Alfdorfer Golfclub So golft es sich auf dem neuen Kurzplatz am Haghof

Unsere Reporterin Vlora Kleeb hat Schnuppergolf auf dem neuen Kurzplatz gespielt. Foto: ZVW/Gabriel Habermann

Alfdorf. Bis zu zehn Kilometer legen Golfer in drei Stunden aufwärts zurück, wenn sie eine ganze Runde auf dem Meisterschaftsplatz des Alfdorfer Clubs spielen. Für Menschen mit weniger Zeit und Neulinge des Sports hat der Club einen „Kurzplatz“ geschaffen. Der hat statt 16 nur sieben Löcher und ist ab Samstag auch für Nicht-Mitglieder offen. Wir haben schon im Voraus Schnuppergolf auf dem neuen Platz gespielt.

Eine halbe Million Euro haben die Golfer in den neuen Platz, einen weiteren Speicherteich und Verbesserungen auf dem Hauptplatz gesteckt. Ganz unumstritten war das Projekt nicht: „Der alte Vorstand ist deswegen zurückgetreten“, erzählt der Clubpräsident Albrecht Sorg. „Es gab damals viel Kritik am Kurzplatz.“ Er wurde nicht von allen für nötig gehalten, aber jetzt, neun Jahre nachdem der Club den Kauf von neuen Grundstücken entschieden hatte, ist er da.

Eigentlich hätte der Kurzplatz – „der Name ist etwas irreführend, so kurz ist er nicht“, meint Albrecht Sorg während einer Fahrt im Golfcart über den Platz – schon im vergangenen Oktober eröffnet werden sollen. Wegen der andauernden Trockenheit im Sommer zuvor war der Platz aber noch nicht bereit. Damals gab es nur ein Richtfest, aber ab Samstag ist der neue Platz endlich für alle offen.

Für 20 Euro pro Tag können Besucher auf dem neuen Platz golfen

„Alle“ sind Menschen jeder Alters- und Leistungsklasse. Während der Meisterschaftsplatz nur für Mitglieder bespielbar ist, will der Club mit dem neuen Platz neue Interessenten für das Golfspiel begeistern. Golf gilt gemeinhin eher als ein Vergnügen der gehobeneren Preisklasse. Beim Golf- und Landclub Haghof kostet eine Jahresmitgliedschaft knapp 1500 Euro. Der Kurzplatz soll einen preisgünstigeren Einstieg in den Sport ermöglichen: 20 Euro pro Tag (die Hälfte für Menschen bis 25 Jahre) oder 500 Euro für zwölf Monate ermöglichen die Nutzung des Kurzplatzes. Ob die Strategie aufgeht und sich in Zukunft mehr Neulinge und Unentschlossene dem Sport verschreiben, wird sich zeigen. Als absolute Golf-Neulinge haben wir uns auf Einladung aber schon einmal exklusiv umgesehen.

Einweisung vom clubeigenen "Pro"

Wer das Gelände des Clubs betritt, ist zunächst vom malerischen Ausblick überwältigt. Michael Lutz, Vorstandsbeauftragter für Öffentlichkeitsarbeit und Marketing des Golfclubs, relativiert die Begeisterung unserer Reporterin für die grüne Kulisse: „Das eigentliche Gelände haben wir ja noch gar nicht gesehen.“ Ach so. Als Ortsfremder ist man eben schnell beeindruckt.

Bevor unsere Reporterin auf den Kurzplatz losgelassen wird, gibt ihr der clubeigene „Pro“ erst einmal eine Einweisung. „Es kommt viel auf die Grifftechnik und die Haltung an“, erklärt James aus Liverpool, der schon seit 2002 Golf-Neulinge auf dem Haghof unterrichtet. Seinen englischen Akzent hat er behalten und passt damit gut in die Szenerie, denn Worte wie „putten“, „green“ und „tee“ fallen in dem Club öfter.

Ob er die Geduld für Golf-Neulinge auch aus England mitgebracht oder ob er sie sich im Laufe der Jahre erarbeitet hat, ist unklar. Schnupperspielern kommt sie aber zugute, denn er bleibt auch ruhig und optimistisch, wenn Neulinge wiederholt den Ball nicht treffen.

Golf-Lehrer James aus Liverpool hat viel Geduld für Neulinge des Sports

„Vielleicht liegt es am Mantel“, vermutet er, als der Schläger der Reporterin statt des Balls die Luft ein paar Zentimeter weiter oben durchschneidet. Sie hat da ihre Zweifel, aber bei den frischen Mai-Temperaturen bietet das Kleidungsstück eine gute Ausrede. „Dein Griff war immer gut“, lobt James am Ende noch. Na immerhin.

