30 Jahre auf der Bühne Die Toten Hosen schreien nach Liebe - und bekommen sie reichlich

Einen derartigen Andrang hat Rock im Park noch nie erlebt. Während auf der Alternastage die Absoluten Beginner um die Gunst einiger Hip-Hop-Fans buhlen, geht auf der Centerstage der Punk ab: Die Toten Hosen feiern ihr Bühnenjubiläum. 30 Jahre lang stehen Campino und Co schon auf den Konzertbühnen der ganzen Welt. Ihren ersten großen Auftritt seit zwei Jahren – nach eigener Aussage – genießt das Düsseldorfer Punkrock-Urgestein in vollen Zügen.

Erst kürzlich waren die Toten Hosen auf Wohnzimmer-Tournee: Fans konnten sich um ein Konzert der Kultband in ihren eigenen vier Wänden bewerben. Da ist Rock im Park freilich ein ganz anderes Kaliber. Sogar das vergrößerte Gelände reicht kaum aus, um all die Fans zu fassen, die hier eine Wiedervereinigung der Opelgang erleben wollen.

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In der Tat hält das Konzert alles, was man sich davon erhofft hat. Freilich, die Songs des neuen Albums stehen erstmal im Vordergrund. Doch werden auch die Fans der alten Titel nicht enttäuscht: „Bonnie & Clyde“, „Paradies“, „Hier kommt Alex“ sowie „Alles aus Liebe“ - die Düsseldorfer wissen genau, was sich die Fans wünschen und bedienen artig den Willen des Rockervolkes. Die Setliste wird zusätzlich gepimpt durch Stücke wie „10 kleine Jägermeister“, All die ganzen Jahre“ sowie „Steh auf!“. Als besonderes Schmankerl haben sich die Hosen für den Auftritt im Park den Leadsänger der Gruppe Bad Religion Greg Graffin eingeladen: Nach einer gemeinsamen Tour haben Campino und Graffin gemeinsam den Titel „Raise your voice“ eingespielt, den es in Nürnberg im Original zu hören gibt. Obendrein performt das Sänger-Duo noch den Punkrock-Song sowie „Hey Ho, let's go!“, was die Fans lauthals mitsingen. Und auch ein kleiner Seitenhieb auf die Ärzte bleibt nicht aus. Campino plaudert aus dem Nähkästchen. „Neulich kam ein Fan zu mir, der fragte, ob wir denn auch „Schrei nach Liebe“ spielen – ich sagte nur: Heeey das ist die andere Band!“ Andererseits: „Vielleicht wollen aber die Nürnberger auch mal ein ordentliches Lied hören“, sinniert Campino und singt den „Schrei nach Liebe“ in bester Mediziner-Manier.

Last but not least wird natürlich auch noch geklettert: Campino hat eine Wette mit seiner Crew laufen. Schafft er es nicht, eine Bierdose per Stagediving von der Bühne zum Beleuchtungsmasten und dem dort sitzenden Lichttechniker zu bringen, so muss er von rund 50 Mann die Minibar-Rechnung begleichen. Die Fans helfen dem Sänger natürlich gern und tragen ihn – begleitet von „Wort zum Sonntag“ - auf Händen zum Lichtmast. Dort angekommen klettert der Wettkönig hinauf, überreicht das Bier und entzündet ein Bengalisches Feuer. Der Jubel ist groß, der Durst des Lichtmanns gestillt und Campinos Hotelrechnung gerettet.

Nach zwei Stunden Konzert bei bestem Festivalwetter geht der Auftritt zu Ende. Der Schrei nach Liebe wurde erhört: Die Fans feiern die Punkrock-Idole frenetisch. Von Altersmüdigkeit ist da nichts zu spüren, die Toten Hosen sind so gut drauf wie eh und je – und versprechen, schon bald nach Nürnberg zurückzukehren.

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