Archivstraße in Schorndorf Große Umwege für extravaganten Bau

Die Archivstraße: Seit zweieinhalb Jahren wegen der Schatz-Baustelle nur in einer Richtung befahrbar. Zurück zur Burgstraße geht’s einmal ums Karree. Foto: ZVW

Schorndorf. Das exklusive Mehrfamilienhaus, das die Firma Schatz seit Februar 2017 an der Archivstraße baut, ist fast fertig, ein Drittel der Wohnungen vermietet. Trotzdem müssen Verkehrsteilnehmer, die vom Archivplatz in Richtung Burgstraße wollen, noch immer im großen Bogen über die Johann-Philipp-Palm-, die Gmünder und die Feuerseestraße fahren. Doch ein Ende für die wegen der Baustelle eingerichteten Einbahnstraßenregelung ist in Sicht: Anfang Oktober, mit Abschluss der Bauarbeiten.

Im Dezember 2018, so die Planung, sollten die 14 exklusiven Wohnungen eigentlich bezugsfertig sein. Ein Dreivierteljahr später ist die Baustelle noch immer nicht abgeschlossen und die Archivstraße nur in einer Richtung befahrbar. Wer von der Burgstraße kommt und auf dem Archivplatz parkt, kann seit zweieinhalb Jahren nicht mehr direkt auf die Burgstraße zurückfahren, sondern muss einen Umweg über die Johann-Philipp-Palm-, die Gmünder und die Feuerseestraße nehmen.

Als ein Kran vor der Baustelle stand und die Hälfte der Fahrbahn blockiert hat, war das einzusehen. Und auch, als im Juni noch einmal ein Gerüst gestellt werden musste. Doch jetzt parken vor dem Mehrfamilienhaus allenfalls noch ein, zwei Handwerkerautos und ein Dixie-Klo – und dennoch müssen Verkehrsteilnehmer einen Umweg in Kauf nehmen.

Anfang Oktober soll wieder die alte Regelung gelten

Adrian Holl, Sachgebietsleiter Verkehrsangelegenheiten bei der Stadtverwaltung Schorndorf, erklärt die Fortdauer der Sperrung damit, dass nach wie vor „Platz für die Belieferung, Lagerung und Abwicklung der Baustelle benötigt“ wird. Außerdem bleibe wegen des hohen Aufwands bei der Einrichtung eine Baustelle oft bestehen, „auch wenn kurzfristig keine Bautätigkeit erkennbar ist“.

Eine Genehmigung für die Baustelle hat die Firma Schatz bis zum 30. September. Angesichts des für Oberbürgermeister Matthias Klopfer „sehr überschaubaren Zeitraums“ bleibt die Einbahnstraßenregelung bis zum Abschluss der Bauarbeiten bestehen. Anfang Oktober soll dann wieder die alte Regelung gelten.

Kritik an „zu massiver“ Planung

Unumstritten war schon der Bau des Mehrfamilienhauses nicht. Die ersten Planungen der Firma Schatz für die Bebauung des Grundstücks Archivstraße 13 lehnte der Gemeinderat ab – auch Anwohner hatten die „zu massive“ Bebauung kritisiert. Erst als die Planung verändert wurde und das Gebäude im rückwärtigen, zum Schlosspark hin orientierten Bereich um etwa vier Meter von der Grundstücksgrenze abgerückt wurde, gab der Gemeinderat sein Okay für den Bau dieses exklusiven Innenstadtbaus, der laut Objektbeschreibung „14 extravagante Mietwohnungen von ca. 120 bis 123 Quadratmeter Wohnfläche“ bietet.

Als Luxuswohnungen wollte Ulrich Schatz sie in der Planungsphase nicht bezeichnen, beworben wird das viergeschossige Mehrfamilienhaus, in dem eine 98-Quadratmeter-Wohnung 1630 Euro Kaltmiete kostet, auf der Internetseite des Unternehmens wie folgt: „Die moderne Architektursprache mit offenen Wohnraumgestaltungen, bodentiefen Glasfronten und der einzigartigen Außenfassade machen dieses Gebäude zu etwas Besonderem.“ Seit August sind die Wohnungen auf dem Markt, ein Drittel ist vermietet.

Die Verzögerungen an der Baustelle erklärt Gerald Schatz, für den hochwertige Architektur eben „mehr Zeit und Geld kostet“, nicht nur mit der innerstädtischen Lage, die Planungen grundsätzlicher schwieriger mache. Er erinnert auch an den Schleimgraben, der im Sommer 2017 in der Baugrube entdeckt wurde, das Denkmalamt auf den Plan rief und eine teure Pfahlgründung notwendig gemacht hat.

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