Artenschwund Nothilfe für den Umweltschutz

 Foto: dpa

Stuttgart/Karlsruhe - Wer den Umwelt- und Naturschutz im Land ausbauen will, kommt an der LUBW nicht vorbei - der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz. Doch die Institution in Karlsruhe leidet an chronischem Geldmangel. Jetzt soll es Linderung geben.

Sie messen, prüfen, berechnen und setzen Teddybären in Brand. Das Arbeitsgebiet der LUBW-Spezialisten ist weit. Es reicht vom Umwelt- und Naturschutz über den technischen Arbeitsschutz und den Strahlenschutz bis hin zur Produktsicherheit. Die LUBW kümmert sich auch um die Hochwasservorhersage im Land und die Luftmessstationen. Die 520 Wissenschaftler, Ingenieure und Techniker sitzen in Karlsruhe, Langenargen und Stuttgart. Doch es waren einmal mehr: Seit dem Jahr 1993 musste die LUBW 30 Prozent ihrer Stellen einsparen.

Auch der finanzielle Zuschuss des Landes hat in den vergangenen Jahren abgenommen. In diesem Jahr betrug er 19 Millionen Euro. Zuletzt gab es einen Einschnitt vor zwei Jahren, als die alte Landesregierung den Zuschuss um zwei Millionen Euro kürzte. Genau diese Kürzung will die neue grün-rote Landesregierung zurücknehmen. Die zwei Millionen Euro sollen vom kommenden Haushaltsjahr an wieder fließen, wie Johannes Stober bestätigt, der umweltpolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion. "Die LUBW muss für ihre Aufgaben angemessen ausgestattet sein", sagt Stober. Nicht umsonst hatte Grün-Rot im Koalitionsvertrag festgeschrieben, dass die LUBW "mit den notwendigen personellen und finanziellen Mittel ausgestattet wird".

LUBW-Chefin Margareta Barth freut sich über das zusätzliche Geld. Seit der Kürzung vor zwei Jahren habe man viele Projekte zurückstellen müssen - "Aufgaben strecken", nennt sie das.

Kinderspielzeug unter der Lupe

Zum Beispiel bei der Marktüberwachung: Die Spezialisten der LUBW testen Kabeltrommeln, prüfen, wie schnell sie brennen, nehmen Kinderspielzeug unter die Lupe und schauen, ob es den Kleinen gefährlich wird. "Für die Marktüberwachung konnten wir nur 80 Prozent der Arbeit erledigen, weil wir zu wenig Geld und Personal haben", sagt Barth. Auch bei den hoch technischen Geräten für Messungen sieht es nun wieder etwas besser aus. Viele Geräte sind veraltet, neue können gekauft werden. Auch in den chemischen Laboren "stimmt wenigstens die Grundausstattung wieder". Doch in die Freude über das neue Geld mischt sich Kritik. Denn die zusätzlichen zwei Millionen Euro fließen nur im kommenden Jahr. Danach muss neu verhandelt werden. "Eine Verstetigung der Mittel findet nicht statt", sagt Barth. Viele Projekte seien aber auf mehrere Jahre angelegt, zum Beispiel die Überwachung der Wasserrahmenrichtlinie, die grob gesagt dem Schutz der Gewässer im Land dienen soll. "Ein Zuschuss für ein Jahr ist wie ein Strohfeuer", sagt sie.

Und dann das Personal. Zwar erhält die LUBW zwei neue Stellen, um den Ausbau der Windkraft fachkundig zu begleiten. Doch darüber hinaus gibt es nichts. "Es gibt zwar mehr Geld", sagt Andre Baumann, Landeschef des Naturschutzbunds (Nabu), "aber jetzt fehlen die Stellen, um das Geld richtig zu verwalten." Genügend Personal braucht auch, wer die Roten Listen bedrohter Tier- und Pflanzenarten im Land verwalten und pflegen muss, so wie die LUBW. Wenn nicht, verzögert sich das Ganze, aktuelle Informationen findet man dann nur noch selten - ebenfalls so wie bei der LUBW. Die Liste bedrohter Brutvögel stammt von 2001, die der Kriechtiere und Lurche von jeweils 1998. Ebenfalls veraltet sind unter anderem die Aufzählung bedrohter Fang- und Heuschrecken und Farn- und Blütenpflanzen. Die LUBW versucht, aktualisierte Listen im Zehn-Jahres-Rhythmus zu veröffentlichen. Doch das Problem sind neue Umweltschutzrichtlinien der EU. Dadurch sei man personell stark ausgelastet, heißt es. Zum Beispiel durch die Fauna-Flora-Habitat-(FFH-)-Richtlinie. Um ihr gerecht zu werden, mussten die LUBW-Mitarbeiter in den letzten Jahren unzählige Landschaftsgebiete aussuchen und nach Brüssel melden. Zwar vereinen die Roten Listen das geballte Wissen von freischaffenden Naturschützern. Doch das Pflegen der Datenbanken kann längst nicht mehr allein auf ehrenamtlicher Basis erledigt werden.

Der ZVW Morgen-Newsletter

Gut informiert in den Tag starten. Einfach kostenlos anmelden.

Heute in Ihrer Tageszeitung

Lust auf mehr?

Lesen Sie Ihre Zeitung immer und überall digital: Hier ePAPER-Angebote entdecken!