Amtsgericht Waiblingen Betrug über Ebay: Zwei Jahre Haft für Kernener

Symbolbild. Foto: Pixabay

Kernen/Waiblingen. Wegen Betrug in 68 Fällen muss ein 22-jähriger Kernener nun für zwei Jahre ins Gefängnis. Im Internet hatte er knapp ein Jahr lang Veranstaltungstickets angeboten, die er nicht besaß, und dafür Geld kassiert. Während der Verhandlung am Montag im Amtsgericht Waiblingen wurden weitere Betrugsfälle bekannt.

Zwischen Mai 2017 und Juni 2018 hat der 22-Jähriger etliche Personen um ihr Geld gebracht, in dem er auf der Verkaufsplattform Ebay Kleinanzeigen Veranstaltungstickets angeboten hat. Er nutzte das Prinzip des Onlinehandels: erst die Bezahlung, dann die Lieferung. Zu letzterer kam es natürlich nie – der Kernener kassierte nur ab.

Rund 7400 Euro verdient

In der Anklage heißt es, dass er in 68 Fällen unter Angabe eines falschen Namens Karten im Wert von 32,50 bis 400 Euro angeboten hatte, darunter zum Beispiel Konzerttickets. Für die Geschädigten entstand dadurch insgesamt ein Schaden von rund 7400 Euro.

„Stimmen die Vorwürfe?“, fragte Richter Steffen Kärcher den Angeklagten bei der Verhandlung. „Ja, die stimmen“, gab der zu. Die Staatsanwältin warf ihm vor, die Taten mit der Absicht begangen zu haben, sich fortlaufende Einkünfte zu sichern.

Zwei Wochen U-Haft nach Festnahme im November

In der Tat nutzte der 22-Jährige das Geld, um sich seinen Drogenkonsum zu finanzieren. Vor rund zwei Jahren habe er damit angefangen, täglich Marihuana zu rauchen. Pro Tag habe er dafür 25 bis 50 Euro ausgegeben. „Wenn ich die Drogen konsumiert habe, hatte ich keinen Überblick mehr“, sagte er aus. Aufgehört habe er erst, als er im November 2018 verhaftet wurde. Zwei Wochen verbrachte der Angeklagte in der Untersuchungshaft der Justizvollzugsanstalt in Stuttgart-Stammheim. Die Zeit habe seinen Kopf gewaschen: „Erst da drin habe ich gemerkt, was ich eigentlich für ‘ne Scheiße gebaut habe.“

Die Staatsanwältin glaubt ihm das nicht. Denn nur knapp eine Woche nachdem er entlassen wurde, ging ein neues Verfahren bei der Staatsanwaltschaft ein – mit dem gleichen Muster: Betrug über Ebay, 400 Euro Schadenssumme.

Polizistin: "Er ist kein Gewaltmensch"

Als Zeugin war eine 48-jährige Kernener Polizistin geladen. Sie kenne den Angeklagten schon lange, berichtet sie. Dass er von den Drogen wegkommen will, nimmt sie ihm ab. Auch beschreibt sie ihn als höflichen jungen Mann, der leicht im Umgang sei. „Er ist kein Gewaltmensch.“ Doch auch sie zweifelt. „Du hast ja weitergemacht“, wirft sie ihm vor. Sie habe Anrufe von Kollegen aus ganz Deutschland bekommen.

Ihr lagen Betrugsfälle im Zeitraum vom 2. bis 7. Januar dieses Jahres vor. Es ging um vier Tickets im Gesamtwert von 150 Euro. Richter Kärcher hörte das zum ersten Mal, denn die neuen Vorwürfe lagen der Anklage noch nicht bei. Er ordnete an, dass der Angeklagte den Gerichtssaal nicht mehr verlassen dürfe. Zu den neuen Vorwürfen äußern sich weder der Angeklagte noch seine Verteidigerin.

Bewährung nicht möglich

Die Staatsanwältin forderte seine Festnahme. Die Strafe auf Bewährung auszusetzen, sei nicht möglich. Denn der Angeklagte war bereits 2017 zu einer Strafe auf Bewährung verurteilt worden. Sie sieht ihn als „hartnäckigen Wiederholungstäter“ und „notorischen Betrüger“.

Richter Kärcher urteilte, dass der 22-Jährige in Untersuchungshaft kommt – und eine zweijährige Freiheitsstrafe ableisten muss. Nach Abzug der bereits gezahlten Schadenswiedergutmachung soll er außerdem 7230 Euro zahlen.

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