„A Gschicht über d’Lieb“ Film von Waiblinger Regisseur in den Kinos angelaufen

Svenja Jung und Merlin Rose verkörpern die Geschwister im Film. Foto: Edition Salzgeber

Waiblingen. Es ist ein Film über ein Landidyll, das keines ist, vor allem aber eine verstörende Liebesgeschichte. An diesem Donnerstag ist im Traumpalast in Waiblingen und vielen anderen deutschen Kinos „A Gschicht über d´Lieb“ angelaufen. Regisseur und Drehbuchautors ist der Waiblinger Peter Evers, der für das Buch zum Film auf der Berlinale mit dem renommierten Thomas-Strittmatter-Preis ausgezeichnet wurde. Der Film wurde 2019 für zahlreiche Preise nominiert, darunter für den Bayrischen Filmpreis für Svenja Jung als beste Nachwuchsschauspielerin.

Ein Dorf in Süddeutschland in den 50er Jahren. Gregor und Maria sind Geschwister und die Kinder des Bacherbauern. Gregor soll einmal den Hof übernehmen. Doch er hat einen anderen Traum: Er will an der künftig am Dorf vorbeiführenden Bundesstraße eine Tankstelle errichten. Dazu braucht er aber die finanzielle Hilfe des Vaters. Obwohl Maria zu vermitteln versucht, können die Männer ihren Streit lange nicht beilegen. Schließlich lenkt der Vater ein: Er ist bereit, seinen Sohn zu unterstützen, wenn Maria bald heiratet und so für eine ordentliche Fortführung des Familienhofs sorgt. Das Ultimatum stellt die Geschwister vor die wichtigste Entscheidung ihres Lebens …

Ein Plädoyer für das Recht, lieben zu dürfen, wen man will

Auch wenn es auf den ersten Blick so aussieht: Was da in einem Dorf zwischen Feldern und Wäldern spielt, ist keine idyllische Heimatschmonzette, sondern ein ergreifender Film über die Liebe und ihre Facetten. Grenzüberschreitend, ja verstörend ist diese Liebesgeschichte zweier Geschwister, die der 46-jährige Peter Evers ins Kino bringt. Ausdrücklich habe er keine Schnulze oder eine der üblichen Coming-of-Age-Geschichten drehen wollen, sagt Evers, dessen Lieblingsthema auch in seinen anderen Filmen die Liebe ist. Lieben sei out, stattdessen werde der Partner konsumiert, sagt Evers, für den die Liebe ein Grundrecht jeder menschlichen Existenz ist, solange sie nicht mit Gewalt oder Abhängigkeit verbunden ist.

„Ich will sagen, wenn ihr jemanden gefunden habt, haltet ihn fest und seid füreinander da. Und gönnt dies auch anderen Menschen“, ist sein Credo. Für den Film habe er einen Grundkonflikt gesucht, der selbst in unserer eher aufgeklärten Gesellschaftsform ein Tabu ist. „Idee war, den Zuschauer dazu zu bringen, sein Urteil selbst zu hinterfragen: Kann es nicht doch sein?“ Wobei der Film ausdrücklich kein Plädoyer für Inzest sein solle, sondern für das Recht, lieben zu dürfen, wen man will.

2013 entstand das Buch zum Film. Zwei Jahre später wurde es auf der Berlinale mit dem renommierten Thomas-Strittmatter-Preis ausgezeichnet. Bei den Förderstellen habe es allerdings Widerstände gegen das Thema gegeben, sagt der Regisseur. Gefördert wurde der Film dann von der MFG Filmförderung Baden-Württemberg und DFFF, gedreht im Freiluftmuseum Wackershofen bei Schwäbisch Hall. Ein absoluter Glücksfall sei dieser Drehort gewesen. „Wir hatten lange nach einem 50er-Jahre-Dorf gesucht, aber keins gefunden.“ Sein Vater gab ihm den Tipp mit dem Freiluftmuseum – es passte. Evers: „Ich bin durch das Dorf gelaufen und war glücklich.“

Zur wirklichkeitsnahen Darstellung des Dorfes gehörte für Evers, dass die Bewohner Dialekt sprechen. Nicht eben einfach für Schauspieler, die zum allergrößten Teil aus Berlin stammen. Zusammen mit einer Dialekttrainerin wurde der Dialekt in und um Schwäbisch Hall analysiert und eine Art Kunstdialekt entwickelt. Der sollte bundesweit verstanden werden und trotzdem realitätsnah rüberkommen. Die Schauspieler wurden gecoacht und sprachen wochenlang auch untereinander nur Dialekt. Das hat offenbar geklappt: Als die Crew in einem Restaurant in Schwäbisch Hall beim Essen saß, hätten die anderen Gäste nicht glauben können, dass die Schauspieler aus Berlin stammten. „Du kommsch aus Crailsheim“, habe einer der Gäste gesagt.

Nach seiner „Gschicht über d’Lieb“ arbeitet Peter Evers an seinem nächsten Film über die Liebe. Im Mittelpunkt steht ein altes Paar, das sich am Ende seines Lebens loslassen muss. Die Liebe vor dem Sterben – definitiv wieder ein Thema, das ebenso tabuisiert wie anrührend ist.


Zur Person

Peter Evers (46) wohnt in Waiblingen und Wien und ist der Sohn des ehemaligen Vorsitzenden des Waiblinger Heimatvereines Wolfgang Evers und der Kunstmalerin Eveline Evers. Er besuchte die Fotografenschule in Stuttgart und die Filmhochschule in Wien.

Evers lebt seit Jahren in einer festen Beziehung mit einer Autorin, die Fantasy-Romane schreibt.

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