Amtsgericht Waiblingen Leutenbacher muss wegen Geldwäsche in Haft

Symbolbild. Foto: Pixabay

Waiblingen. Ein hoch verschuldeter Drogenabhängiger soll über sein Konto Geld gewaschen haben. Offenbar aus Geldnot hatte der Leutenbacher zugestimmt, gegen eine Provision 5000 Euro anzunehmen und weiterzugeben. Das Geld stammte aus einem Gewinnversprechensbetrug. Der Mann muss nun für neun Monate ins Gefängnis.

Er habe aus Verzweiflung gehandelt, aus Geldnot, sagt der Angeklagte vor Gericht aus. Kurz nachdem er arbeitslos geworden sei, habe er mit einer Freundin über seine Geldprobleme gesprochen. Sie habe ihm daraufhin ein Angebot gemacht: Ein Bekannter schulde ihr noch Geld. Wenn sie das über sein Bankkonto abwickeln könne, könne er sich ein wenig Geld verdienen. Laut Aussage des Angeklagten sei es dabei um 5000 Euro gegangen. 4000 Euro habe er weitergeben sollen, die restlichen 1000 Euro mit seiner Bekannten teilen.

Bankangestellte verweigerten die Auszahlung

Der Drogenabhängige gibt zu, er habe einige Telefonate mit einem Mann in der Türkei geführt. Allerdings habe er angenommen, es handele sich dabei um einen Freund seiner Bekannten – eben jenen, der ihr noch Geld schulde. Von dem Verwendungszweck der Überweisung („Anwaltskosten für die Auszahlung eines Gewinns“) habe er erst erfahren, als er versucht habe, das Geld abzuheben. Der Versuch scheiterte, weil die offenbar misstrauisch gewordenen Bankangestellten die Auszahlung verweigerten. Auch bei einem zweiten Versuch war der Angeklagte nicht erfolgreich. Eine Mitarbeiterin der Bank informierte die Polizei schließlich in einem Schreiben über den seltsamen Vorgang.

Polizei war Betrug bekannt

Ein Polizeibeamter berichtet von den Ermittlungen: Der Polizei sei ein Betrug mit einem Gewinnspielversprechen bekannt gewesen. Die Auswertung der Kontoauszüge (in besagtem Zeitraum seien nur die rund 5000 Euro eingegangen) sowie der Mobilfunkdaten des Mannes hätten den Verdacht erhärtet, dass es sich bei der Summe um das Geld einer 89-Jährigen aus eben diesem Betrugsfall handelte. In ihrem Schreiben hatte die Bankangestellte auch ein Telefonat erwähnt, in dem der Angeklagte gesagt haben soll, sein Konto sei gesperrt und er komme nicht an das Geld.

Vorsatz wird unterstellt

Der Staatsanwalt sieht die Tat am Ende der Verhandlung als bestätigt an. Darüber hinaus habe der Angeklagte zumindest bedingt vorsätzlich gehandelt: „Ihm hätte auffallen müssen, dass das Geld aus einer kriminellen Tat stammt.“ Der Vorsitzende Richter Kärcher teilt diese Einschätzung: Dem Mann sei es wohl bewusst gewesen, dass das Geld aus einer Straftat stammte, es sei ihm aber egal gewesen. Er habe aus Geldnot gehandelt und sich ohne Rücksicht auf die Geschädigte ein paar Hundert Euro Provision verdienen wollen.

Zahlreiche Vorstrafen

Er verurteilt den Angeklagten zu neun Monaten Freiheitsstrafe, die nicht zur Bewährung ausgesetzt werden können. Aus Sicht des Richters ist dies angesichts der schlechten Sozialprognose angemessen: Der Mann hat zahlreiche Vorstrafen wegen des Besitzes von Betäubungsmitteln, Waffenbesitzes und Diebstahls, die letzte Bewährung wurde zweimal widerrufen. Da der Richter aber einen Zusammenhang zwischen der Drogenabhängigkeit des Mannes und der begangenen Tat sieht, kommt die Kombination der Gefängnisstrafe mit einer Therapie infrage.


Gewinnspielbetrug

Immer wieder gibt es Betrugsversuche mit Gewinnversprechen: Die Täter melden sich telefonisch und berichten dem Angerufenen von einem angeblichen Gewinn.

Um diesen Gewinn jedoch in Anspruch nehmen zu können, müsse vorab eine Anwaltsgebühr oder Ähnliches gezahlt werden.

Die Polizei warnt deshalb davor, persönliche Daten herauszugeben oder finanziell in Vorleistung zu gehen. Entsprechende Fälle sollten immer angezeigt werden.

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