Alfdorf Flüchtlinge im Haghof: Herausforderung für ganz Alfdorf

Alfdorf. Eins hat der Landrat gleich klargestellt. Die Flüchtlinge kommen. Am Dienstag, 22. Dezember, werden die ersten Asylsuchenden im Hotel Haghof einziehen. Das Landratsamt, so Richard Sigel bei der Info-Veranstaltung am Donnerstagabend in Pfahlbronn, stehe zu seinem Versprechen, die Maximalbelegung von 300 auf 140 Menschen zu begrenzen. Ob das aber längerfristig zu halten ist? Für Notfälle hält sich der Landkreis die Option offen.

Ziel der gemeinsamen Veranstaltung von Landratsamt und Gemeinde sollte es sein, für Toleranz und Akzeptanz zu werben. Das ist weitgehend gelungen. Dieser Erfolg ist mehreren Ereignisse zu verdanken. Die Haghöfer haben sich Gedanken gemacht und konkrete Vorschläge eingebracht. Das Landratsamt ist mit der Verringerung der Belegungszahl den Bürgern entgegengekommen. Die Gesprächsleitung durch Bürgermeister Michael Segan war sachlich, er griff rechtzeitig ein, wenn Meinungs- und Diskussionbeiträge überhandnahmen. Nach dem Sachvortrag des Bürgermeisters über die kurzfristige Belegung und des Landratsamtes zur Situation im Landkreis ergriff als erste Rednerin aus den Zuschauerreihen Eva Gölz das Wort. Dieser Beitrag aus dem Arbeitskreis Flüchtlinge machte den rund 500 Anwesenden nochmals bewusst, dass es um Menschen aus Kriegsgebieten geht, die dringend ein Dach über dem Kopf brauchen.

Am Ende der Veranstaltung fasste der evangelische Pfarrer Markus Eckert, der für den Haghof zuständig ist, obwohl der Weiler zur Gemeinde Alfdorf gehört, das Ergebnis des Abends zusammen: Die Situation für Haghof sei schwierig. Andererseits kämen viele Menschen in Not. Die Alternative wäre nur, dass diese Menschen auf der Straße oder in Zelten leben müssten. Das Hotel Haghof sei die beste Alternative und noch besser als die Container in Welzheim.

Mit dem Landrat um die Belegungszahlen gerungen

Das Vorhaben sei zu bewältigen, wenn die Gesamtgemeinde den Bürgern in Haghof helfe und Präsenz zeige. Eine ganze Kommune und ein tatkräftiger Freundeskreis seien dazu erforderlich. Er, Eckert, sei selbst Mitglied im Arbeitskreis Asyl in Welzheim und habe bei zwei kleineren Einsätzen neue Menschen kennengelernt. „Es gilt, die Herausforderung anzunehmen, Alfdorf schafft das, alle zusammen!“

Diese Solidarität des Ortes hatte zuvor auch der Sprecher der Haghöfer Bürger eingefordert. Udo Bulling hatte noch mit dem Landrat um eine weitere Reduzierung der Belegungszahlen gerungen und auf die Unverhältnismäßigkeit der Belegung eines so kleinen Ortes mit 30 Bürgern hingewiesen.

Gleichwohl hat der Präsident des Golf- und Landclubs Haghof formalen Widerstand gegen die Belegung des Hotels mit Flüchtlingen angekündigt. Er übergab dem Bürgermeister an diesem Abend persönlich den Widerspruch gegen die geplante Nutzungsänderung des Golf- und Landhotels Haghof in eine Gemeinschaftsunterkunft. Werde weiterhin auf die Nutzungsänderung bestanden, wird Klage beim Verwaltungsgericht in Stuttgart angekündigt.

