36. Urbacher Mostseminar Ein Leutenbacher Most ist der Beste

Die Stimmung war wieder gut beim Urbacher Mostseminar im Schlosskeller. Foto: ZVW/Alexandra Palmizi

Urbach. Sieben Moste wurden den Gästen beim 36. Urbacher Mostseminar zur Verkostung und Bewertung vorgesetzt. Am besten geschmeckt hat den Anwesenden der des Leutenbachers Bernhard Müller. Was ein guter Most ist, dafür gibt es zwar gewisse Kriterien, am Ende ist es aber eine subjektive Frage.

Über Geschmack lässt sich nicht streiten und dem Apfelwein, im Schwäbischen Most genannt, geht es in der Hinsicht wie dem Wein aus Trauben: „Das Abgerundete, Liebliche gibt die besseren Verkaufszahlen“, sagt Hermann Beck. „Der etwas ruppigere, nachhaltigere, ausdrucksvollere Most muss da leider zur Seite stehen.“ Der gelernte Küfer und Diplom-Getränketechniker muss es wissen. Er hat sich nicht nur beruflich viel mit Wein und anderen Getränken beschäftigt, sondern ist auch seit 36 Jahren, also seit den Anfangstagen des Urbacher Mostseminars, dabei, wenn es darum geht, den besten Most zu prämieren.

Und auch dieses Mal haben die meisten Verkoster im Schlosskeller die Hand für ein Getränk gehoben, das unter die lieblichen fällt. Fachmann Hermann Beck würde seinerseits allerdings die raueren, charaktervollen immer vorziehen, für ihn ist ein Most Spitze, wenn er auch „etwas zapft auf der Zunge und die Backen ein bisschen massiert“.

Das Urbacher Mostseminar ist, wie Hermann Beck feststellt, „ein Wahnsinnserfolg“. Die rund 90 Plätze im Schlosskeller sind jedes Jahr in Nullkommanix ausverkauft. Das Interesse ist also groß, vor allem, weil außer dem Most-Genuss noch mehr geboten wird. In diesem Jahr sorgte die Kabarettistin Gesa Weik für erheiternde Momente. Wie immer spielte die Urbacher Mostband, zusammengestellt aus Mitgliedern des evangelischen Posaunenchors. Und die Landfrauen sorgten für ein erstklassiges Vesper und schenkten den Most aus. Hermann Beck gab den fachlichen und geschichtlichen Hintergrund zur Verkostung.

Hermann Beck sieht beim Thema Most viel Bewegung

Tradition hat der Apfelwein ja in Schwaben, zumal im Remstal, wo der Weinbau groß ist, keine ruhmreiche. Im Gegenteil: „Hier in der Gegend war der Most zum Teil eine grausige Brühe“, sagt Hermann Beck. Während in anderen Gegenden wie im Hessischen der Apfelwein ein fester Bestandteil der Getränkekarten in den Gaststätten war und ist, hätten die hiesigen Fruchtsaftkeltereien kein Interesse daran.

Aber derzeit sei viel in Bewegung, auch im Remstal und der Umgebung, stellt Beck fest. Das Getränk passe auch absolut zum Remstal, wo es neben Weinbergen ja auch die Kultur der Streuobstwiesen mit einer hohen Qualität des Obsts gebe. „Das Bild hat sich total verändert“, das zeige die Qualität, die beim Mostseminar eingereicht werde. Die Vorauswahl der sieben Moste – aus in diesem Jahr 19 Anmeldungen – sei nicht einfach.

Ein guter Most macht kein Schädelweh

Gegenüber dem aus Trauben gekelterten Wein zeichnet den aus in den Streuobstwiesen geernteten Äpfeln oder Birnen gewonnenen Most eine größere Vielfalt aus, erklärt der Fachmann. Diese komme durch die verschiedensten Sorten, die drinstecken, „Diese Vielfalt macht den schwäbischen Most aus“, sagt Hermann Beck. Und der verspricht dabei eines: Ein guter Most, verursache am nächsten Tag keine Schmerzen. Wichtig sei die Gärung mit Reinzuchthefen, wie es auch bei den Wengertern mittlerweile Standard sei. Beck sagt, trotz ausgiebigem Mostgenuss, der zur Verkostung dazugehört: „Ich glaube, dass nach dem Urbacher Mostseminar keiner einen Schädel davongetragen hat.“

Die Platzierungen

Wie immer gab es beim Mostseminar sieben gute Tropfen zu verkosten, zwei rein aus Birnen, zwei rein aus Äpfeln und drei Gemische. Und das sind die Platzierungen nach Votum der Verkoster im Schlosskeller:

1. Bernhard Müller, Leutenbach

2. Rainer Semet, Welzheim

3. Simon Knödler, Alfdorf

4. Hans Knödler, Alfdorf

5. Jürgen Schlotz, Urbach

6. Dr. Matthias Knapp, Urbach

7. Alexander Ahle, Welzheim

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