Alfdorf Ronald Krötz: Konflikt zwischen Amt und Glauben?

, aktualisiert am 20.01.2020 - 17:38 Uhr
Ronald Krötz aus Urbach engagiert sich ehrenamtlich, unter anderem auch im Leitungsteam des „Christlichen Zentrums Life“ in Plüderhausen. Welche Rolle spielt sein Glaube bei seiner Kandidatur als Bürgermeister? Foto: ZVW/Benjamin Büttner

Alfdorf.
Die Plüderhäuser Gemeinde „Christliches Zentrum Life“, bei der Ronald Krötz im Leitungsteam ist, gehört zur evangelikalen Freikirche „Gemeinde Gottes Deutschland“ – die GGD hat ihren offiziellen Sitz in Urbach. Was haben nun der persönliche Glaube und die Kirche mit Ronald Krötz als Bürgermeisterkandidat in Alfdorf zu tun? „Life“ lehnt die Evolutions-„Theorie“ ab und nimmt den Schöpfungs-„Bericht“ wörtlich, gelebte Homosexualität ist für „Life“ Sünde und die Gleichstellungspolitik alias „Genderwahn“ wird in einer Life-Broschüre neben Nationalsozialismus und Stalinismus als dritte große totalitäre Ideologie genannt.

Ronald Krötz selbst bezeichnet sich als gläubigen Christen. Er sei evangelisch aufgewachsen und ein Ereignis auf seinem Lebensweg habe ihn noch näher zum Glauben gebracht. „Mir ist der Glaube an Gott wichtig, aber völlig egal, wer sich in welcher Kirche heimisch fühlt“, sagt Ronald Krötz. Manche Aspekte im Glauben von „Life-Anhängern“ werden durchaus kritisch gesehen, wie bereits in der Serie des Zeitungsverlags Waiblingen im Jahr 2015 „Christsein heute“ und „Gender – ein Begriff macht streitbar Karriere“ berichtet. Für „Life“ gilt nur der Schöpfungs-„Bericht“ der Bibel, die Evolutions-„Theorie“ wird abgelehnt.

„Ich bin weltoffen und für Gleichberechtigung“

„Natürlich haben die Naturwissenschaften ihre Daseinsberechtigung. Und als Christ hat Gott natürlich in allem eine zentrale Rolle, auch bei der Entstehung der Erde. Ob das mit einem Urknall oder wie auch immer passiert ist, spielt für mich aber keine Rolle“, so Krötz. Immer wieder ist auch zu lesen und zu hören, unter anderem in der Broschüre von Frank Simon (der laut Ronald Krötz inzwischen nicht mehr dem Leitungsteam von Life angehört), dass gelebte Homosexualität für „Life“ eine Sünde sei. Ein Zitat aus der Broschüre „Bildungsplan und Genderwahn“ von Frank Simon:

Nicht zuletzt dank prominenter Fürsprecher in Medien, Sport und Politik haben Homosexuelle in der öffentlichen Wahrnehmung einen erstaunlichen Wandel durchlaufen: von einer einstmals unbedeutenden, negativ belegten Randerscheinung hin zur angeblichen und gefühlten Meinungsführerschaft im Kampf gegen Diskriminierung. 2017 erreichten Homo-Paare die Gleichstellung bei der Ehe, und folgerichtig werden weitere sexuelle Subkulturen die „Ehe für alle“ einfordern – samt Adoptionsrecht. Was aber nützt dem Kind? Es braucht elterliche Liebe, emotionale Gewissheit und Werte, an denen es sich orientieren kann. Ist nun jede Paarbeziehung gleichermaßen geeignet, Kindern die familiäre Nestwärme, Beständigkeit und Identität zu vermitteln, die sie brauchen? Solange wir dies nicht zweifelsfrei wissen, ist jede willkürliche Abkehr vom Ideal der natürlichen Familie ein unverantwortliches Experiment an Schutzbefohlenen.

Hätte ein Bürgermeister Krötz also einen inneren Konflikt mit sich, wenn er gleichgeschlechtliche Paare standesamtlich traut? „Ich bin weltoffen und für Gleichberechtigung. Das gilt im Übrigen nicht nur für gleichgeschlechtliche Beziehungen, sondern für jegliche Art des menschlichen Miteinanders. Die Nächstenliebe ist das oberste Gebot des christlichen Glaubens und ein wichtiger Wertekompass für mein Leben“, antwortet Krötz.

Einen Konflikt zwischen seinem Glauben und dem Amt sieht er nicht

Ein dritter Aspekt: Gender Mainstreaming beziehungsweise Gleichstellungspolitik alias „Genderwahn“ wird in einer Life-Broschüre neben Nationalsozialismus und Stalinismus als dritte große totalitäre Ideologie genannt, also ist auch hier der Bezug zur Lokalpolitik gegeben. Sowohl im Recht der Europäischen Union als auch im nationalen Verfassungsrecht und in Bundesgesetzen in Deutschland ist nämlich aktive Gleichstellungspolitik verankert, die im Sinne des Gender Mainstreaming interpretiert wird. Das „Christliche Zentrum Life“ steht dagegen für ein eher konservatives Familien- und Geschlechterrollen-Bild. „Ich bin für Gleichberechtigung, manchmal würde ich mir nur wünschen, dass man vieles besser überprüft, bevor es einfach umgesetzt wird.“


Info: Das „Christliche Zentrum Life“ ist eine evangelische Freikirche. „Uns verbindet die ganz persönliche Erfahrung mit Jesus Christus. Wir verstehen uns als eine christliche Gemeinde. Unsere Glaubenslehre ist allein an der Bibel orientiert. Life hat aktuell etwa 150 Mitglieder und etwa 100 ehrenamtliche Mitarbeiter“, heißt es auf der Homepage www.czlife.de.

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