Amtsgericht Waiblingen Freundin bestohlen und verletzt: Haft für 21-Jährigen

Symbolbild. Foto: Pixabay (CC0)

Waiblingen/Kernen. Zwei Jahre und drei Monate lautet das Urteil gegen einen mehrfach vorbestraften 21-Jährigen. Im vergangenen August hat er Schmuckstücke, eine Spielekonsole und Bargeld aus der Wohnung seiner damaligen Freundin gestohlen. Die Situation eskalierte, als die junge Kernenerin ihn zur Rede stellte: Der Angeklagte zog ein Messer und schlug sie ins Gesicht.

Zwei Halsketten, zwei Armbänder und einen Ring stahl der Angeklagte über einen unbekannten Zeitraum hinweg aus der Wohnung, in der die 17-jährige Schülerin mit ihrer Familie lebt. Unter dem Diebesgut befanden sich ein Familienerbstück und eine Taufkette, die eher ideellen als materiellen Wert hatte. Auch 100 Euro Bargeld, eine Spielekonsole und dazugehörige Spiele ließ er aus der Wohnung mitgehen.

Einige Schmuckstücke in Pfandhaus versetzt

Just diese Konsole wurde ihm zum Verhängnis: Als er mit seiner Freundin ein Tattoo-Studio besuchte, entdeckte sie das Diebesgut. „Ich habe gemerkt, dass ich nicht an seine Tasche darf“, sagte die 17-jährige Schülerin aus. Sie wurde misstrauisch – und schaute bei erster Gelegenheit in die Tasche hinein. Als sie dort ihre Spielekonsole entdeckte, erkundigte sie sich sofort bei ihrer Mutter und ihrem Bruder, ob diese ihm das Gerät ausgeliehen hätten. Sie verneinten. Entsetzt verließ die Schülerin durch den Hintereingang den Tattoo-Salon. Zu Hause überprüfte sie, ob noch weitere Gegenstände fehlten – und bemerkte erst dann, dass Goldschmuck fehlte. In der Bauchtasche des Angeklagten, die noch in der Wohnung der Kernenerin lag, entdeckte sie Quittungen, die belegten, dass einige der Schmuckstücke in einem Pfandhaus versetzt worden waren.

17-Jährige zieht Anzeige wegen Körperverletzung zurück

Die Geschädigte fuhr mit zwei ihrer Cousinen zu dem Angeklagten und stellte ihn zur Rede. Es wurde laut, die Situation eskalierte. Der 21-Jährige zog ein Messer und richtete dieses auf eine der jungen Frauen. Die Polizei wurde gerufen. Nachdem sie das Messer beschlagnahmt hatte und wieder weggefahren war, entbrannte der Streit erneut: Es fielen gegenseitige Beleidigungen, woraufhin der Angeklagte ausrastete und der 17-Jährigen ins Gesicht schlug. Sie verlor das Gleichgewicht. Ein Zeuge konnte sie gerade noch auffangen. Sie erlitt eine Prellung an der Nase, ein blaues Auge und einen Bluterguss an der Schläfe. Dennoch zog sie ihre Anzeige wegen Körperverletzung nach kurzer Zeit wieder zurück. „Ich wollte mit dem Vorfall abschließen und nicht mehr damit in Verbindung gebracht werden“, sagte die Schülerin.

Angeklagter: "Ich schäme mich sehr dafür"

Ursache des Dramas soll der Drogenkonsum des Angeklagten gewesen sein: „Mit dem Geld, was ich erlöst habe, habe ich Kokain gekauft“, gab der junge Mann vor Gericht zu. Kurze Zeit nach dem Diebstahl sei er zur Entgiftung gegangen und seit einigen Monaten „drogenfrei“. Der 21-Jährige, der mit anderthalb Jahren in eine Pflegefamilie kam und im Heim aufgewachsen ist, entschuldigte sich bei der 17-Jährigen und bei ihrer 38-jährigen Mutter.

„Ich schäme mich sehr dafür. Die größte Strafe für mich damals war es, euch beide zu verlieren“, sagte er. „Mir tut es leid, weil ich ihn wie einen Sohn aufgenommen habe“, sagte die 38-jährige Frau mit zittriger Stimme und brach in Tränen aus. Sie hätte ihm auch geholfen, wenn sie gewusst hätte, dass dieser in Geldnot steckt.

„Bewährung grandios gescheitert“

Richter Martin Luippold verkündet das Urteil: eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren und drei Monaten. Zuvor hatte der Staatsanwalt zwei Jahre und vier Monate gefordert und festgestellt, dass bei dem Angeklagten eine Entwicklungsverzögerung vorliege. „Diebstahl und Körperverletzung. Es sind zwei gravierende Straftaten“, sagte der Richter – und nicht seine ersten. Er ist bereits vorbestraft wegen Körperverletzung und weiterer Delikte. Eine Bewährungsstrafe, die im vergangenen Jahr vom Stuttgarter Amtsgericht verhängt wurde, sei „grandios gescheitert“, sagte Luippold. „Seit seiner Haftentlassung im März 2018 hat er relativ schnell wieder einen Rückfall gehabt. Hätte er eine Langzeit-Drogentherapie gemacht, wie es das Amtsgericht Stuttgart angedacht hatte, wäre es zu den Taten nicht gekommen.“

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