Aspach Investor soll frisches Geld für Comtech bringen

Symbolbild. Foto: Pixabay /moerschy

Aspach. Nach dem Insolvenzantrag des Aspacher Elektronikhändlers Comtech GmbH vom vergangenen Mittwoch ist die Suche nach Lösungen in den Fokus gerückt. Der Stuttgarter Rechtsanwalt Dietmar Haffa, der vom Amtsgericht Ludwigsburg zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt wurde, hat sich dazu bereits einen ersten Überblick über die Lage des Unternehmens verschafft.

Dietmar Haffa kommt von der Anwaltsgesellschaft Schultze&Braun, die schwerpunktmäßig auf den Gebieten Restrukturierung und Insolvenzverwaltung tätig ist. „Wir stehen noch ganz am Anfang“, grenzt Ingo Schorlemmer, Pressesprecher von Schultze&Braun, ein. Zum jetzigen Zeitpunkt sei es noch schwierig, konkrete Aussagen zu treffen. Fürs Erste sei sichergestellt, dass der Geschäftsbetrieb weitergeht – auf jeden Fall für die Dauer des vorläufigen Insolvenzverfahrens, das bis Ende Oktober läuft.

Die 85 Beschäftigten sind durch das Insolvenzgeld abgesichert

So lange wird auch das Insolvenzgeld gezahlt, durch das die rund 85 Beschäftigten abgesichert sind. Sie erhalten damit, wie Schorlemmer versichert, netto genauso viel wie vorher. Zugleich macht er deutlich, dass dies auch das Unternehmen entlaste: Eingesparte Gelder stünden dann bereits für die Restrukturierung zur Verfügung. Unterdessen könne der Insolvenzverwalter die Zeit nutzen, um sich genau anzusehen, wie es um die Wirtschaftlichkeit des Unternehmens bestellt ist, das zuletzt Jahresumsätze von 130 bis 140 Millionen Euro verbuchen konnte. Es werde auch genau hingesehen, wo es im Betrieb möglicherweise etwas zu verbessern gibt, ob beispielsweise Prozesse vielleicht schlanker und schneller gestaltet und damit Kosten gespart werden können.

Allerdings werde es eine „finale Rettung“, so Schorlemmer, nur mit einem Investor geben, der frisches Geld mitbringt. Das sei auch die Marschrichtung, die der Insolvenzverwalter bei der weltweiten Suche einschlägt.

Das noch junge Aspacher Unternehmen hat seinen Online-Shop im Frühjahr 2004 ins Leben gerufen. Neben dem Firmensitz in der Talstraße in Aspach ist Comtech in Bremen und Braunschweig mit Zweigstellen vertreten. Seit 2015 gehört das Unternehmen zur Komplett-Group, einem großen norwegischen Online-Versandhändler für Elektronikprodukte.

Das sind die Ursachen für die aktuelle Schieflage

„Wir gehen stark davon aus, dass der Betrieb über den Oktober hinaus sichergestellt werden kann“, führt Schorlemmer weiter aus. Ziel sei es, möglichst alle Arbeitsplätze zu erhalten. Derzeit sei aber noch nichts spruchreif, dafür sei es noch viel zu früh. Das förmliche Insolvenzverfahren werde voraussichtlich Anfang November eröffnet.

Verschiedene Ursachen für die aktuelle Schieflage hat der Insolvenzverwalter identifiziert: Zum einen nennt Haffa den durch Vergleichsportale und Online-Marktplätze höchst transparenten Markt, der einen starken Preisdruck erzeuge und dabei kaum noch Wachstum zeige, sodass die Gewinnspanne sehr schmal geworden ist. Gleichzeitig sei der Online-Shop nicht optimal aufgestellt. Als Hindernis für die geschäftliche Entwicklung hätten zudem „Uneinigkeiten zwischen den Gesellschaftern“ gewirkt. Haffa will deshalb zunächst einmal den Geschäftsbetrieb wieder, wie er sagt, in ruhiges Fahrwasser lenken.

Sponsoring im Fußballbereich

Comtech handelt mit Markenprodukten aus den Bereichen Computer, Smartphones, Haushaltswaren, Werkzeug, Foto, Fernsehen und Multimedia. Damit erzielte das Unternehmen über geraume Zeit hinweg einen rasanten Höhenflug. Im Jahr 2010 gab es beispielsweise ein Umsatzplus von 40 Prozent auf 64 Millionen Euro. Das früher in Backnang ansässige Unternehmen profitierte dabei unter anderem von einer stark gestiegenen Nachfrage nach mobilen Systemen, Smartphones und E-Book-Readern sowie Tablet-PCs.

Zudem steigerte Comtech seinen Bekanntheitsgrad in der Region durch sein Sponsoring im Fußballbereich. So führte dann die neu erbaute Sportarena in Aspach Comtech ab 2011 bis ins Jahr 2014 in ihrem Namen.

In die Schlagzeilen geriet das Unternehmen aber auch, als es von der Wettbewerbszentrale wegen der Gebühren für seine 0180-Servicenummer verklagt wurde. Das Musterverfahren landete beim Europäischen Gerichtshof, der 2017 entschied, dass die Kosten für den Anruf bei einer 0180-Service-Hotline den üblichen Festnetz- oder Mobilfunktarif nicht übersteigen dürfen.

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