Arbeitnehmerüberlassung Auf Zeit im Unternehmen

Zeitarbeit hat für viele Menschen einen faden Beigeschmack. Schlechter Lohn und kaum Chancen auf langfristige Übernahme, so die vorherrschende Meinung. Qualifizierte Arbeitskräfte wie IT-Spezialisten, Ingenieure oder Naturwissenschaftler machen andere Erfahrungen mit der Arbeitnehmerüberlassung: denn Unternehmen suchen nach entsprechenden Fachleuten. Robert Spermann hat Benzin im Blut. Während seines Studiums als Wirtschaftsingenieur an der FH Schweinfurt hat er Praktika unter anderem bei Rheinmetall, Daimler und Horex absolviert. Doch ihm war nach dem Studienabschluss noch unklar, ob es zu einem Automobilkonzern oder einem mittelständischen Zulieferer gehen sollte. So kam der 27-jährige Heilbronner zum Personaldienstleister Hays, der ausschließlich Spezialisten vermittelt - sei es in Festanstellung, in Projekte oder auf Zeit.


Personaldienstleister sichern einen strukturierten Lebenslauf

3000 fest angestellte Spezialisten beschäftigt das Mannheimer Unternehmen im Rahmen der Arbeitnehmerüberlassung, davon 800 Berufsanfänger und Juniors - quer durch alle Berufsgruppen. 'Wer sich den Leistungsdruck zielorientierter Projektarbeit zutraut', sagt Markus Ley, 'der lernt in der Arbeitnehmerüberlassung innerhalb von fünf Jahren zwei, drei Firmen sowie verschiedene Tätigkeiten kennen und verfügt innerhalb kurzer Zeit über eine vielfältige Berufserfahrung.' Weitere Vorteile aus Sicht des Geschäftsführers der Hays Temp GmbH: Personaldienstleister sichern als kontinuier­licher Arbeitgeber einen strukturierten Lebenslauf und bilden ihre Angestellten fachlich wie methodisch weiter, so wie es die Tätigkeit bei dem auftraggebenden Unternehmen erfordere. Auch bei den Unternehmen stoßen diese Dienstleistungen auf Interesse: So setzten im vergangenen Jahr 37 Prozent der befragten Unternehmen externe Ingenieure im Rahmen der Arbeitnehmerüberlassung ein.


Vier Jahre zuvor waren es nur 23 Prozent gewesen. Als Angestellter verschiedene Tätigkeiten in unterschiedlichen Unternehmen auszuprobieren, das hat auch Spermann von der Arbeitnehmerüberlassung überzeugt. Für die kommenden zwei Jahre arbeitet er bei einem deutschen Automobilhersteller in der Montagetechnik. Das bedeutet: er konzipiert Anlagen, plant die technische Ausgestaltung und Beschaffung der notwendigen Maschinen und Werkzeuge und strukturiert den gesamten Prozess. Ihm gefällt die interdisziplinäre Tätigkeit. Dass er eine externe Arbeitskraft ist, spielt im alltäglichen Umgang mit seinen Kollegen keine Rolle. 'Entscheidend ist, dass ich meine Aufgaben erfolgreich erfülle. Dazu gehört, dass ich wie jeder andere Berufsanfänger Unterstützung hole, wenn es notwendig ist', erzählt Spermann.


Die Zeitarbeit hat nach wie vor ein schlechtes Image

Die eingeschlagene berufliche Richtung passt für ihn, denn eine Planungstätigkeit in der Produktion interessiert ihn auch langfristig. Gerne darf es auch noch mal ein inter­nationales Projekt sein. Schließlich strebt er mittelfristig Führungsverantwortung und Entscheidungskompetenz an. Laut Hays-Studie sehen Ingenieure in der Arbeitnehmerüberlassung vor allem drei Vorteile: Einblicke und Erfahrungen in unterschiedliche Bereiche und Unternehmen (42 Prozent), Übernahmemöglichkeiten durch die Unternehmen (41 Prozent) und schließlich die Möglichkeit, Kontakte zu knüpfen (34 Prozent). Trotzdem sind sie ambivalent, was ihre Arbeitssituation angeht. Zwar sind drei Fünftel zufrieden oder sehr zufrieden, dennoch würden 71 Prozent der Befragten in die traditionelle Festanstellung wechseln, wenn sich diese Option böte. Ein Grund dafür sei das schlechte Image, das die Zeitarbeit nach wie vor habe, findet Markus Ley. Er sieht Unternehmen und Gesellschaft angesichts dieser Diskrepanz gefordert: 'Es ist an der Zeit, Mitarbeitern in Arbeitnehmerüberlassung endlich die gebührende Wertschätzung und Anerkennung zukommen zu lassen, denn sie bilden längst eine feste Größe in der Arbeitswelt.'


Denn Unternehmen sind auf die Flexibilität, die ihnen die Arbeitnehmerüberlassung bietet, angewiesen - einerseits, um Produktionsspitzen abzufangen, andererseits, um spezielles Knowhow zu nutzen. Heute beträgt der Anteil externer Ingenieure in drei Viertel der befragten Firmen bis zu zehn Prozent. In weiteren 21 Prozent der Firmen beträgt der Anteil bis zu 25 Prozent. 58 Prozent glauben, dass dieses Verhältnis von externen und fest angestellten Ingenieuren konstant bleibt, ein Drittel schätzt, dass der Anteil Externer zunimmt. Der Direktor der Frankfurter Sthree Holding teilt diese Auffassung. Allerdings macht sich Alex Gerritsen Sorgen, dass die Universitätsabgänger immer jünger werden, lediglich ihre Pflichtpraktika absolvieren und sehr theorielastig ausgebildet werden. Deshalb vermittelt er sie lieber an Unternehmen, in denen die qualifizierten Zeitarbeiter als Interimslösung vor allem Rou­tinetätigkeiten erledigen und nicht in Projekten mitarbeiten. Damit sie praktische Berufserfahrungen sammeln, vermittelt er sie innerhalb von zwei, drei Jahren ein- oder zweimal an Zeitarbeitsfirmen, die sie dann an ihre eigentliche Bestimmung weitervermitteln.

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