin Dotzauer. „Die Frau macht auf mich einen sehr glaubwürdigen Eindruck. Mit einem Freispruch kann ich deshalb nicht leben. Eine Geldauflage für einen gemeinnützigen Zweck sollte es schon sein.“ Auch der 30-jährige Kosovo-Albaner und sein Anwalt waren mit dem Vorschlag einverstanden.

Gegen die Bezahlung der Auflage soll das Verfahren eingestellt werden. Der 24-jährige Cousin kam straffrei davon.


Viele Zeugen, viele Sichtweisen

Insgesamt waren zehn Zeugen geladen. Doch schon nach vier stellte sich heraus, dass sich niemand mehr an die Tat erinnerte. Außerdem zeichnete jeder der Zeugen ein anderes Bild des Abends, so dass sich eine sehr schwierige Beweislage (besonders was die Schlägerei betraf) entwickelte.

Die sexuelle Belästigung wurde von keinem Zeugen gesehen. „Beim Tanzen kann es auch mal vorkommen, dass man sich unabsichtlich berührt“, sagte der Anwalt des 30-Jährigen.

„Das Ganze ist nun schon fast zwei Jahre her. Ich will keine Falschaussage machen“, begann die erste Zeugin, Tochter der belästigten Zeugin. „Wir waren tanzen, plötzlich gab es Streit zwischen dem Mann und meiner Mutter. Weshalb, habe ich nicht gesehen. Der Freund meiner Mutter hat mit den anderen Männern geredet. Ein riesiges Gerangel auf der Tanzfläche entwickelte sich.“

Die Frau wollte dazwischengehen, bekam dann selbst einen Faustschlag ab. „Haben Sie eine Nahkampfausbildung?“, fragte Richterin Dotzauer. „Es ist schon ziemlich mutig, dazwischenzugehen, wenn so viele albanische Männer streiten.“

An Einzelheiten kann sich die Frau nicht mehr erinnern. Bei der Polizei verwies sie nach Sichtung von Beweisbildern darauf, dass der 24-jährige Cousin des Kosovo-Albaners sie geschlagen habe. „Wie hat mein Mandant Sie denn geschlagen?“, fragt der Anwalt des 24-Jährigen. „Das kann ich nicht mehr genau sagen“, antwortete die Zeugin. „Wenn man einen gezielten Schlag abbekommt, dann kann man sich auch noch nach zwei Jahren daran erinnern“, entgegnete der Anwalt.

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