Amoklauf Winnenden - 10 Jahre danach „Wir sind nicht allein mit dem Erinnern“

Winnenden. Die Gedenkfeier zum zehnten Jahrestag des Amoklaufs ist besonders groß ausgefallen: Geschätzt rund 400 Personen haben sich im Winnender Stadtgarten beim gebrochenen Ring versammelt und der Opfer des Attentats gedacht.

Erstmals bei einem Gedenktag stellten Schüler, ehemalige Schüler, Lehrer und Eltern der Albertville-Schule eine Menschenkette her, die von der Schule bis zum Mahnmal führte und um 9.30 Uhr für kurze Zeit geschlossen war.

Obwohl es der zehnte Jahrestag war, dauerte die Gedenkzeremonie nicht länger als in den Jahren zuvor, also knapp 20 Minuten. OB Hartmut Holzwarth erinnerte daran, dass es vielen anderen Orten auf der Welt ähnlich erging wie Winnenden: „An diesem Tag rücken wir in Winnenden seit zehn Jahren besonders eng zusammen. Wir sollten uns dabei aber zugleich bewusstmachen, dass auch an vielen anderen Orten der Welt leider schreckliche Vorkommnisse wie Amokläufe, Terrorakte oder Kriegshandlungen geschehen und wir daher mit vielen Menschen und ihrem Schmerz über unvorstellbares Leid nicht nur an diesem Tag vereint sind. So möchte ich erwähnen, dass exakt einen Tag vor dem Ereignis bei uns im Jahr 2009 ein Amoklauf in Geneva County, im US-Bundesstaat Alabama, mit elf Toten erfolgte.“

Hier geht es zu unserem Video von der Gedenkveranstaltung.

„Wir fühlen heute mit allen, die von einem Amoklauf betroffen sind“

Jede Gewalttat auf der Welt, die von einem Einzelnen oder einer Gruppe ausgeübt wird, mache Winnender besonders betroffen. „Wir fühlen deswegen heute mit allen Menschen in jedem Land, in der ganzen Welt, die von einem Amoklauf, von Terror oder gar Krieg getroffen oder betroffen worden sind. Wir sind nicht allein in Winnenden mit dem Erinnern. Ich wünsche mir, dass dieser Gedanke uns, und auch den Menschen an anderen Orten dieser Welt, die ebenfalls solch Schreckliches erlitten haben, hoffentlich hilft“, sagte Holzwarth.

Der Oberbürgermeister bat alle, sich für Frieden einzusetzen: „Zehn Jahre nach dem Ereignis von 2009 wünsche ich uns und allen Menschen auf unserem Planeten weiterhin die notwendige Achtsamkeit, um auch in Zukunft gut miteinander leben zu können, und bitte Sie alle um Ihr Eintreten für eine friedliche Zukunft. Ein Einsatz, der trotz Rückschlägen nie enden darf.“

Jugendgemeinderätinnen lesen die Namen der Ermordeten vor

Die Jugendgemeinderätinnen Jil Weber, Briska Wahlenmeier und Bianca Leitinger lasen die Namen aller 15 am 11. März 2009 Ermordeten vor: Jacqueline Hahn, Ibrahim Halilaj, Franz Josef Just, Stefanie Tanja Kleisch, Michaela Köhler, Selina Marx, Nina Denise Mayer, Viktorija Minasenko, Nicole Elisabeth Nalepa, Denis Puljic, Chantal Schill, Jana Natascha Schober, Sabrina Schüle, Kristina Strobel, Sigurt Peter Gustav Wilk.

Ein Gebet sprach Pfarrerin Gabriele Gimbel-Rueß, und Anwesende gemeinsam beteten ein Vaterunser.

Ein Winnender Streichquartett spielte zum Abschluss „Crisantemi“ von Giacomo Puccini. Es war allerdings so kalt an diesem 11. März, dass die feinen Holzinstrumente im Freien nicht eingesetzt werden konnten. Die Musiker spielten im Foyer der Hermann-Schwab-Halle und ihre Musik wurde per Lautsprecher übertragen.

Gottesdienste

Nach der Gedenkfeier im Stadtgarten gingen viele Winnender schnell zu Fuß hinüber zur Schlosskirche, wo der erste Gedenkgottesdienst am Montag stattfand.

Um 18.30 Uhr feierte Leutenbach einen Gedenkgottesdienst mit Pfarrerin Gimbel-Rueß in der Peterskirche von Weiler zu Stein.

Um 19 Uhr wurde in der Borromäus-Kirche der Opfer gedacht.

Um 20 Uhr ging die Lichterkette des Jugendgemeinderats vom Marktbrunnen zur Albertville-Schule.

  • Bewertung
    7

Heute in Ihrer Tageszeitung

  • Waiblinger Kreiszeitung
  • Schorndorfer Nachrichten
  • Winnender Zeitung
  • Welzheimer Zeitung
Lust auf mehr?

Lesen Sie Ihre Zeitung immer und überall digital: Hier ePAPER-Angebote entdecken!