Alfdorf Bürgermeisterwahl: Segan kämpft für dritte Amtszeit

Der amtierende Bürgermeister Michael Segan. Foto: ZVW/Benjamin Büttner

Alfdorf.
Auf einem Stück Papier hatten die Abiturienten des Jahrgangs von Michael Segan ihren Berufswunsch aufgeschrieben. Daran konnte sich der Alfdorfer Bürgermeister jedoch nicht mehr erinnern, erst als bei einem Klassentreffen 20 Jahre später das Stück Papier wieder auftauchte. Und tatsächlich, schon mit 19 Jahren wollte der heute 56-Jährige Bürgermeister werden. „Das lag an den Geschichten von meinem Opa“, erinnert sich Michael Segan im Gespräch mit den Redakteuren der Welzheimer Zeitung, Rainer Stütz und Jörg Hinderberger, gerne an diese Zeit zurück.

Seit 16 Jahren ist er nun Schultes in Alfdorf und noch heute sagt Michael Segan: „Bürgermeister ist der schönste Job für mich. Es ist zwar anstrengend, da man immer und überall unter Beobachtung steht, aber es macht unheimlich viel Freude. Für mich ist Bürgermeister zu sein kein Job, sondern eine schöne Herzensangelegenheit.“

Auch ohne Kontrahenten hätte Segan einen Wahlkampf gemacht

Am 2. Februar steht nun die Wahl für eine mögliche dritte Amtszeit an. Michael Segan hat sich als erster Bewerber schon sehr früh im Wahlkampf positioniert. Für ihn sei immer klar gewesen, dass er noch einmal acht Jahre als Schultes für Alfdorf zuständig sein möchte, nur der Zeitpunkt der Bekanntgabe war offen. „Die ersten Wahltermine wurden bereits absolviert. Für mich war unabhängig von möglichen anderen Kandidaten klar, dass ich einen Wahlkampf mache. Das gehört für mich zu einer Demokratie.“ Mit Ronald Krötz, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Aalen, und Thomas Hornauer aus Plüderhausen gibt es zwei Kontrahenten.

„Ich schaue nur nach mir. Wir haben zum Beispiel das größte Projekt, das Alfdorf in seiner Geschichte auf die Beine gestellt hat – das Kultur- und Sportzentrum mit einer neuen Ballspielhalle für elf Millionen Euro Gesamtumfang –, kurz vor dem Abschluss. Die Fertigstellung ist auf November 2020 terminiert. Und das Wichtige ist, wir stemmen diese Summe als Gemeinde Alfdorf, ohne Schulden zu machen.“

Weitere acht Millionen Euro kostet das zentrale Abwasserkonzept

Ein zweites riesiges Projekt ist das zentrale Abwasserkonzept mit acht Millionen Euro Kosten, auch hier gibt es Zuschüsse, insgesamt 80 Prozent, und es müssten erneut keine Schulden gemacht werden. „Wir haben 17 Millionen Euro in den letzten Jahren als Polster angespart“, bestätigt Michael Segan. Dieses Polster sei im Nachhinein Gold wert, denn die Einbuße bei den Gewerbesteuern von rund elf Millionen Euro wäre ohne diese Rücklage nur schwer zu verdauen. „Ich kann als Bürgermeister die Gewerbesteuern nicht beeinflussen“, äußert sich Michael Segan. Umso wichtiger sei es, dass man sich als Bürgermeister in Alfdorf mit allen Fakten auskenne. „Ich wünsche mir, dass die Bürgerinnen und Bürger in Alfdorf sich nicht nur von Emotionen leiten lassen, sondern sich mit Inhalten für mindestens die nächsten acht Jahre in ihrer Gemeinde beschäftigen“, so Segan. Bürgernähe, Kompetenz und Erfahrung bringe er mit, drei Komponenten, die für Michael Segan jeder Bürgermeister haben sollte.

Wie bürgernah der 56-Jährige sein Amt lebt, zeigt folgendes Beispiel: „Jemand wollte beruflich in die Schweiz umziehen, stellte dann aber am Sonntagabend vor der Abfahrt am Montag fest, dass sein Pass abgelaufen ist. Es klingelte am Sonntagabend bei mir an der Haustüre und er fragte mich, ob ich ihm den neuen Pass geben könnte, der müsse im Rathaus liegen. Ich habe dann meine Kollegin angerufen, am Sonntagabend noch, und wir konnten ihm seinen Pass überreichen.“

Beim Ostertanz sei es auch schon vorgekommen, dass die Nachtruhe von 2 Uhr nicht eingehalten wurde. „Plötzlich klingelte nachts um 2.30 Uhr mein Telefon, ich solle doch für Ruhe sorgen. Das habe ich dann vor Ort gemacht“, erklärt Michael Segan. Zurück zu den Projekten, Investitionen und Gewerbesteuern: Für das Jahr 2019 beliefen sich die geplanten Gewerbesteuereinnahmen auf acht Millionen Euro, ehe Vorauszahlungen kamen in Höhe von gesamt 13 Millionen Euro. Es folgten Rückzahlungen für die Jahre 2017, 2018 und 2019, so dass es wieder acht Millionen Euro waren. „Kurz darauf waren es dann noch zwei Millionen Euro, so dass elf Millionen Euro nun fehlen. Das kann der Bürgermeister nicht beeinflussen, aber ich kann für solche Fälle vorsorgen“, bekräftigt Segan noch einmal das Polster von 17 Millionen Euro.

Somit können das Kultur- und Sportzentrum, das zentrale Abwasserkonzept mit Pumpwerk, die Ortsdurchfahrt und die fortschreitende Digitalisierung ohne Schulden zum Abschluss gebracht werden. Ein offenes Ohr habe er immer für weitere Vorschläge aus der Bevölkerung.

Pro-Kopf-Verschuldung in Alfdorf liegt bei 73 Euro

Diese Aussagen belegen auch die Zahlen der Pro-Kopf-Verschuldung in Alfdorf, die bei 73 Euro (Stand Januar 2020) liegt. Im Vergleich: Der Durchschnittswert in Baden-Württemberg beträgt 316 Euro. „Ich möchte auch in den nächsten Jahren solide wirtschaften, denn Schulden schränken nur die künftige Generation ein. Hätten wir zum Beispiel in den vergangenen 16 Jahren kein Polster angespart, sondern alles auf Pump gebaut, dann würden wir mit den fehlenden Gewerbeeinnahmen ein Problem in Alfdorf haben. Zum Glück ist das nicht so“, verspricht Michael Segan auch für die nächsten acht Jahre einen guten Haushalt.

Neue Ideen für die kommenden Jahre sind in der Planung. „Wir müssen die Sanierungen der Schulen abschließen, in Alfdorf und Pfahlbronn. Der Ausbau der Kinderbetreuung und Breitband in jeden Haushalt werden die nächsten Aufgaben sein“, blickt er voraus. Dabei werde es für die Kinderbetreuung eine Zusammenarbeit mit dem Verein der Tagesmütter Welzheimer Wald geben. Bis zu zwölf unter Dreijährige würden in der ehemaligen Gaststätte Stern betreut. „Wir mieten die Räumlichkeiten im Stern und zahlen dem Tagesmütterverein ein Honorar. Somit müssen wir keinen Neubau finanzieren und sparen uns zudem Personalkosten“, berichtet der Familienvater, übrigens vier Jungs haben Michael Segan und seine Frau, die in der Alfdorfer Ortsmitte wohnen.

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