Dann zeigt er noch, wie ein Profi den Abschlag meistert. Der Wald sah eigentlich aus, als wäre er zu weit entfernt, als dass die kleinen weißen Bälle ihn erreichen könnten, aber James lässt Zweifel aufkommen. Sein Ball segelt in hohem Bogen in Richtung der Bäume und landet irgendwo in weiter Ferne. „So sieht das dann mit viel Übung aus“, kommentiert Albrecht Sorg.

Auf dem Kurzplatz zeigt der Club-Präsident dann sein eigenes Können. Ziel ist es, mit möglichst wenigen Versuchen vom Abschlag zum „Green“ zu kommen und den Ball einzulochen. Der erste Versuch der Reporterin geht daneben: Ball nicht getroffen. Die orangefarbene Fahne, die das Ziel markiert, scheint weit entfernt. „Gar nicht schlecht“, kommentiert Albrecht Sorg den zweiten Versuch, bevor er seinen eigenen Ball schlägt. Die Journalistin läuft die kurze Distanz zu dem Punkt, an dem ihr Golfball gelandet ist. Weiter geht das Spiel.

Etwas Vertrautheit: Das „Putten“ fühlt sich an wie Minigolfen

Beim Spaziergang über den Golfplatz kommen Gedanken an die englische Königsfamilie auf. Albrecht Sorg fährt mit seinem Golfcart – ja, es sieht genauso aus wie auf der Leinwand – neben der Reporterin her, unser Fotograf hält alles fest. Fast wie bei den Promis. Star-Allüren können aber gar nicht erst aufkommen, denn um den Ball als Golf-Einsteiger auf das „Green“ zu befördern, braucht es Konzentration und mehrere Versuche. Der Rest ist dann wie Minigolf: Mit einem speziellen „Putting“-Schläger wird der Ball über die flache Ebene in das Loch mit der Fahne geschubst.

Zwischen Abschlag und Ziel liegt sehr viel Wasser

Es gibt natürlich auch Bälle, die gar nicht erst so weit kommen. Nach dem praktischen Test folgt eine Rundfahrt über das gesamte Gelände. Albrecht Sorg hält den Golfcart beim neuen Speicherteich an und zeigt auf das Fähnchen, das das nächste Loch kennzeichnet. Auch ungeübten Augen fällt sofort auf: Zwischen Abschlag und Ziel liegt sehr viel Wasser. „Es gibt in Deutschland den Beruf des Golfplatztauchers“, erzählt Albrecht Sorg und grinst. „Der kommt einmal im Jahr und fischt die Bälle raus.“

Im Moment sind aber noch keine Bälle im Teich. Stattdessen vervollständigt ein Paar Rostgänse mit seinen Jungen das idyllische Bild. Bei den schönen Anlagen wundert es nicht, dass auch Wanderer immer wieder die Wege der Club-Anlage benutzen. „Bisher hat noch nie jemand einen Ball abgekriegt“, so der Präsident. „Wir passen alle auf.“

Ein Ausflug auf den Haghof lohnt sich

Auch die Reporterin wird vermutlich eher beim Wandern oder als Restaurantgast wieder das Gelände betreten, aber die kurze Berührung mit dem Golfsport bietet mal wieder eine gute Gelegenheit für eine Phrase: Es ist gar nicht so einfach, wie es aussieht. Bei einem Tagesausflug wird wohl niemand das Golfspielen lernen, aber frei nach dem Motto „Öfter mal was Neues“, lohnt sich ein Ausflug auf den Haghof mit seinen makellos gepflegten Anlagen allemal. Und vielleicht kann der Club mit seinem neuen Angebot ja wirklich den einen oder anderen für den Sport gewinnen.


Das gibt’s beim „Golferlebniswochenende“

Club-Präsident Albrecht Sorg eröffnet den Kurzplatz offiziell am Samstag, 18. Mai, um 11 Uhr. Zeitgleich startet das „Golferlebniswochenende“.

Beim „Schnuppergolf“ dürfen Golfer von 11 bis 16 Uhr die Bahnen eins bis sechs auf dem neuen Kurzplatz bespielen. Auf der „Driving Range“ können Besucher mit oder ohne Anleitung selbst Bälle schlagen und sich bei einem „Putt-Turnier“ messen.

Außerdem bietet der Verein über den gesamten Erlebnistag hinweg Platzrundfahrten mit einem Besucher-Golfcart an.

Kinder können von 12 bis 14 Uhr Ponyreiten und den ganzen Tag über mit einem „echten Römer“ einen Römerturm basteln und das Exerzieren üben. Für Erwachsene gibt es eine kleine Führung mit Exponaten aus der Römerzeit.

Der Sonntag, 19. Mai, ist dem „Gemeinsam-Golfen“-Turnier gewidmet. Einzige Voraussetzung zur Teilnahme ist es, kein Golfer zu sein. Anmelden können Interessierte sich per Mail an info@glc-haghof.de, telefonisch unter ) 0 71 82/9 27 60 oder persönlich im Sekretariat.

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