Alfdorf ZF entwickelt neue Seiten-Airbags

Dirk Schultz mit dem Pre-Crash-Airbag auf dem ZF-Stand. Der Leiter der weltweiten Entwicklung der Airbagsysteme und Gasgeneratoren gehört auch dem Programmausschuss des Airbag-Symposiums an. Foto: ZF

Alfdorf. Der ZF-Konzern hat in Sachen „Zukunft der Mobilität“ ein großes Ziel aufgerufen: Vision Zero. Soll heißen: null Unfälle, null Emissionen. Daran wird auch in Alfdorf, dem Hauptquartier der Division passive Sicherheitstechnik, mit Hochdruck gearbeitet.

Den aktuellen Entwicklungsstand und neue Lösungen präsentiert ZF in Mannheim auf dem Symposium „Airbag 2018“. Die Zukunft der Mobilität stellt neue Anforderungen an den Insassenschutz. Aktive und passive Sicherheitstechnik verbinden sich und ermöglichen so eine Auslösung des Airbags unmittelbar vor einem Crash. Auch das autonome Fahren mit neuen Sitzkonfigurationen verändert die Rückhaltesysteme. Gleichzeitig werden die klassischen passiven Sicherheitssysteme so ausgelegt, dass sie Gewicht, Bauraum und Schutzleistung verbessern.

„Die Sicherheit der Insassen ist eine der wichtigsten Grundlagen bei der Entwicklung neuer Fahrzeuge für automatisiertes und autonomes Fahren“, sagt Dr. Michael Büchsner, der Leiter der Division passive Sicherheitstechnik. Musterbeispiel dafür ist das Konzept des externen Pre-Crash-Seitenairbags. Dieser ist für ein Auslösen an der Fahrzeugaußenseite ausgelegt und dient bei einem Unfall als zusätzliche Knautschzone; so kann die Verletzungsschwere von Insassen um bis zu 40 Prozent vermindert werden. Zusätzlich muss der Insassenschutz auch für neue Sitzpositionen angepasst werden. Wenn das Fahrzeug hochautomatisiert unterwegs ist, wird der Fahrer im Idealfall arbeiten oder sich entspannen dürfen.

Luftkissen passen sich an

Die Gestaltung von Airbags und Gurt muss darauf ausgelegt sein. Eine wichtige Rolle spielen dabei adaptive Dual-Contour-Airbags. Diese Luftkissen können sich in ihrer Form und Größe auf die Insassenposition einstellen. Um bei einem Seitenaufprall das Verletzungsrisiko für Fahrer und Beifahrer zu verringern, ist bei ZF die Entwicklung des Far-Side-Airbags weit vorangeschritten. Dieser entfaltet sich in der Fahrzeugmitte und ist mit dem Blick auf kommende Testregularien gestaltet: „Die neuen Prüfanforderungen des Euro NCAP, die bis 2020 eingeführt werden sollen, erweitern beim Seitenaufprall auf der fahrerabgewandten Seite die Anforderungen an den Insassenschutz“, erklärt Entwicklungsleiter Norbert Kagerer, „künftig kann der Far-Side-Airbag unterstützen, um eine 5-Sterne-Crashtest-Bewertung zu erhalten.“

Mit dem leichtesten Knie-Airbag der Branche adressiert ZF weitere Megatrends: „Durch das geringere Gewicht verbraucht das Fahrzeug weniger Kraftstoff und stößt weniger Emissionen aus“, sagt Kagerer, „außerdem hilft die kleinere und flexiblere Baugröße, neue Innenraumanforderungen von elektrischen oder autonomen Fahrzeugen zu erfüllen.“ Dank eines Gehäuses aus Gewebe anstatt aus Metall wiegt die Neuentwicklung bis zu 30 Prozent weniger als konventionelle Knie-Airbags. Die Serienproduktion beginnt 2019.

Der Fahrerairbag sitzt heute im Lenkrad. Lenkräder für automatisierte Fahrzeuge kommen mit neuen Designmerkmalen auf den Markt. Neben der klassischen kreisrunden Form wird es abgeflachte und teiloffene Formen mit Einklappmechanismen geben. Zudem steigern integrierte Displays die Interaktion mit dem Insassen und die Kontrolle der Innenraumsysteme über das Lenkrad.


Konzernstruktur bei ZF

Die neue ZF-Konzernstruktur umfasst die Divisionen Pkw-Antriebstechnik, Pkw-Fahrwerktechnik, Nfz-Technik, Industrietechnik, E-Mobility, Aftermarket, Elektronik und ADAS, Passive Sicherheitstechnik, Aktive Sicherheitstechnik und weitere. Die passive Sicherheitstechnik in Alfdorf verantwortet die Entwicklung und Produktion von Insassenschutzsystemen (Airbags, Gasgeneratoren, Sicherheitsgurte, Lenkräder). Divisionsleiter ist Dr. Michael Büchsner, Geschäftsführer/Arbeitdirektor Helmut Köditz. Die Geschäftsfelderleiter sind Jou Gaus (Airbag), Aziz Canatar (Gurt), Alexander Heilig (Lenkrad) und Harald Lutz (Gasgeneratoren); Entwicklungsleiter sind Norbert Kagerer und Dirk Schultz, Werkleiter ist Michael Ruster.

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