Gleichzeitig hat der Clubpräsident bei einem Verzicht auf eine Belegung ein „vorbildgebendes Projekt für die Integration im Teilort Haghof“ angekündigt. Die Einwohner vom Haghof nehmen eine Familie mit bis zu sechs Personen auf und suchen eine Wohnung. „Das entspricht 20 Prozent der Einwohner des Haghofs“, so Prof. Klaus von Maillot im Namen der Einwohner sowie des Golf- und Landclubs. Weiterhin würde mindestens ein Arbeitsplatz besorgt. Außerdem werde der Deutschunterricht für die ganze Familie für ein Jahr garantiert. Zudem soll der Kontakt der Kinder zu einheimischen Kindern gefördert werden durch kostenloses Golfspielen einschließlich Unterricht sowie gelegentliche kostenlose Reitstunden.

Bürgermeister Michael Segan dankt für das gute Angebot. Die Gemeinde werde darauf zurückgreifen, sobald es um die anschließende dauerhafte Unterbringung in Alfdorf gehe. Die Flüchtlinge, die vom Landkreis im Hotel Haghof einquartiert werden, kämen direkt von der Landeserstaufnahmestelle und seien nur vorübergehend hier, bis das Asylverfahren anerkannt ist – oder eben nicht.

Neuer Landrat zum ersten Mal offiziell in Alfdorf

„Ich bin gerne nach Alfdorf gekommen. Wir stellen uns den großen Herausforderungen für Landkreis und Ort“, hatte der neue Landrat Richard Sigel, der zum ersten Mal offiziell die Kommune besuchte, festgestellt. Als er im August das Amt übernommen habe, hätten 700 Betten für Flüchtlinge gefehlt, derzeit seien 3500 Betten belegt. Bis Ende nächsten Jahres werde mit insgesamt 9000 Personen gerechnet, die im Landkreis eine Unterkunft brauchen.

Das Ziel des Landratsamtes sei es, gute und verträgliche Lösungen vor Ort zu finden. In den Ballungsräumen seien die Unterbringungsmöglichkeiten erschöpft, deshalb müssten verstärkt Angebote auf dem Land genutzt werden. Bei der Belegung im Haghof habe er Zugeständnisse gemacht, wofür er von anderen Kommunen gescholten worden sei. „Hotels und Pflegeheime sind für uns die idealen Quartiere, in einer Halle gibt es keine Intimsphäre.“ Auch über die Feiertage sei gewährleistet, dass die Mitarbeiter erreichbar seien.

So ist die Ankunft der ersten 60 Flüchtlinge auf dem Haghof vom 23. auf den 22. Dezember vorverlegt worden, damit die Ankommenden noch rechtzeitig ihr Geld bekommen und einkaufen gehen können. Zusätzlich werden im Hotel so viel Lebensmittel eingelagert, dass eine Versorgung über die Feiertage auf jeden Fall gewährleistet ist. Die Ankunft der zweiten Gruppe mit 80 Flüchtlingen ist derzeit für den 7. Januar vorgesehen.

Vor Ort sind zur Betreuung die Helfer des Roten Kreuzes, ein Sozialarbeiter und ein Hausmeister. Ein Sicherheitsdienst wird in den ersten vier Wochen rund um die Uhr zur Verfügung stehen. Die Busangebote sollen verbessert werden, und zwar bereits schon über die Weihnachtsfeiertage. Eine Anbindung an das WLAN-Netz ist geplant. In der Flüchtlingsunterkunft wird ein Ärztezimmer mit regelmäßigen Sprechstunden eingerichtet.#

Bitte keine Koppelung
Ein Kommentar von Rainer Stütz

Das Angebot des Golf-und Landclubs Haghof in allen Ehren. Aber diese Offerte damit zu koppeln, dass die Flüchtlinge nicht ins Hotel einziehen können, ist schlichtweg daneben. Und auch der Widerspruch gegen die geplante Nutzungsänderung mit Klageandrohung sollte zurückgezogen werden. Das angekündigte „vorbildliche Projekt für die Integration im Teilort Haghof“ kann dennoch gerne umgesetzt werden. Damit könnte der Sportverein Vorbildfunktion übernehmen.

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