Alfdorf Anwohner protestieren gegen Raser

Viele sind, trotz mehreren Erinnerungen von Anwohnern (wie hier rechts im Bild), deutlich zu schnell unterwegs. Foto: Markus Metzger

Alfdorf.
Freitagnachmittags ist es am schlimmsten. Dann, wenn die Arbeitswoche für viele rum ist und es die Autofahrer möglichst schnell nach Hause drängt. Dann kann Josef Rack sich jedes Mal aufs Neue empören über rücksichtslose Raser, die die Döllenstraße zu einer Rennstrecke machen.

Neulich, da sei einer mit geschätzt 80 Sachen an seinem Haus vorbeigefahren. Obwohl genau dort ein überlebensgroßes Kind auf Holz gemalt ist, das die Verkehrsteilnehmer daran erinnern soll, Tempo 30 einzuhalten. Und obwohl sein Nachbar auch ein Schild angebracht hat: „Bitte langsam fahren. Danke.“ Gebracht hätten diese freundlichen Erinnerungen bislang nichts.

Der Auto- und Motorradverkehr habe zuletzt vielmehr ständig zugenommen, berichtet Rack. Einige würden die Straße nutzen, um von Lorch oder Welzheim nach Gschwend zu kommen. Zugenommen habe der Verkehr aber auch, weil es heute mehr Autos gebe – und in der Nähe das neue Wohngebiet Rossäcker. Hinzu kommt: Das nächste im „Löhgang“ ist bereits in der Planung – auch wenn es noch Jahre dauern wird, bis dort tatsächlich Wohnungen bezogen werden können.

Verkehr wird durch Sanierung der Hauptstraße eher noch zunehmen

Weniger Autos werden es in den kommenden Jahren daher wohl eher nicht werden, die über die vergleichsweise breit angelegte Döllenstraße abkürzen, zu schnell fahren, die Vorfahrtsregeln an den vielen Einmündungen häufig missachten. Hinzu kommt: In wenigen Monaten beginnt die Sanierung der Ortsdurchfahrt. Es ist zu erwarten, dass der Verkehr dadurch noch einmal zunimmt. Auch, weil ein Halteverbot in der Straße kommen wird – was es jenen, die schnell unterwegs sind, noch leichter machen wird, durchzurauschen.

„Muss denn erst was passieren?“, fragt sich Rack, der fünf Enkelkinder hat, von denen zwei im Haus wohnen, und sich neben der Sicherheit der Senioren vor allem um die der Kleinsten sorgt. Tagsüber würden an der Straße schließlich viele Kinder spielen. Nahezu täglich käme es dann zu sehr gefährlichen Situationen. Man könne von Glück reden, dass bislang nichts Schlimmes passiert sei.

Mit seinen Sorgen ist der Alfdorfer nicht allein. Viele weitere Anwohner stören sich an der Raserei. Deshalb haben sie eine Unterschriftenliste an die Verwaltung und den Gemeinderat übergeben, 63 Namen befinden sich darauf.

Unterschriftenliste und Maßnahmenkatalog

Schnellstmöglich soll eine Lösung gefunden werden für die Döllenstraße, fordern sie. In Gesprächen haben sie sich Maßnahmen überlegt, mit denen sich die Geschwindigkeit der Autos und Motorräder reduzieren ließe:

Als sinnvolle Lösung erachten die Anwohner Haltelinien an den Einmündungen zu den Seitenstraßen. Dann würden die Vorfahrtsregeln (rechts vor links) auch häufiger eingehalten. In vielen anderen Kommunen gibt es diese bereits – und sie zeigen nach Meinung der Anwohner auch Wirkung.

Denkbar wäre aus ihrer Sicht auch, Personenmotive auf der Straße anzubringen. Sie könnten etwa eine Mutter mit Kind zeigen. In Vordersteinenberg wurde so etwas bereits umgesetzt.

Die radikalste, aus Sicht der Anwohner aber auch effektivste Lösung wären sogenannte Bremszonen. Dabei müssten an mehreren Stellen Bodenschwellen angebracht werden. Damit würde es quasi unmöglich, durch die Straße einfach durchzurauschen.

Nicht zuletzt sollten regelmäßige Radarkontrollen erfolgen. Wobei diese wohl nicht mehr nötig wären, wenn tatsächlich Bremszonen kämen.

Bürgermeister: "Wir kümmern uns"

Für eine gute Lösung könnte außerdem ein Fachmann oder Verkehrsplaner zurate gezogen werden.

„Wir kümmern uns auf jeden Fall darum“, sagt Alfdorfs Bürgermeister Michael Segan auf Nachfrage. Der Gemeinderat werde sich zwar nicht eigens damit befassen. Die Unterschriftenliste und den Maßnahmenkatalog habe die Verwaltung aber bereits umgehend ans Straßenverkehrsamt weitergeleitet, „mit der Bitte, das wohlwollend zu prüfen“.

Haltestreifen, so Segan, seien voraussichtlich schon bald realisierbar.

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