Alte Kinderschüle in Urbach Diskussion um Frühstücksangebot für Schüler

Aus Kinderschüle wird Schülercafé: Ein Weckle, etwas Obst, vielleicht auch mal ein Kaba – so stellt sich Schulleiter Matthias Rieger das geplante Frühstücksangebot vor dem Unterricht vor. Foto: ZVW/Benjamin Büttner

Urbach. Sie kommen ohne Frühstück zur Schule und sollen sich dann im Unterricht konzentrieren – auch an der Wittumschule gibt es laut Aussagen der Schulleitung Kinder, die ohne eine gute Grundlage in den Tag starten. Ein kostenloses Frühstücksangebot vor dem Unterricht im alten Kinderschüle soll Abhilfe schaffen.

Die Knappheit von Kindergartenplätzen bereitet Eltern und Kommunen wieder Kopfzerbrechen. Nicht so in Urbach, wo die Gemeinde mehr Kindergartenplätze hat, als nachgefragt werden. Deshalb wird der Kindergartenbetrieb im Kinderschüle nicht mehr fortgeführt, stattdessen sollen die frei gewordenen Räumlichkeiten von der benachbarten Wittumschule genutzt werden, die schon Teile des Gebäudes beansprucht.

„Wir würden das Kinderschüle gerne als Schülercafé in Nutzung nehmen“, stellte der Schulleiter der Wittumschule, Matthias Rieger, das Konzept zur Nutzung des Gebäudes dem Gemeinderat in der vergangenen Sitzung vor. Im Bereich des Ganztagsbetriebs soll es damit die Möglichkeit eines offenen Angebots geben, bei dem Schülerinnen und Schüler „ein bisschen zur Ruhe kommen und gestalten können“. Unter Aufsicht, aber doch so frei, dass die Schüler peu à peu lernen, Verantwortung zu übernehmen.

Was genau geplant ist

Konkret soll das Café in der Mittagspause und morgens, beim frühen Ankommen mancher Schüler zwischen 7 und 7.40 Uhr, vor Unterrichtsbeginn eine Rolle im Schulalltag spielen.

„Morgens geht es dabei vor allem um Kinder, die ohne Frühstück in die Schule kommen“, so Matthias Rieger. Viele Eltern seien darauf angewiesen, dass ihre Kinder früh in die Schule kommen können, weil sie zum Beispiel im Schichtdienst arbeiten. „Die Schüler sind dann recht früh da.“ Im Sinne einer ganzheitlichen Erziehung möchte die Schule einen Beitrag dazu leisten, „dass jedes Urbacher Kind möglichst fit und gut gefrühstückt in den Unterricht gehen kann“, sagte der Schulleiter. Eine Zusammenarbeit mit der Bürgerstiftung soll das kostenlose Angebot ermöglichen.

In der Mittagspause setzt die Schule den Schwerpunkt anders. Ein Mittagessen wird schon ausgegeben, verschiedene Angebote und Aufsichten gibt es auch. Trotzdem könnte die Zeit nach Ansicht des Schulkollegiums noch sinnvoller gefüllt werden. „Wenn die Schüler den ganzen Tag in der Schule sind, sind die Angebote, die frei gefüllt werden können, extrem wichtig“, sagte Matthias Rieger. Hier soll das Café helfen, den Kindern ein sinnvolles Angebot zu bieten, dass sie selbst entwerfen können.

„Sachkostenmäßig sind wir nicht so hoch unterwegs, weil das Kinderschüle im Innern gut dasteht und für diese Nutzung eigentlich so gut wie alles bereithält“, stellt der Schulleiter in Aussicht. Eine Theke, die noch fehlt, und Sitzmöbel sollen die Schüler in Eigenregie bauen, damit sie sich später auch mit den Räumen identifizieren können.

150 Schülerinnen und Schüler könnten in der Mittagspause für das Café aktiviert werden, dafür braucht es aber eine Fachkraft, die das Angebot betreut. 16 000 Euro im Kalenderjahr sind dafür vorgesehen – hier kommt die Gemeinde ins Spiel.

Das sagen die Gemeinderäte

Der Gemeinderat stimmte dem Konzept der Schule und der Übernahme der Kosten für die Schülercafé-Fachkraft zwar einstimmig zu, manche Gemeinderäte hatten allerdings zunächst Bedenken.

Die SPD-Fraktionsvorsitzende Siegrun Burkhardt konnte nicht gleich ein grünes Signal geben. „Ich bedauere es, dass immer mehr Verantwortung von Familien auf die Gesellschaft übertragen wird und wir Aufgaben übertragen kriegen, die eigentlich Sache der Familien sind“, sagte sie im Anschluss an die Vorstellung des Schülercafé-Konzepts. Natürlich wünsche sie sich eine gute Betreuung, gleichzeitig habe das Gremium eine Verantwortung dafür, dass die Personalkosten nicht ins Unendliche gehen.

Auch Ulrike Brax-Landwehr (Fraktion Grüne) zeigte sich zwiegespalten: „Die Eltern aus der Verantwortung zu entlassen ist nicht unbedingt ein gutes Vorbild“, sagte sie, unterstützte das Projekt aber doch, weil andererseits die Jugendlichen dabei lernen, Verantwortung zu übernehmen.

„Eine Ganztagesschule hat auch etwas mit sozialer Verantwortung zu tun“, meinte Detlef Holzwarth (CDU-Fraktionsvorsitzender). „Wir unterstützen den sozialen Aspekt, dass die Kinder ein Frühstück bekommen.“

„Wir stehen dem Konzept positiv gegenüber“, sagte Ursula Jud (Fraktionsvorsitzende Freie Wähler). „Was uns sehr gut gefällt, ist, dass wirklich nicht nur eine Bespaßung geplant ist.“ Besonders, weil die Kinder miteinbezogen werden sollen. Sie finde es immer wieder erschreckend, wie viele Kinder ohne ein Frühstück in die Schule gehen. Als Reaktion auf die Gegenargumente ihrer Gremiumsmitglieder setzte sie zu Ende der Diskussion hinzu: „Die Kinder kommen trotzdem ohne Frühstück.“

 


Sonstige Nutzung

Neben dem Schülercafé am Nachmittag hat die Wittumschule noch weitere Ideen für die Nutzung der Kinderschüle-Räume.

Vormittags soll der Raum für Gruppen- und Projektarbeit genutzt werden.

Der kleinere Gruppenraum soll dazu dienen, inklusive Gruppen zu beschulen und zu diagnostizieren.

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